E-Mails sind häufig überflüssig und meistens lästig. Über den seltsamen Zwang, sich dennoch ständig Nachrichten zu schicken.
Für viele ist der Blick ins E-Mail-Postfach die erste Tat am Arbeitsplatz. Was gibt's Neues? Wer hat geschrieben?
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Dabei wissen sie schon zuvor: Wirklich Neues gibt es häufig wenig. Geschrieben haben dafür umso mehr.
Es ist geradezu zur Sucht geworden, jedes Anliegen zu verschriften und als E-Mail quer über die Büroflure zu verschicken. Der Großteil der Nachrichten ist dabei: überflüssig.
Zu dumm nur, das man ihnen das nicht sofort ansieht. Der Betreff "Überflüssig" oder "Vergiss es" würde es dem Empfänger enorm erleichtern, die relevanten aus all den unnützen Botschaften zu fischen.
Stattdessen raubt ihm allein die Masse der Nachrichten eine wichtige Ressource: Zeit.
Schon zwischen wichtig und unwichtig zu sortieren, dauert. (Von den Spam-Mails ganz zu schweigen.) Und dann erst, alles zu lesen! E-Mail-Freunde, die zu langatmigen Ausführungen neigen, können davon ausgehen, dass ihr Absender reicht, um beim Empfänger Stress-Reaktionen auszulösen: Wann soll er das schon wieder lesen?
Das heißt nun aber nicht, dass die kurzen die besseren Nachrichten wären. Denn sie sind mitunter so knapp, dass sie schlicht unverständlich sind. In so einem Fall ist es die beste Antwort, zum Telefon zu greifen statt eine E-Mail mit Bitte um Aufklärung zurückzuschicken. Ansonsten droht die E-Mail-Endlosschleife.
Das Verhängnisvolle beim Empfangen von E-Mails ist sowieso, dass man damit in die Defensive gerät. Der Absender hat seinen Job gemacht, jetzt ist der Empfänger dran. Er muss reagieren - und wenn er nur den schwarzen Peter wieder zurückgibt.
Anfrage, Rückfrage, Antwort auf Rückfrage, Antwort auf Antwort auf Rückfragen: E-Mail-Korrespondenzen finden zu oft: kein Ende. Der ganze Irrsinn dieses Unternehmens offenbart sich dann in der Betreffzeile: Re: Antwort: Re: Antwort: Re: Antwort: Re ....
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Nicht nur E-Mails, sondern der Computer an sich ist für mich bei der Arbeit gefährlich. Man kann so viele Dinge gleichzeitig "laufen" lassen. In Wirklichkeit bietet der Computer mir ständig die Versuchung, und ich lasse mich dann auch versuchen und verzettele mich. Hier ein E-Mail angefangen, da eine Excel-Datei, dort eine Word-Datei, an allen arbeite ich kurze Stückchen, und zwischendrin schaue ich, ob SZ online was Neues meldet...
Ich lasse mich einfach zu leicht ablenken.
Es ist ja nicht die Technik, sondern wie ich damit umgehe. Ich habe gemerkt, dass es besser ist, wenn ich den Computer immer wieder ganz ausschalte.
Diese "Emailphobie" ist doch nicht zum ersten Mal ein Zeichen dafür, wie viele Menschen doch am Computer vereinsamen. Das eigentlich Traurige an der ganzen Geschichte ist der Fakt, dass jeder meint, er müsse seine Bekannten immer auf dem Laufenden halten. Dabei
wird oft nicht festgestellt, dass insbesondere bei entfernteren Bekannten der Entfremdungsfaktor nur noch vervielfacht wird: Was interessiert mich eine seitenlange Email eines angeblichen ehemaligen Schulfreundes, der mir von seiner Zivistelle aus Recklinghausen schreibt. Im Endeffekt weiß ich doch, dass er mir eigentlich nur aus Langeweile schreibt und weil er ganz zufällig während seiner zweistündigen Mittagspause den Heimcomputer benutzen kann und nicht aus dem Bestreben mir wirklich etwas mitzuteilen. Genau aus diesem Grund benutze ich nur noch das Mailprogramm von Opera mit dem ich die Mails erstmal "durchfliegen" kann und unnötigen Schrott einfach löschen kann ohne viel Zeit dafür zu verschwenden.