Von Julia Bönisch

Sage mir, wie viele Kollegen du hast, und ich sage dir, wie viele Wege du kennst, dich wichtig zu machen. Wie Praktikanten, Konferenzen und E-Mails zum Selbstmarketing missbraucht werden.

Selbstmarketing ist wichtig, keine Frage. Sogar wesentlich, wenn einem die Karriere ein bisschen am Herzen liegt. Den Chef zum richtigen Zeitpunkt wissen zu lassen, wie schlau, erfolgreich und unverzichtbar man ist, gehört zum Handwerk.

Posteingang

Posteingang: Um 21.30 Uhr trudeln noch die letzten E-Mails von Kollegen ein. (© Foto: iStock)

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In ganz nebenbei eingeflochtenen Kommentaren schaffen es die Kollegen immer wieder, jeden anderen wissen zu lassen, dass die Firma ohne sie schon längst am Ende wäre. Beliebte Strategien gibt es viele. Immer gern genommen, weil so einfach auszuführen: ...

... das vorzeitige Verlassen von Konferenzen

Der Kollege hat seinen Beitrag zum Programm zum Besten gegeben, nun ist der Nächste an der Reihe. Jetzt gebietet es die Höflichkeit, die anderen ausreden zu lassen und wenigstens den Anschein zu erwecken, als höre man zu. Doch der Kollege hat das gar nicht nötig. Er steht auf und erklärt die Konferenz ganz einfach für beendet - zumindest für ihn selbst. Wenn man so richtig wichtig ist, hat man es nämlich gar nicht nötig, sich das Gerede der anderen bis zum Schluss anzuhören.

Hat der Kollege es richtig drauf, inszeniert er seinen Abgang professionell: Aufstehen, zu einem anderen Kollegen gehen, ihm mit lautem Flüstern irgendwelche Infos ins Ohr pusten, raus - aber schnell. Schließlich hat er es eilig, die nächste bedeutende Aufgabe wartet.

... das gönnerhafte Loben anderer

Beschließt der Kollege doch, der Konferenz bis zum Ende beizuwohnen, gibt es eine weitere Gelegenheit, die eigene Relevanz unter Beweis zu stellen: Präsentiert ein Teammitglied eine Idee, kann der Kollege sie ganz jovial bejubeln. Ihm tut's nicht weh, der andere freut sich - und irgendwie findet er schon einen Dreh, das Lob so zu formulieren, dass es auf ihn selbst zurückfällt: "Das hat die Marita ganz toll gemacht. Ich hab ihr das auch schon gesagt. Sie hat sich auch wirklich gefreut. Vor allem über meine Anregungen."

... der Umgang mit Praktikanten

Noch simpler als das Loben von Kollegen ist der Missbrauch von Praktikanten: Je nachdem, wie es die Lage erfordert, kann man sie loben, mobben oder ignorieren. In ihrem Beisein etwa sagt der Kollege dann Sätze wie: "Ich hab jetzt keine Zeit dafür, dass kann mein Praktikant erledigen." MEIN Praktikant? Schön, wenn man so wichtig ist, einen persönlichen Leibeigenen zu besitzen.

Auf der nächsten Seite: Wie E-Mails zum Terrorisieren der Kollegen missbraucht werden.

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