Niemand kündigt gerne. Trotzdem sind viele Führungskräfte irgendwann gezwungen, einen Mitarbeiter zu entlassen. So macht man das anständig.
Wie man auf anständige Weise kündigt - damit beschäftigt sich Laurenz Andrzejewski, Naturwissenschaftler und Ex-Manager. Der Autor des Buches ,,Trennungskultur'' (Luchterhand Verlag) berät seit 18 Jahren Firmen bei Trennungs- und Veränderungsprozessen.
Laurenz Andrzejewski: "Ihr schickt keine MAKs nach Hause, sondern Menschen!" (© Foto: oh)
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SZ: Eine Entlassung ist immer eine Niederlage. Ist es da überhaupt möglich, fair zu kündigen?
Andrzejewski: Zunächst muss man unterscheiden zwischen der leistungs- oder verhaltensbedingten Kündigung und der betriebsbedingten Kündigung. Im ersten Fall hat der Mitarbeiter auch eine Mitverantwortung. Da gibt es meist eine Historie, und defizitäre Leistungen oder untragbares Verhalten wurden bereits angesprochen.
Dagegen erscheint die betriebsbedingte Kündigung oft wie ein Überfall, weil der Mitarbeiter meist nichts dafür kann. Der Trennungsschock ist ein Fakt, ähnlich wie der Tod eines geliebten Menschen. Arbeitgeber, die fair kündigen, werden zwar kein Lob dafür ernten, sie geben dem Mitarbeiter aber zumindest das wichtige Gefühl, anständig behandelt worden zu sein.
SZ: Aber viele Arbeitgeber verhalten sich in dieser ohnehin schon schlimmen Situation bewusst gefühllos. Warum?
Andrzejewski: Manche denken einfach nicht groß darüber nach. Es kommt zum Beispiel vor, dass eine offene Mail mit einer Einladung zu einer Outplacement-Beratung verschickt wird. Und jeder kann sehen: Aha, der Herr Müller und die Frau Huber müssen auch gehen.
SZ: Ziemlich unsensibel.
Andrzejewski: Eine gewisse Gefühllosigkeit kommt sicher daher, dass vielfach nicht die Menschen hinter den Planstellen gesehen werden. Da heißt es nur: Wir bauen 600 MAKs, also Mitarbeiterkapazitäten, ab. Ich sage in diesem Fall immer: Ihr schickt aber keine MAKs nach Hause, sondern Menschen. Oft sind auch Unsicherheit, Angst und Arroganz der Grund für unsägliches Verhalten.
SZ: Und wie kündigt man fair?
Andrzejewski: Der Vorgesetzte sollte sich gemeinsam mit der Personalabteilung gut auf das Gespräch vorbereiten und die Personalakte kennen. Leider passiert es immer wieder, dass Chefs in Trennungsgesprächen bei den einfachsten Fragen passen müssen und dem Mitarbeiter das Gefühl geben, ihn gar nicht wirklich zu kennen. Und das, obwohl man jahrelang zusammengearbeitet hat.
Wer dem anderen etwas anbietet, etwa in eine Transfergesellschaft zu wechseln, muss ihm auch genügend Zeit geben, darüber nachzudenken. Und der Vorgesetzte sollte für Rückfragen zur Verfügung stehen. Ich beobachte oft, dass viele Chefs in solchen Fällen auf Tauchstation gehen.
SZ: Wie geht man das Trennungsgespräch am besten an?
Andrzejewski: Sachlich. Der Eröffnungssatz könnte lauten: Sozialplan und Interessensausgleich wurden soeben abgeschlossen. Dann der zweite Schritt: Ich spreche heute mit Ihnen über die Umsetzung der Maßnahmen und darüber, was sie für Sie bedeuten. In einem dritten Satz sollte dann kommen: Wir werden uns zum Ende des Jahres von Ihnen trennen. Und zum Schluss: Jetzt möchte ich Ihnen aber aufzeigen, wie wir das fair bewältigen.
Ganz wichtig ist eine Pause, in der der Mitarbeiter Zeit hat, erst einmal zu schlucken und seinen Emotionen Luft zu machen. Bei einem fairen Trennungsgespräch wird auch der Grund für die Kündigung genannt, etwa dass die Entscheidung nichts mit der Leistung oder der Person zu tun hat.
Veräppelt fühlen sich Leute, deren Chef das Gespräch mit etwas Smalltalk über den letzten Urlaub oder die kranke Katze eröffnet, um dann plötzlich zu sagen: Sie sind gefeuert.
SZ: Kann der Chef etwas tun, um die Wucht dieses ersten Schocks abzufedern?
Andrzejewski: Im Erstgespräch können Sie nichts tun. Hände weg von billigem Trost! Alle Versuche, den anderen aufzubauen, nach dem Motto ,,Nehmen Sie es nicht so schwer'', sind in diesem Moment fehl am Platz. Die Hand, die schlägt, kann nicht gleichzeitig trösten.
(SZ vom 4.8.2007)
Eurovision Song Contest
Die Big Shots der Wirtschaft offensichtlich nicht, denn sonst bräuchte es nicht so viele schlaue Bücher, um diese zwischenmenschlichen Selbstverständlichkeiten zu erörtern.
Daran kann man erkennen, was für die Karriere wirklich zählt: siehe mein Kommentar zu tyrannischen Chefs (man darf dasselbe ja leider nicht mehrmals posten).
Ich habe übrigens mal bei einem DAX 30 Unternehmen Praktikum gemacht, das Werk in China befand sich in der Umstrukturierung und viele Posten wurden gestrichen. Der Produktionschef hat dann beispielsweise an 3 Leute die Jobdescription der neuen Position verschickt, die die Positionen dieser 3 Leute ersetzen sollte. Nach dem Motto: Der eine, der von euch dreien übrig bleibt, darf das dann machen
Wer kündigt, sollte drei Grundhaltungen zeigen:
- Er/sie bleibt authentisch, ohne professionelles Gehabe
- Er/sie lässt (auch bei erheblicher Kritik) Respekt erkennen
- Er bemüht sich um Empathie
Dr. Peter Weber empfiehlt in seinem Buch "Schwierige Gespräche kompetent bewältigen": "Als reine Technik oder Methode ist diese Gesprächsführung nicht geeignet. Es reicht nicht aus, die drei Grundhaltungen nur anzuwenden. Der aktive Zuhörer muss tatsächlich so sein."
Mein Bekannter ist Ingenieur bei Lucent und über 40 Jahre alt. Er hat richtige Existenzangst, da ihm schon öfters nahe gelegt worden ist, "zu gehen". Doch wer stellt ihn in diesem Alter noch ein? Eine Abfindung würde er bekommen, aber diese muß man auch noch versteuern. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig.
Der Vorgesetzte sollte sich gemeinsam mit der Personalabteilung gut auf das Gespräch vorbereiten und die Personalakte kennen. Leider passiert es immer wieder, dass Chefs in Trennungsgesprächen bei den einfachsten Fragen passen müssen und dem Mitarbeiter das Gefühl geben, ihn gar nicht wirklich zu kennen. Und das, obwohl man jahrelang zusammengearbeitet hat.
Wenn der Vorgesetzte seinen Mitarbeiter auch nach jahrelanger Zusammenarbeit nicht richtig kennt, braucht er damit nicht beim Kündigungsgespräch zu beginnen. Das sagt schon alles!
Sehr richtig! ..und wenn die Abfindugssumme nicht gleich genannt wird dann nur keine Hemmungen und danach fordern. Am besten mit einem eigenem Vorschlag. Die Entscheidung zu entlassen ist sowieso schon gefallen. Durch dieses Verhalten kann die MAK die für ihn nachteilige Situation durchaus schnell in einen psychologischen Vorteil wenden. Ist eine persönlciher Erfahrung. Das erste Mal glernt, das zweite Mal erfolgreich angewendet.