Die Proteste gegen Studiengebühren sind verstummt, doch es formiert sich neuer Widerstand. Franz Bozsak, ein 24-jähriger Student aus Stuttgart, will noch im Juni gemeinsam mit 20 Mitstreitern eine bundesweite Interessenvertretung für die Studenten ins Leben rufen, den "Bund der Studiengebührenzahler" (BdSZ).
SZ: Herr Bozsak, Hessen will die Studiengebühren wieder abschaffen - schöpfen Sie nun als Kritiker des Bezahlstudiums neue Hoffnung?
Franz Bozsak: "Wir wollen nicht nur protestieren, sondern kontrollieren, was tatsächlich mit den Gebühren geschieht." (© Foto: oH)
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Franz Bozsak: Zumindest stehen die Aussichten heute wesentlich besser, die Studiengebühren wieder loszuwerden, als bei der Einführung vor zwei Jahren.
SZ: Warum?
Bozsak: Der erste Protest gegen Studiengebühren ist vor allem daran gescheitert, dass niemand wusste, wie sie sich wirklich auswirken werden. Langsam zeigt sich das, und der "Bund der Studiengebührenzahler" will künftig die Argumente gegen - aber möglicherweise auch für - Studiengebühren liefern.
SZ: Das klingt so, als hätten Sie sich grundsätzlich mit den Studiengebühren abgefunden.
Bozsak: Keinesfalls. Wir wollen aber nicht einfach nur protestieren, sondern kontrollieren, was tatsächlich mit den Gebühren geschieht und wie sie sich gesellschaftlich auswirken. Sollte der BdSZ mit seiner Arbeit aufdecken, dass das Geld missbraucht oder verschwendet wird, dann werden die Studenten sicher nicht länger ruhig bleiben. Das Potential für Proteste ist da.
SZ: Studenten können schon jetzt an ihrer Hochschule mitreden, wofür die Gebühren eingesetzt werden sollen.
Bozsak: Das ist doch Augenwischerei. Die Studentengremien, die an den Hochschulen angeblich mitentscheiden dürfen, haben keine echte Kompetenzen. Am Ende kann der Uni-Leitung die Meinung der Studenten egal sein.
SZ: Wofür sollen die Einnahmen der Studiengebühren aus Ihrer Sicht verwendet werden?
Bozsak: Sie sind zur Verbesserung der Lehre da, aber nicht als Alternative zur Finanzierung von Personal und von bereits bestehenden Tutorenprogrammen.
SZ: Werden Sie künftig wie der "Bund der Steuerzahler" ein Schwarzbuch veröffentlichen?
Bozsak: Das ist der derzeitige Plan. Wir können uns aber durchaus auch vorstellen, dass wir zusätzlich ein Weißbuch veröffentlichen. Denn wir wollen nicht nur Fehler anprangern, sondern auch aufzeigen, wo es gut gelaufen ist. Baden-Württemberg, das Land mit dem sozial unfreundlichsten Studiengebühren-Gesetz, kann sicher viel von Bundesländern wie Hamburg lernen.
(SZ vom 3.6.2008/bön)
Hallo,
welche "Interessen" soll denn diese Kopie des Bund der Steuerzahler vertreten? Eine Studierendenvertretung gibt es an allen Hochschulen mit unterschiedlichen Kompetenzen (je nach Hochschulgesetz in den Bundesländern). Diese sind bereits bundesweit zu einer Studierendenvertretung zusammen: Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) hat über 80 Mitglieder. Die arbeiten schon seit Jahren gegen Studiengebühren und unter anderem in der Vergangenheit auch mehrfach gegen Intransparenz und falsche Verwendung. Außerdem gibt es in jedem Bundesland eine Landesstudierendenvertretung. Das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren macht auch seit Jahren gute Arbeit gegen Studiengebühren. Es gibt also schon ziemlich viel, daher ist es sinnlos, etwas neues aus dem Boden zu stampfen und damit die Kritik an Studiengebühren immer weiter zu zerfasern.
Solange Kindergärten Geld kosten, ist das mit den Studiengebühren schon in Ordnung.