Führungsspitzen Jedem Manager seine Floskel

Führungskräfte wollen agil und aktiv wirken. Doch mit manchen Redewendungen sabotieren sie sich am Ende des Tages selbst - und sollten sich lieber auf die Zunge beißen.

Von Harald Freiberger

Kurz vor Weihnachten, also am Ende des Jahres, könnte man sich einmal darüber Gedanken machen, warum so viele Manager die Floskel "am Ende des Tages" verwenden. Da gab es den Vorstandschef einer großen Münchner Automobilfirma, der brachte die Floskel ungelogen in fast jedem Satz unter: "Uns geht es nicht um Umsatzsteigerung, der Gewinn ist das, was am Ende des Tages zählt." "Ein Auto muss seinen Besitzer nicht nur von A nach B bringen, im Premiumsegment kommt es am Ende des Tages darauf an, wie es ihn von A nach B bringt." So ging das ständig und hätte man mitgezählt, man wäre am Ende des Tages sicher auf einige hundert Male gekommen, die er die Floskel benutzte.

Automatisch in die Defensive

Er ist nicht der Einzige. Quer durch die Branchen künden Führungskräfte vom Ende des Tages. Der Pharmamanager sagt: "Unsere Medikamente werden über Jahre entwickelt, da kommt es am Ende des Tages auf den einen Tag hin oder her auch nicht an." Der Strommanager sagt: "Der Wettbewerb in Deutschland funktioniert tadellos, man sieht das doch schon daran, dass die vier Anbieter am Ende des Tages immer nur Milliardengewinne machen." Der Bankmanager sagt: "Natürlich ist unser Milliardenverlust nicht schön, aber wir hoffen darauf, dass wir am Ende des Tages auf den Staat zählen können."

Dabei passen die Floskeln gar nicht zu einem Manager. Denn er will agil und aktiv wirken, auf keinen Fall unbeweglich und passiv. Sagt er aber "am Ende des Tages", bringt er sich automatisch in eine defensive Position; schließlich setzt die Formel "am Ende des Tages" voraus, dass man vorher die Argumente der Gegenpartei nennt, um diese dann nach Einschub der Floskel zu widerlegen: "Alle sagen zwar immer, dass wir keine Rezepte für die Zukunft haben, am Ende des Tages aber wird sich zeigen, dass dem keineswegs so ist."

Es bleibt nicht aus, dass Manager ihre Strategie gegen Widerstände verteidigen müssen. Aber das tun sie am besten, indem sie die Vorteile ihrer Strategie erklären. Sie sollten es vermeiden, erst die Argumente der Gegenpartei aufzuzählen. Das "Zwar-aber" schwächt die eigene Position.

Rechthaberisch und passiv

Wo die Floskel nicht defensiv herüberkommt, dort haftet ihr etwas Rechthaberisches an. Wer sie benutzt, bei dem schwingt im Hintergrund häufig so etwas mit wie: "Ihr könnt an meiner Strategie herumkritteln, wie ihr wollt, aber wartet nur ab, dann werdet ihr schon sehen, dass ich am Ende des Tages noch immer recht behalten habe." Eigentlich gibt es nur eine zulässige Form, die Floskel zu verwenden, dann nämlich, wenn sie als Synonym für "unterm Strich" gebraucht wird. Aber dann kann man auch gleich "unterm Strich" sagen.

Es ist nicht gut, wenn Manager die falschen Worte gebrauchen, passiv oder rechthaberisch wirken. Umso unverständlicher, dass sie ihre Rede oft mit einer Floskel würzen, die genau dies signalisiert. Ist ihnen das noch nicht aufgefallen? Haben ihnen das ihre Kommunikationsberater nicht gesagt? Wer also sagt den Managern, dass sie die Formel "am Ende des Tages" aus ihrem Sprachschatz verbannen sollten - am besten bis ans Ende aller Tage?