In Nordrhein-Westfalen unterrichten Lehrer in diesem Schuljahr mit dem ersten Schulbuch für islamischen Glauben. Der Band ist ein Schritt auf dem Weg zu staatlichem Religionsunterricht für junge Muslime.
"Saphir" ist arabisch und bedeutet Botschaft. "Saphir", so heißt auch das deutschlandweit erste Schulbuch für islamischen Religionsunterricht, das in diesem Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden soll. "Saphir" erklärt nicht nur die Botschaft des Koran, sondern sendet noch ein weiteres Signal: Muslimische Kinder in Deutschland haben ein Recht auf Religionsunterricht.
Islamunterricht: In Nordrhein-Westfalen nehmen nur drei Prozent der muslimischen Schüler daran teil. (© Foto: ddp)
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Doch so einfach ist es leider nicht. Ungelöste rechtliche, organisatorische und auch gesellschaftliche Fragen sorgen dafür, dass muslimische Schüler eben keinen Religionsunterricht haben, sondern lediglich "Islamunterricht in deutscher Sprache". Der sperrige Name signalisiert den Unterschied zum "normalen" Religionsunterricht für Katholiken oder Protestanten.
Informierender Sachunterricht statt Religion
Denn der Islamunterricht ist laut Lehrplan kein Religionsunterricht im konfessionellen Verständnis, sondern lediglich informierender Sachunterricht. Er erklärt "den Islam, knüpft dabei am islamischen Glauben der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer an und trägt somit zur Identitätsbildung der Schülerinnen und Schüler bei", so heißt es in den Leitlinien.
Mit "Saphir" werden im bevölkerungsreichsten Bundesland in diesem Schuljahr fast 11.000 Schüler und 141 Lehrer arbeiten. Auf etwa 200 Seiten erklärt das im Münchner Kösel Verlag erschienene Buch mit Lesegeschichten, Kalligraphien moderner Künstler und islamischen Miniaturen die islamische Welt, informiert über Gottesvorstellungen, Engel und Dschinn, über den Propheten Muhammad als Vorbild für Muslime und über den Koran.
Schulversuch als Behelfskonstrukt
Eine der Herausgeberinnen ist Lamya Kaddor. Die 30-jährige Islamwissenschaftlerin unterrichtet an einer Dinslakener Hauptschule. "Das Buch behandelt hauptsächlich islamische Themen, die alters- und fachgerecht erarbeitet worden sind. Darüber hinaus ist es auch interreligiös ausgerichtet.", erklärt Kaddor. "Wir wollen das Wissen, das viele Kinder von zu Hause mitbringen, thematisieren und erweitern." Kaddor will "Saphir" auch als Signal verstanden wissen, dass die Zeit des Behelfskonstruktes Schulversuch abgelaufen ist. "Wir brauchen endlich ordentlichen islamischen Religionsunterricht in Deutschland."
Dafür kämpfen Muslime in Deutschland schon lange: 1978 stellten sie den ersten Antrag, doch es musste 30 Jahre dauern, bis es nun überhaupt vernünftige Lehrmaterialien gibt. "Das liegt zum einen an der komplizierten Organisationsstruktur der Muslime in Deutschland", erklärt der Islamwissenschaftler Bülent Ucar. Denn laut Grundgesetz muss der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt werden. Anders als christliche Religionsgemeinschaften sind die deutschen Muslime jedoch nicht zentral organisiert, sondern zersplittert - und können sich auf diese Grundsätze nicht einigen.
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- Gerichtsurteil Religionsfreiheit fällt ins Wasser 07.05.2008
- Schule Koran nach Lehrplan 28.06.2007
- Islamunterricht Koran im Klassenzimmer 26.03.2007
- Urteil Muslimische Lehrerin darf nicht mit Kopftuch unterrichten 18.03.2008
Debatte über Urheberrecht
Religion ist Schwachsinn und hat in Zeiten der Aufklärung nix an Schulen zu suchen.
@ Wilhelm 737
"alles bekannt und richtig. Aber folgen Milliarden Menschen den Lehren Ludwig III.?"
Sie verwechseln da was. Mohammed war kein Gott, sondern ein Prophet, also ein ganz normaler Mensch. Das sind nicht seine Lehren. Er war nur der Überbringer.
@ ceci
Ich bin Ihrer Meinung. Religionsausübung ist reine Privatsache und sei JEDEM gegönnt. Wenn "Religionsunterricht" an Schulen schon ein eigenes Fach ist, dann sollte es von einer neutralen Sicht ALLE unterschiedlichen Religionen den Kindern (ohne Ansehen deren persönlicher Zugehörigkeit) erklären. Bei uns in Deutschland ist Religionsunterricht jedoch schon Religionsausübung. Die Einteilung der Kinder in kath oder evang Unterricht beweist das ja zur Genüge. Genau so wie die Kruzifixe in Schulen. Der einzige Sinn und Zweck ist (ähnlich wie bei der CSU:"ein anständiger Bayer wählt CSU) nach aussen zu signalisieren, daß es sich um eine "anständige" Schule handelt.
Mein Beispiel sollte nur im Argumentationsmuster der Islamophoben verdeutlichen, daß man für jede Glaubensrichtung damalig "normale" Umstände nicht an heutigen Maßstäben messen kann nur weil es einem in den Kram passt. Nur mal dem Anspruch von gläubigen Christen folgend, die Geschichte der Christen träfe zu. Strenggenommen hätte Gott dann gegen sein eigenes Gebot "Du sollst nicht Ehebrechen" verstoßen. Er hätte sich ja auch eine Unverheiratete als Kindesmutter erwählen können.
"Ich denke nicht, dass es unbedingt eine logische Diskrepanz gibt. Man kann doch sehr wohl 'erboßt' über eine Tatsache sein, die einem abgesroche wird und das nicht nur von wilders, sondern ständig durch andere Menschen oder Medien."
Ein kühner Gedanke: die eigene Friedfertigkeit stellt man also durch das Ausstossen wüster Drohungen unter Beweis. "Und magst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag´ ich Dir den Schädel ein." ;)
Im Bezug auf den grassierenden Antiamerikanismus, der längst die Mitte der Gesellschaft erreicht hat, hast Du sicher Recht.
Danke, darauf wollte ich hinaus. Als Atheist schließe ich mich übrigens der Meinung von "benutzi" an, dass ein Ethikunterricht generell besser wäre als Religionsunterricht. Klar sind auch wir in eine christlich geprägte Gesellschaft hineingeboren. Die Situation lässt sich dennoch nicht mit dem Islam vergleichen. Ich habe es stets als angenehm empfunden, in Deutschland so wenig als möglich mit weltanschaulichen Dogmen belästigt zu werden. Es ist ein Teil unserer Freiheit. Taufe und Konfirmandenunterricht lassen sich verschmerzen. *fg* Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, aus dem "Verein" auszutreten. Anders dagegen im Islam, der grundsätzlich dafür geschaffen ist, alle Lebensbereich zu reglementieren (nichts anderes ist mit der "Bidlung der islamischen Identität" gemeint). Wir stoßen Migranten aus "islamischen" Ländern unweigerlich auf den Islam zurück, wir geben ihnen gar keine Chance, sich anders als "Muslime" zu integrieren.
das ist ja laecherlich! ich bin selbst "unglaeubig" und finde religion hat in schulen nichts verloren - aber gerade wenn man dagegen ist, sollte man sinnvoll argumentieren und nicht willkuerlich wahllos aepfel mit birnen vergleichen - das ist peinlich!
also ganz einfach fuer alle:
mohammed koennen sie hoechstens mit jesus vergleichen, nicht mit irgendeinem wahllos herausgepickten koenig 100 jahre spaeter, der christlich war und sich daneben benommen hat. jesus ist der begruender der christlichen religion, so wie mohammed den islam begruendet hat. christen beten zu gott, zu jesus, und eventuell zu maria und anderen heiligen, deren leben sie als vorbildlich ansehen - wer betet zu und orientiert sich an ludwig III?
von "kind unterschieben" zu sprechen bei einer "goettlichen zeugung", die essentiell ist fuer den christlichen glauben (wenn auch immer noch heiss diskutiert weil etwas unklar) ist - sorry - genauso dumm.
ich hoffe sie urteilen wenigstens ueber alle religionen so oberflaechlich-sinnlos wie ueber die christliche. das waere wenigstens gerecht ;-)
Paging