Anblaffen und zurückstarren

Anzeige

Dann eilen sie geschäftig an ihren Schreibtisch zurück, den sie über und über mit Dokumenten, Aktenordnern und Schmierpapieren übersäen. Nachdem sie alle auffindbaren Zettel auf diese Weise strategisch geschickt verteilt haben, ist das Tagwerk schon getan. Frei nach dem Motto: Durch Nichtstun ist schon viel Unheil verhindert worden.

Diejenigen, die es in dieser Disziplin besonders weit gebracht haben, tun nicht nur selber nichts, sondern halten andere Kollegen auch gern von der Arbeit ab - Fleiß könnte ja ansteckend sein. Deshalb ziehen sie von Büro zu Büro und laden andere zum Plaudern ein. Sie beginnen die Konversation mit solch gehaltvollen Sätzen wie: "Und?" Danach herrscht erst mal Stille.

In die Flucht geschlagen

Tja, was wäre eine adäquate Antwort? Nur der Hilfsbereite ist so ungeschickt und lässt sich in ein Gespräch verwickeln. Der Profi antwortet lediglich "Mmh", starrt konzentriert auf seinen Bildschirm und tippt weiter. Der Schlechtgelaunte dagegen blafft "Was, und?" und starrt zurück.

Auf diese Weise in die Flucht geschlagen, verzieht sich der Faule wieder an seinen Schreibtisch zurück und verwendet seine komplette Energie darauf, möglichst beschäftigt auszusehen - bis er um Viertel vor vier die erlösenden Sätze spricht: "Heute war's mal wieder so chaotisch hier, ich bin jetzt fix und fertig. Ich mach heut früher Schluss." Weg ist er - und seine Arbeit dürfen die stillen, unauffälligen erledigen, die sich nie beklagen würden, aber genau deshalb nie befördert werden.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. "Ich mach heut früher Schluss"
  2. Sie lesen jetzt "Ich mach heut früher Schluss"
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/mri)