Bund und Länder haben den Hochschulpakt beschlossen. Auch für die Forschung gibt es mehr Geld.
Bund und Länder wollen in den nächsten drei Jahren an den Hochschulen gemeinsam 91.370 zusätzliche Studienplätze für die geburtenstarken Schulabgänger-Jahrgänge schaffen. Nach dem Beschluss der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Donnerstag in Berlin wollen beide Seiten für diesen Hochschulpakt jeweils 565 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Zugleich unterstützt der Bund in der ersten Phase des Pakts bis 2010 die Forschung an den Hochschulen mit weiteren 700 Millionen Euro. Der Hochschulpakt soll später bis 2020 fortgeschrieben werden.
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Studierende verfolgen im Hörsaal der Universität in Köln eine Vorlesung im Fach Mathematik. (© Foto: dpa)
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Merkel sagte, Bund und Länder "mussten diese gemeinsame Leistung schultern", um mehr jungen Menschen ein Studium zu ermöglichen. Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) versicherte, dass die Länder zur ihrer Verpflichtung stünden, "aber auch der Bund sich nicht aus der Verantwortung zieht".
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht mit dem Pakt die Hochschulen "für die Herausforderungen der Zukunft" gerüstet. Er sei zugleich "ein wichtiges Signal an die junge Generation, sich für ein Studium zu entscheiden". Bereits zum Wintersemester 2007/2008 könnten die ersten Hilfen greifen.
Statt rund 350.000 Studienanfänger wie heute werden auf Grund der starken Abiturientenjahrgänge bis 2010/2011 bundesweit rund 440.000 Bewerber an den Hochschulen erwartet. Obwohl die Entwicklung seit Jahren absehbar war, hatten viele Westländer Studienplätze abgebaut.
Weil in den neuen Ländern anders als im Westen die Abiturientenzahlen heute schon rückläufig sind, bekommen diese aus dem Finanzvolumen eine Vorab-Zahlung von 15 Prozent. Sie wollen ihr Studienangebot zunächst im heutigen Umfang erhalten und damit die Hochschulen im alten Bundesgebiet entlasten. Bremen und Hamburg, die bisher schon deutlich über ihren Landeskinder-Bedarf Plätze für Erstsemester anboten, bekommen pauschal 3,5 Prozent, Berlin 4 Prozent.
Die SPD-Bildungspolitiker Ernst Dieter Rossmann und Jörg Tauss sprachen von einem "klaren Erfolg für die große Koalition". Ohne den Druck der SPD hätte es kein Bundesgeld für zusätzliche Studienplätze gegeben. Nun seien die Länder am Zug, die Studienbedingungen tatsächlich auch zu verbessern. Die Grünen bezeichneten den Hochschulpakt als unterfinanziert. "Die zugesagten Gelder reichen gerade mal für Billig-Studienplätze ohne Qualität", sagte ihr hochschulpolitischer Sprecher Kai Gehring.
Das Deutsche Studentenwerk (DSW) mahnte Bund und Länder, auch in die soziale Struktur des Studiums zu investieren. Mehr Studenten erforderten rund 20.000 zusätzliche Wohnheimplätze, aber auch einen Ausbau von Service und Beratung, sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in dem Pakt "bestenfalls einen ersten Schritt", dem steigenden Bedarf an Studienplätzen gerecht zu werden. "Jetzt müssen sich Bund und Länder schleunigst wieder an einen Tisch setzen und über einen Hochschulpakt II verhandeln", sagte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Die Qualität der Akademiker-Ausbildung sei nicht sichergestellt.
Zweite Säule des Hochschulpkates ist die Einführung einer neuen Form von Vollkosten-Finanzierung bei der Forschung. Dabei bekommen die Hochschulen nach Einwerbung von Forschungsmitteln bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) künftig für das einzelne Projekt jeweils einen Zuschlag von 20 Prozent - zur Abdeckung von Sachkosten wie Verwaltung, Energie und Gebäudenutzung.
(dpa)
Debatte über Urheberrecht
Erschrocken und mit völligem Unverständnis reagieren Studierende auf diese Politik. Trotz der vollmundigen Versprechen der Politiker die reichlich fließenden Studiengebühren für die Verbesserung der Lehre einzusetzen, die deutsche Studienquote an das internationales Niveau heranzuführen und des Hochschulpaktes 2020 werden in der aktuellen Realität einer normalen deutschen Hochschule Studienplätze vernichtet, Lehre benachteiligt und die Betreuung verschlechtert.
Exzellenzinitiative, Hochschulpakt 2020, Solidarpakt II und Studiengebühren werden proklamiert dem Wohle der Hochschullandschaft zu dienen. Wie viele Pakte und Initiativen überlebt unser „Hochschulsystem“ noch? Gibt es vielleicht einfach bald keine Studierende mehr? Auch ein Weg zur Eliteuniversität.
Stewart Gold
Eine Milliarde Euro für neue Studienplätze – Paradies Universität?
Ein Blick in die Realität
„Bund und Länder wollen in den nächsten drei Jahren an den Hochschulen gemeinsam 91.730 zusätzliche Studienplätze … schaffen.“ So beginnt ein Artikel in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 15.06.2007 zum aktuellen Hochschulpakt 2020 zwischen Bund und Ländern. Wie sieht die Realität aus? Ein Blick nach Baden-Württemberg an die Universität Tübingen zeigt was passiert, wenn Bund und Länder Initiativen starten für die Zukunft der deutschen Hochschulen. Im Musterländle der Bundesministerin Schavan wird zeitgleich der Solidarpakt II beschlossen, in welchem alle Universitäten ihren Beitrag für den Landesanteil an der Exzellenzinitiative einbringen müssen. Zusätzlich wird ein so genannter Innovations- und Qualitätsfonds (Umfang 30 Mio. Euro) gegründet, in den die Universitäten ebenfalls ihren Anteil von 15 Mio. Euro bis zum Jahre 2011 einbringen dürfen. Die Universität Tübingen, die in der Exzellenzinitiative nicht zum Zuge kam, versucht unter dem Motto „Jetzt erst recht: Exzellenz aus eigener Kraft“ einen eigen Innovationspool aufzubauen um an die zukünftigen Forschungsgelder heranzukommen. „Im Kern der Agenda steht ein universitätsinterner Innovationspool, der durch freigehaltene Stellen in allen Fakultäten finanziert werden und rund zwei Millionen Euro jährlich enthalten soll.“, so die offizielle Verkündung der Universität in ihrer Pressemitteilung vom 27. März 2007.
Wie sieht es aber für die Studierenden aus? Der Personalrat an der Universität Tübingen geht von rund 120 Stellen aus, welche von den Fakultäten gestrichen werden müssen. Nach dem Solidarpakt I, der in Baden-Württemberg von 1997-2006 jährlich eine Einsparung von 150 Stellen von den Hochschulen gefordert hat, ist nicht mehr viel zum Streichen übrig. Dies hatte und hat direkte Auswirkungen auf die Lehre. So muss beispielsweise die Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften 11 Stellen streichen. Konkret bedeutet dies für die Studierenden des Faches Politikwissenschaft, dass ein gerade eingeführter Masterstudiengang geschlossen werden muss. Erschrocken und mit völligem Unverständnis reagieren Studierende a