"Manch Altes ist nur neu verpackt" Bayerisches Staatsinstitut kritisiert Bachelor und Master

Die neuen Abschlüsse erfüllen die Erwartungen nur zum Teil.

Von Christine Burtscheidt

(SZ vom 23.6.2003) An den bayerischen Hochschulen setzen sich die vor fünf Jahren eingeführten Abschlüsse Bachelor und Master immer mehr durch. Laut einer Studie des bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und -planung werden sie bereits bei elf Prozent aller Studiengänge angeboten. Die Studienmacher Sigrid Kristina Gensch und Götz Schindler üben jedoch auch Kritik: "Manch Altes ist nur neu verpackt." Auch lösten die Studiengänge nur bedingt den Anspruch ein, wirklich international zu sein.

200 neue Studiengänge

Beinahe schon wöchentlich wird ein neuer Studiengang bekannt gegeben. Gerade war es die Universität Bamberg, die nun im Fach Geschichte den "Bachelor of Arts" verleihen will.

Seit der Hochschulreform von 1998 sind Bachelor und Master eine Alternative zu Magister und Diplom. Die Erwartung des Wissenschaftsministeriums ist: Das Studium muss sich stärker an internationalen Standards orientieren. Bachelor und Master sind im Ausland übliche Abschlüsse.

Nach fünf Jahren gibt es nun eine erste Bilanz. Knapp 200 Studiengänge enden an Bayerns Hochschulen inzwischen mit den beiden neuen Titeln. 12.000 Studenten (fünf Prozent aller Studierenden im Freistaat) sind dort eingeschrieben. Zum Zeitpunkt der Umfrage, im Wintersemester 2001/02, gab es noch rund 150 Studiengänge.

Spitzenreiter ist die TU München mit 32 neuen Studiengängen, gefolgt von den Universitäten Bayreuth, Erlangen und Regensburg mit jeweils neun Angeboten. Bei den Fachhochschulen sticht München mit zehn Studiengängen hervor. Gut vertreten sind auch die FHs in Nürnberg (neun) und Ingolstadt (sieben).

Am stärksten greifen die Wirtschafts-, Sozial- und Ingenieurwissenschaften auf die Abschlüsse zurück. Interesse zeigen aber auch die Mathematik, die Natur-, Sprach- und Kulturwissenschaften.

Viele Ausnahmen

Zahlenmäßig ist das für die Studienmacher eine "erfolgreiche" Bilanz. Doch wie schaut es mit der inhaltlichen Gestaltung der neuen Angebote aus? Ein wichtiges Ziel ist, durch die neuen Abschlüsse den Austausch der Studenten zu fördern. Deutsche sollen es leichter haben, an einer ausländischen Universität zu studieren. Englischsprachige Angebote sollen aber auch mehr Bewerber aus dem Ausland locken.

Mit neuen Prüfungsformen wie dem "Credit point system" und neuen Studieneinheiten wie den Modulen, werde der Austausch tatsächlich auch leichter gemacht, sagt Schindler. Schwach vertreten seien jedoch zweisprachige Kurse, vor allem bei den Bachelor-Studiengängen. Auch werde bislang noch selten in Englisch gelehrt. Auslandspraktika seien ebenso die Ausnahme. Lediglich in 30 Prozent der Master-Studiengänge sind alle Anforderungen erfüllt, vor allem an der TU.

Nicht immer neu

Ein weiteres Ziel ist, die Studienzeit zu verkürzen. Acht Semester sind es in der Regel mindestens zum Magister und Diplom. Den Bachelor gibt es laut den neuen Prüfungs- und Studienordnungen schon nach sechs Semestern. Er sollte als berufsorientierter Abschluss vor allem dort wirken, wo die Abbrecherzahlen besonders hoch sind.

Und tatsächlich greifen laut den beiden Studienmachern vor allem Sozial- und Geisteswissenschaften auf den neuen Abschluss zurück. Dabei bieten sie häufig Kombinationen mit Betriebswirtschaftslehre an, schon um die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Ein Manko ist aber: Häufig fehlt es an Praktika. Auch wird nicht immer etwas Neues angeboten. Von 72 Bachelor-Studiengängen sind nur 22 völlig neu konzipiert.

Immer unübersichtlicher

Die Ratlosigkeit unter den Studenten ist entsprechend groß. Für sie erschließe sich nicht immer auf Anhieb, für welchen Abschluss sie sich entscheiden sollten, sagt Gensch, und fordert die Hochschulen zu mehr Informationen auf.

Die sind auch notwendig, um Fachhochschulen und Universitäten deutlicher voneinander abzugrenzen. "Sie machen sich mit den neuen Abschlüssen viel Konkurrenz", sagt Schindler. So nutzen FHs den Master, um wissenschaftlicher zu werden, und Unis den Bachelor, um marktnäher zu werden. "Positiv ist, dass die Auswahl immer größer wird, problematisch ist es aber, dass das Feld immer unübersichtlicher wird", sagt Schindler.