Literaturübersetzer Einsame Idealisten am Schreibtisch

Übersetzer literarischer Werke verdienen weniger als ihre Kollegen, die sich auf Fachartikel spezialisiert haben. Dafür ist ihre Arbeit kreativer.

Übersetzer literarischer Werke stehen stets im Hintergrund und bleiben weithin unbekannt. Auch weil sie mit ihrer Tätigkeit in der Regel keine Reichtümer anhäufen können, brauchen sie viel Idealismus.

Übersetzer

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"Als Literaturübersetzer sollte man am besten ein Armutsgelübde ablegen", sagt Gertraude Krueger, Vorstandsmitglied des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ) in Berlin. "Übersetzer literarischer Texte werden schlecht bezahlt. Eine goldene Nase verdient man sich auf keinen Fall damit."

Nach Angaben des VdÜ müssen Literaturübersetzer mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 2000 Mark monatlich auskommen. "Dabei ist Literaturübersetzung kreativer im Sprachumgang als Fachübersetzung. Auch wenn es sich um eine nachschaffende Arbeit handelt", sagt Krueger. Wichtigste Voraussetzung für die Übersetzung literarischer Texte sei ein feines Gespür für die Sprache und Kultur des jeweiligen Herkunftslandes.

Besser bezahlt als die Literaten sind Fachübersetzer, die sich bestimmten Spezialgebieten verschrieben haben. "Das Honorar eines Literaturübersetzers ist oft nur ein Drittel dessen, was ein Fachübersetzer bekommt", erklärt Norbert Zänker, Vizepräsident des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) in Berlin.

Übersetzungen in Fachgebieten wie Pharmazie, Technologie, Wirtschaft und Finanzwesen oder Informatik erleben gerade einen Boom. Das gelte allerdings nur für die "großen Sprachen."

Englisch im Relais

"Fachübersetzer so genannter Orchideensprachen haben es schwer, weil die Auftragslage schwankt oder konstant niedrig ist", erläutert Zänker.

Außerdem ist es zunehmend üblich, im Relais zu arbeiten. Das bedeutet, Texte werden zunächst ins Englische und dann erst in die Zielsprache übersetzt. "Statt Dänisch - Russisch wird Dänisch - Englisch - Russisch übersetzt." Nicht nur auf Grund dieser Entwicklung ist das Englische für alle Übersetzer wichtig und wird bei der Sprachwahl häufig mit einer anderen Sprache kombiniert. Auch Hintergrundinformationen sind oft auf Englisch verfasst.

Eine vorgeschriebene Ausbildung mit bestimmten Anforderungen gibt es für Übersetzer nicht. "Das Berufsbild ist nicht rechtlich geregelt. Es handelt sich um einen 'ungeschützten Beruf'", sagt Zänker. Deshalb gibt es im Beruf des Übersetzers viele Quereinsteiger, die nach einem Sprachstudium über Umwege zum Übersetzen kommen.

Schul- oder Nullsprache

An einigen Universitäten und Fachhochschulen wird zudem der achtsemestrige Diplomstudiengang Übersetzung angeboten.

Michele Rothacker, Fachstudienberaterin am Institut für Übersetzen und Dolmetschen an der Universität Heidelberg, unterscheidet das Studium von Schul- und so genannten Nullsprachen: "Bei Schulsprachen wie Englisch und Französisch werden im ersten Semester Vorkenntnisse auf Leistungskursniveau erwartet. Andere Sprachen beginnen mit einem Intensivkurs." Dabei wartet auf die Studenten viel Arbeit: Bis zum Vordiplom sollte das Gefälle zwischen Schulsprachen und anderen Sprachen aufgehoben sein.

Einen wesentlichen Bestandteil des Übersetzer-Studiums stellt der Auslandsaufenthalt dar. Dieser wird in der Regel über Partner-Universitäten im Ausland oder in Austauschprogrammen organisiert.

Lieber genau als schnell

Eine gute Übersetzung zeichnet sich im Gegensatz zum Dolmetschen nicht durch Schnelligkeit, sondern durch Genauigkeit aus. Wichtig ist auch die Kenntnis einschlägiger Sprachgebräuche sowie die Fähigkeit, den Text so zu übersetzen, dass er der Zielgruppe gerecht wird.

Eine weitere Herausforderung ist Zänker zufolge die selbstständige Arbeitsweise eines Übersetzers. "Als einsamer Wolf am Computer braucht man Selbstdisziplin."

Zu dieser Selbstständigkeit gehört es auch, Unternehmerqualitäten zu haben, wie Zänker weiter erklärt. Doch an den Hochschulen werde solches Wissen den Fremdsprachexperten leider nicht vermittelt. Es werde auch nicht gesagt, wie viel Initiative es brauche, um sich genügend Aufträge zu sichern.

(sueddeutsche.de/dpa)