Erst sportlich targeten und dann losrollen: über den unstillbaren Zwang moderner Büromenschen, die deutsche Sprache zu manipulieren und sich für Außenstehende völlig unverständlich auszudrücken.
Kinder denken sich gerne Geheimsprachen aus. Nnad nehcerps eis muz leipsieB sträwkcür. Daran können sie eine unglaubliche Freude entwickeln. Das ist schön. Leider reden auch Erwachsene gerne in Geheimsprache. Das ist weniger schön.
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Es kann sogar wahrhaft schrecklich sein. Denn man kann sie nicht davon abhalten. Sie machen es überall, sobald sie zusammenarbeiten. Berater tun es, Manager tun es, sogar einfache Angestellte tun es. Sie entwickeln einen Kauderwelsch, der für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar ist. Dabei bedienen sie sich der immer selben Methoden:
Worte erhalten eine neue Bedeutung. Egal ob Projektmanager oder Anzeigenverkäufer: Alles spricht davon, dass ein Ziel oder ein Zeitplan "sportlich" ist. Das heißt auf gut deutsch: Die Vorgaben sind nicht zu schaffen. Aber das sagt keiner.
Nicht ganz so häufig, dafür origineller ist die Redewendung Siegfried und Roi, an der sich Beschäftigte mancher Konzerne erfreuen. Sie meinen damit den "Return on investment" (und sprechen niemals von Kapitalerträgen).
Das Halb-Englische trumpft. Das gefährliche Denglisch-Virus hat sich so stark ausgebreitet, dass sich niemand mehr fragt, wer damit eigentlich anfing. Waren es die Unternehmensberater? Die globalisierten Manager?
Allerorten werden Targets gesetzt und Probleme gehandelt. Was man kann, zeigt man mit Best-Practice-Beispielen und was zu tun ist, setzt man auf die Roadmap. Sollte mal etwas nicht klappen, fragt man einfach "Ist das ein Bug oder Feature?" Hat man keine Zeit (oder Lust) redet man sich mit einem Meeting heraus. Und wenn man wirklich eines hat, aber nicht hinwill, muss man den Termin eben canceln.
Aber wofür waren noch einmal die Backup-Folien?
Sprachliche Deckmäntel wirken. Kreative und andere wichtige Menschen müssen manchmal etwas im Geheimen arbeiten, wovon erst einmal niemand erfahren darf. Dafür denken sie sich Code-Namen aus. Diese klingen meistens interessant, häufig fremdländisch und implizieren immer die große Hoffnung, die in die Arbeit gesteckt wird.
Ihre Projekte heißen El Dorado oder Kolumbus, Morgenröte oder auch Bermuda-Dreieck.
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@Nairib: "weil dies oft trefflicher oder kürzer ist. So ist es nun mal LEICHTER vom IT-Manager zu sprechen als vom Leiter der EDV-Abteilung zu sprechen. Workflow chart KLINGT BESSER als Arbeitsschritt Diagramm..." Genau das ist es, es klingt besser und kaum einer versteht es! Unlängst war ich bei Muttern in der guten Stube. Der Fernseher lief im Hintergrund, die Werbung: O2 can do! Mama fragte, was das denn heiße?! Banal und unwichtig!? Die Schüler sind in der Schule schlecht in Englisch, aber chill(en) in der Disko können sie und das Tanzen danach ist ein challenge allemal. Ergo, benutzen wir Denglisch nicht nur in der IT-Fachsprache oder Politik (wer versteht die überhaupt...very very ambiguous ) Es ist einfacher und klingt besser.... das ist ein Argument! Let's go! DIE GLOBALISIERUNG kommt! P.S. Ich war nicht bei der Bundeswehr, aber O-ZWEI möchte, dass ich Kunde werde :-(
Naja, ganz so schlimm ist es bestimmt auch nicht wie im Artikel beschrieben. Oft sind es branchenspezifische Ausdrücke bei denen man sich des Englischen bedient, weil dies oft trefflicher oder kürzer ist. So ist es nun mal leichter vom IT-Manager zu sprechen als vom Leiter der EDV-Abteilung zu sprechen. Workflow chart klingt besser als Arbeitsschritt Diagramm. Abkürzungen wie EMEA (Europe Middle East and Asia) und B2B (Buisness to Buisness) etc sind nicht nur eine Unart der Englischen Sprache: Man denke an die Bundeswehr wo der Stuffz den HG um 14-hundert nach dem PFT in die Inst schickt um dort den SPz abzuholen der am vortag zur TMP war. Danach soll er sich noch im Gezi melden weil er sein G36 verloren hat. Oder man denke an den Fernsehjournalisten, der als VJ vom CvD losgeschickt wurde weil das EK2 noch in der PK vom OB steckt.
Natuerlich sind der falsche Gebrauch des Genitivs oder solche Unworte wie "gefreezt" (von SW freeze) laecherlich. Ein Grund fuer den Siegeszug des Denglisch ist doch aber, dass viele dt. Unternehmen international agieren, in English, und dann im Deutschen die gleichen Fach-/Abteilungsbegriffe wie SCM, IT, KAM verwenden.
Also lasst uns Besprechungen mit dem Einkauf, dem Vertrieb und der Technik halten und dabei offene Themen klaeren. Mittags gehen wir dann zu Tisch und bereiten uns auf die Telefonkonferenz des Leitungskreises vor...
Ich möchte beantragen, den Tatbestand der Vergewaltigung auch für die Sprache gelten zu lassen.
Wenn es nur eine schlechte Gewohnheit waere, dass man diese Formelsprache benutzt, dann koennte man es einfach aendern. Meines Erachtens wird sie aber bewusst als Machtmittel eingesetzt, um zu zeigen, dass man "in' ist; zudem kann man seine "Dummheit" dahinter besser verbergen.
Das beste Beispiel ist der "Quantensprung": in der Wirklichkeit etwas sehr kleines, wird aber verwendet als bezeichne es einen gewaltigen Fortschritt.
Meiner unmassgeblichen Laienmeinung nach besteht die BWL zu 90% aus Worthuelsen, deren Erklaerung immer nicht geliefert werden kann, wenn man gezielt nachfragt.
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