Konflikte im Büro Toxische Typen

Die andere Wange hinhalten

Es hilft laut Schneewind tatsächlich, sich für wiederkehrende Konfliktsituationen Antworten zu überlegen, diese aufzuschreiben und vor dem Spiegel oder mit Freunden einzuüben. Wo der Neandertaler in uns also gerne mal die Keule schwingen würde, setzt die moderne Verhaltenspsychologie auf Deeskalation. Aber auch wenn das Seminar im Kardinal-Wendel-Haus der Katholischen Akademie München stattfindet, heißt dies nicht, dass der Geschlagene stets auch die andere Wange hinhalten muss.

Es kann Vergnügen bereiten, sich mit Stil und Grundanstand zur Wehr zu setzen. "Senden Sie klare Ich-Botschaften, teilen Sie mit, was Sie denken, fühlen oder erwarten." Denn dadurch, so Schneewind, werde niemand verletzt, und dennoch könne man seinen Standpunkt klarmachen. Statt also zu sagen "Sie haben hinter meinem Rücken über mich gelästert" sollte man es etwa mit "Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten zuerst mit mir darüber gesprochen" versuchen.

Kommt es zur Aussprache oder einer Diskussion, gilt: zuhören, den anderen anhören und erst denken, dann reden - im Grunde eine Binsenweisheit. In der Psychologie nennt man dies den kontrollierten Dialog. Ein Kniff, der sich nahezu mechanisch erlernen lässt. Man beginne einfach jede Erwiderung mit einer Paraphrase - vulgo einer Zusammenfassung der Botschaft des "Gegners". So fühlt sich der Mensch angenommen, wahrgenommen.

Pokerface aufsetzen

Und wenn alles nichts hilft? "Geben Sie klare Zeichen, auch in Ihrer Körpersprache: Stopp! Stellen Sie Abstand her und geben Sie sich eine Auszeit. Machen Sie sich Ihre momentane Gefühlslage klar. Versetzen Sie sich in einen unpersönlichen Zustand." Das bedeutet: Pokerface aufsetzen, sachlich sprechen, keine Gefühle zeigen. Was aber, wenn es der Chef ist, der schwierig ist? Schneewind rät beherzt zur "Führung von unten". "Loben Sie, spiegeln Sie seine Ideen, führen Sie Protokoll, damit Sie ihn an alte Aussagen erinnern können."

Fazit: Der Schwierige Mensch bleibt schwierig - und es macht den Mitmenschen verdammt viel Arbeit, mit ihm zurechtzukommen.