Die Kultusminister wollen die Bildungsstandards der Hauptschüler nicht mehr überprüfen. Das zeigt die Hilflosigkeit, mit der sie vor der großen Gruppe schwacher Schüler stehen.
Es ist ein Verdienst der Pisa-Studien, dass in Deutschland intensiv über Bildung diskutiert wird. Je mehr geforscht und geredet wird, desto größer wird allerdings auch der Verdruss: Man will Taten sehen, nicht schon wieder nur Tabellen. Auch einige Kultusminister würden sich wohl wünschen, aus den Studien wieder auszusteigen. Aber eine Bildungspolitik im Blindflug ist Deutschland in früheren Jahren überhaupt nicht gut bekommen.
Hauptschule in Köln: Die Kultusminister stehen hilflos vor der großen Gruppe schwacher Schüler. (© Foto: dpa)
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Wenn nun in Kreisen der Minister Pläne auftauchen, die sogenannten Bildungsstandards bei Hauptschülern nicht wie geplant zu überprüfen, ist dies ein beunruhigendes Zeichen. Es zeigt, dass die Politiker unliebsamen Tatsachen lieber aus dem Weg gehen möchten. Und es zeigt die Hilflosigkeit, mit der sie vor der großen Gruppe schwacher Schüler stehen. Für die Jugendlichen müsste es vom Kindergarten bis zum Schulabschluss eine Förderkette geben, bei der ein Glied ins andere greift.
Ab in die Hauptschule!
Kinder von Migranten brauchen oft selbst dann noch Hilfe in der deutschen Sprache, wenn sie Abitur machen. Stattdessen gibt es für Kinder, deren Familien kaum oder schlecht Deutsch sprechen, nur ein paar Förderstunden vor der Einschulung - und nach der vierten Klasse heißt es für viele: Ab in die Hauptschule! Dort fallen die Defizite nicht mehr so auf, denn dort haben ja fast alle Probleme.
Die Union muss einsehen, dass sie sich allmählich lächerlich macht, wenn sie weiter vom Erfolg der Hauptschule schwärmt. Aber die Linken haben auch keinen Grund zu triumphieren. In SPD-regierten Ländern gibt es besonders viele schwache Schüler; auch in Gesamtschulen sind die Probleme oft gewaltig. Um diese zu lösen, braucht es den politischen Willen - und verlässliche Daten.
- Pisa-Studie Außer Kontrolle 14.11.2008
- Bildungspolitik Der Frust der Hauptschullehrer 24.10.2008
- Grundschule Der Klassenkampf 14.06.2007
- Schule in Bayern Die Opfer der G8-Reform 21.03.2007
(SZ vom 14.11.2008/bön)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Bei aller Zustimmung zu den Vorkommentaren bleibt nur auf die Rolle des Elternhauses hinzuweisen. Wenn es dort keine (Weiter)Bildungskultur gibt (oder wenigstens Wohlwollen dem Bildungseifer der Kinder gegenüber) gibt, wirds schwer
Hier noch ein bißchen mehr dazu:
www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,590235,00.html
Nach dieser Zusatzinfo muß man sich fragen: Ist die Du mm heit und Ig nor anz maßgeblicher Politiker wirklich so unfassbar oder wird damit ein Ziel verfolgt?
Als Vater eines Viertklässlers und künftigen Gymnasiasten war ich letzte Woche bei einem Elterninformationsabend in der Grundschule Annastraße in Köln.
Der Vertreter der Stadt Köln meinte, negative Medienberichte über die Hauptschule seien Lügen. Kölner Hauptschulen seien ein Ort der Kuschelpädagogik, wo sich fürsorgliche Lehrer rührend um die Kinder sorgen.
Gewalt sei dort geringer als an Gymnasien und schon allein deshalb kein Thema, weil "die Lehrerin jedes Kind, das mit einem unglücklichen Gesicht aus der Pause kommt, beiseite nimmt und sich darum kümmert".
Der Herr vom psychologischen Dienst der Stadt Köln behauptete zudem, in Köln könne "jedes Kind in jeder Schulform jeden Abschluß schaffen". Gute Hauptschüler könnten problemlos aufs Gymnasium wechseln und ihr Abitur machen. Das Bildungssystem sei auch nach oben völlig durchlässig.
Ich war bestürzt über so viel Desinformation und Eltern-Manipulation. Meine höfliche Frage, warum warum sich denn z.B. 400 Hauptschuldirektoren in Baden-Würtemberg zusammengetan hätten, um die Abschaffung der Hauptschule zu fordern ( http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/schulleiter-fodern-abschaffung/?src=SZ&cHash=6d20b7e3ea ), würgte der Vertreter der Stadt Köln mit den Worten ab, "wir wollten hier nicht über Politik reden". Daraufhin entgegnete ich, es gehe doch bei dieser Veranstaltung um die Zukunft von Kindern der hier anwesenden Eltern, fauchte mich eine Mutter an, sie wolle davon nichts mehr hören - sie könne selber denken (!).
Interessant war auch die Aussage des Vertreters der Stadt Köln, die Gesamtschulen seien zu 40% überbucht. Diese 40% Kinder gingen dann halt auf die Hauptschule. Auf meine Frage, warum NRW und die Stadt Köln dann nicht mehr Gesamtschulen bauen, meinte er, dafür sei kein Geld da. Das sei aber auch kein Problem, weil Köln so wunderbare Hauptschulen habe...
Ein weiteres Problem ist ja der kleinkarierte Foederalismus, wo jeder Duodesfuerst sein eigenes Schulsueppchen kocht. Das macht Reformen so gut wie unmoeglich.
Verlässliche daten? politischer Willen? Was es einzig und alleine braucht ist Geld, geld und nochmal Geld. Man wird in einem bildungsfeindlichen Milieu niemals alle Probleme aus der Welt schaffen können, mindern könnte man sie jedoch mit den seit Jahrzehnten bekannten rezepten leider kosten diese sehr viel Geld!
Hier zeigt sich leider das wir als gesellschaft zu kurzsichtig sind wir wollen heute keine Steuergelder in die Ausbildung von potentiell-Geringqualifizierten stecken um diese mit viel Mühe auf ein nur etwas höheres Qualifizierungsniveau zu heben, wir lassen sie lieber im Stich um uns später über soziale Verwahrlosung, Sozialtransferleistungen und Kriminalität aufzuregen (und für diese Unnnanehmlichkeiten dann erheblich mehr Geld auszugeben)
Es ist völlig egal ob die Hauptschule nun "Hauptschule" heisst oder nicht, wichtig ist mit welchen Einsatz man sich um die Schüler bemüht die Diskussion um die Gesamtschule oder die Dreigliedrigkiet ist nichts als ein lächerliches Scheingefecht. Wer wirklich helfen wollen würde der könnte das in jedem System, er muss nur viel Geld und Aufwand investieren...