Interview zu Konkordatslehrstühlen Professor von Bischofs Gnaden

In Bayern gibt es noch 20 sogenannter Konkordatslehrstühle. Bei ihnen bestimmt die Kirche mit, wer als Professor berufen wird. Philosophie-Dozent Alexander von Pechmann klagt dagegen.

Interview: Christine Burtscheidt und Martin Thurau

Eine Berufung in Philosophie, Pädagogik und Soziologie - nur mit dem Segen des örtlichen Bischofs? An bayerischen Hochschulen ist das mitunter noch gängige Praxis. Drei solcher Konkordatslehrstühle, bei denen nichts ohne die Zustimmung der Kirche geht, gibt es noch an der Universität München (LMU), gut 20 sind es im gesamten Freistaat - in den jeweiligen Fächern kein verschwindend geringer Anteil. Für einen steht jetzt in Erlangen wie berichtet wieder mal das Berufungsverfahren an. Dagegen haben sieben Hochschullehrer geklagt. Alexander von Pechmann, Philosophie-Dozent an der LMU und Initiator der Klage, hält die Regelung für anachronistisch - und verfassungswidrig.

SZ: Wie sind die Konkordatslehrstühle entstanden?

Alexander von Pechmann: In einem ersten Vertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Vatikan von 1817 sind die Zuständigkeiten von Staat und Kirche für die Bildung festgelegt worden. Danach sollten alle Lehrstühle, die sich Bildungsfragen widmen, an den Universitäten nur mit Zustimmung der Kirche besetzt werden. Dieser Vertrag wurde 1924 erneuert und noch einmal 1974 neu gefasst. In gewisser Weise ist die heute noch geltende Regelung ein Zugeständnis des Staates an die Katholische Kirche: An sieben bayerischen Universitäten, auch der LMU, gibt es in Philosophie, Pädagogik und Sozialwissenschaften, Fächern also, die auch für die Lehrerausbildung zuständig sind, jeweils einen Konkordatslehrstuhl. Auf ihn kommen nur Kandidaten, gegen die "hinsichtlich ihres kirchlich-katholischen Standpunktes keine Erinnerung zu erheben ist". So lautet die Formel im Bayerischen Konkordat.

SZ: Gab es gegen diese Regelung schon einmal Protest?

Pechmann: 1974 gab es eine Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof; 1980 entschied das Gericht, dass die 1974 beschlossene Ausweitung der Regelung nicht verfassungswidrig sei. Einen öffentlichen Protest kenne ich sonst nicht. Man redet nicht darüber; wahrscheinlich stößt das Thema den Zuständigen immer erst dann auf, wenn wieder mal die Besetzung eines dieser Lehrstühle ansteht wie jetzt in Erlangen. In München weiß doch kaum einer mehr, dass der Lehrstuhl I in Philosophie von Wilhelm Vossenkuhl ein Konkordatslehrstuhl ist, ebenso wenig bei den Ordinariaten von Norman Braun in der Soziologie und Hartmut Ditton in der Pädagogik.

SZ: Wer sind die Kläger und warum ziehen sie vor Gericht?

Pechmann: Die Kläger sind teils Professoren, teils Privatdozenten, teils nichthabilitierte Nachwuchswissenschaftler. Die Initiative, die Verfassungsmäßigkeit endlich einmal gerichtlich überprüfen zu lassen, ging von mir aus. Ich habe mich 2006 habilitiert, in Politischer Philosophie habe ich schon lange meinen Schwerpunkt, ich war lange Lehrbeauftragter hier an der LMU, habe auch ein Schulbuch für Bayern zur Politischen Theorie geschrieben und war in der Fortbildung der Ethiklehrer tätig. Da war die Ausschreibung an der Erlanger Universität schon reizvoll und das Stellenprofil für mich passend. Dann habe ich von der Einschränkung mitbekommen. Und jetzt, da ich mich wie die anderen zur Klage entschieden habe, habe ich mich ohnehin nicht beworben.

SZ: Was führen Sie an?

Pechmann: Von Bewerbern auf einen Lehrstuhl einen dem Bischof genehmen "kirchlich-katholischen Standpunkt" zu fordern, und überhaupt die "richtige" Konfession, widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz der Verfassung. In Artikel 107, Absatz 4 der bayerischen Verfassung heißt es beispielsweise, dass "die Zulassung zu den öffentlichen Ämtern von dem religiösen Bekenntnis unabhängig" ist. Das Grundgesetz sagt in Artikel 33, Absatz 3: "Niemandem darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnisse oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen." Und das neue Antidiskriminierungsgesetz, das in ganz Europa nun auf nationaler Ebene verankert ist, hat ja das vorrangige Ziel, Benachteiligungen aufgrund der Religion oder Weltanschauung zu verhindern. Außerdem: Warum sollte ein Bischof darüber entscheiden können, wer als Wissenschaftler für einen Lehrstuhl taugt? Das mag für die Katholische Theologie noch angehen, in anderen Fächern ist es ein Anachronismus.

SZ: Auf den Konkordatslehrstühlen gib es aber auch Quotenprotestanten?