Chinesisch lernen oder lieber im Techniklabor experimentieren? Das Friedrich-Schiller-Gymnasium im baden-württembergischen Marbach fördert die individuellen Interessen seiner Schüler. Eine Lehrerin der Schule ist sogar die beste Deutschlands, sagt ein Internetportal.
Marion Beckmann kann stolz auf sich sein - sie wurde im Internetportal "Spickmich" zur besten Lehrerin Deutschlands gekürt. Ihr Arbeitsplatz: das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach am Neckar.
Lernen für die Zukunft: Schüler des Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasiums im Chinesisch-Unterricht. (© Foto: Friedrich-Schiller-Gymnasium)
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Hinter der 40-Jährigen steht eine Schule, die auf Unterstützung und Förderung setzt und dafür bereits mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde. Die "Reformstärke und Ergebnisorientierung" haben die Jury "überrascht und fasziniert", hieß es in der Begründung. Was macht das größte Gymnasium Baden-Württembergs so besonders?
"Bei uns zählt der individuelle Erfolg der Schüler, sie können zehn bis 15 Prozent der Fächer nach ihren Stärken wählen", erklärt Rektor Günter Offermann das Erfolgsrezept des schwäbischen Gymnasiums. "Das bringt Motivation."
Jüngst führte das Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) sogar Chinesisch als zweite Fremdsprache ein. Die Schüler können ihre Note ins Abitur einbringen. Mit einer Schule in China pflegt die Marbacher Schule eine Partnerschaft, in internationalen Klassen treffen sich Schüler aus aller Welt. Auch Italienisch, Spanisch und eine Arabisch-AG bietet das FSG an. Im September wird das neugebaute Techniklabor eröffnet, wo auch externe Schüler naturwissenschaftlich experimentieren können. Aus den bisherigen Motiviertenklassen wird eine Hochbegabtenklasse, "wo einfach schneller unterrichtet wird", sagt Lehrerin Beckmann. Aber auch eine Tüftler-AG, Kinder- und Jugendakademien für Grundschulen und Kindergärten sowie Ruderkurse gehören zum Programm.
Liebeskummer oder Lernschwäche?
Wer mit dem Stoff Probleme hat, kann sich beim Diagnose- und Therapielehrer Rat und Hilfe holen. Dieser Posten wurde am Friedrich-Schiller-Gymnasium erfunden, um auch die Ursachen hinter schlechten Leistungen aufzudecken: Probleme zu Hause, Liebeskummer, Lernschwäche. Aber Rat und Unterstützung geben sich in Marbach auch die Schüler.
In einer eigens organisierten Sommerschule nehmen sich Oberstufenschüler in den Sommerferien vier Wochen Zeit, um schwächere Schüler in ihren Problemfächern zu unterrichten. "Die hören besser zu, wenn einer von ihnen etwas erklärt. Man versucht es auch aus Schülerperspektive zu erklären", sagt Philipp Hartmann, der selbst schon während der Ferien an der Tafel stand. Am Schuljahresende bereiten die verantwortlichen Lehrkräfte ihre Oberstufenschüler auf den Unterricht vor.
Am Ende seiner Schullaufbahn blickt Abiturient Philipp zurück: "Das Jahr in der International Fellowship Class war das beste Schuljahr überhaupt", meint der 19-Jährige, der ganz nebenbei Weltmeister im Standard-Formationstanzen ist. Nach Polen, China und Italien habe er immer noch Kontakt. Philipp besuchte während seiner Schullaufbahn außerdem die Arabisch-AG, das Projekt "Naturphänomene" und Chinesisch ließ er sich im Abitur anrechnen.
Die Marbacher Pädagogen unterrichten nach dem Motto "Alle kommen ans Ziel" - zum Abitur. Marion Beckmann bereitet ihre Lateinstunden für verschiedene Schwierigkeitsniveaus vor, "wenn ich den Unterricht undifferenziert durchziehe, bringt das weder den guten noch den schlechten Schülern was". Im Unterricht versuche sie, den Stoff auf verschiedenen Schwierigkeitsniveaus zu vermitteln. Auf Unterstützung für die schwachen Schüler und individuelle Förderung komme es dabei an, erklärt Beckmann. Zu vielen der mehr als 2000 Schüler habe sie guten Kontakt.
Das gute Verhältnis zu ihren Schülern hat sich für die 40-jährige Lehrerin gelohnt. Die Kür zur besten Lehrerin Deutschlands nimmt Beckmann aber gelassen. "Das heißt wohl, dass die Kinder mich mögen", kommentiert sie bescheiden das Ergebnis. Nur in der Kategorie "Cool und witzig" kassierte Marion Beckmann eine Zwei. "An dem witzig werde ich wohl noch ein bisschen arbeiten, aber cool möchte ich für meine Schüler nicht sein", sagt Beckmann. Vielmehr wünsche sie sich einen freundschaftlichen Umgang.
Keine Chance ohne Fachkräfte
"Es gibt nie Stillstand, unsere Schule ist ständig in Bewegung", so Offermann. Die nächsten Projekte hat er bereits im Auge. Er möchte verstärkt schulübergreifend arbeiten: "Man sollte die Mauer in den Köpfen der Lehrer verschiedener Schularten überwinden, dann hätten die Schüler mehr Erfolg". Das neue Techniklabor könnten neben sieben anderen Gymnasien auch Schüler der Grundschule in Marbach nutzen, so Offermann.
An seine Fachkräfte stellt der Schulleiter hohe Ansprüche. "Sie haben Englisch und Sport studiert - was können Sie sonst noch?", heißt es beim Einstellungsgespräch. Was helfen ihm die pädogischen Ideen, wenn er niemanden habe, der sie umsetzt, so der Rektor.
Dass eine seiner Angestellten nun von einem Schülerportal im Internet ausgezeichnet wurde, sieht Offermann jedoch kritisch. Die Kinder sollten vielmehr den Mut haben, ihre Kritik direkt kundzutun. Auch dazu hat die Schule das passende Mittel gefunden: Im sogenannten Ruckzuck-Feedback können sich die Schüler den Lehrern gegenüber zum Unterricht äußern. "Alles andere wäre Gift für die Kommunikationskultur", sagt der 57-jährige Schulleiter. Und die ist in Marbach ja besonders ausgeprägt.
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(sueddeutsche.de/mri)
Moderne Verwaltung
Der Bildungsexperte der SPD Julian Nida-Ruemelin schrieb in der SZ am 01.02.08 einen "interessanten" Beitrag mit dem Titel "Die naechste Bildungskatastrophe".
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/128/155720/
Lesenswert sind auch und vor allem die Leserkommentare.
Das klingt mir aber sehr nach "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen"
Wenn jemand gelernt hat seinen Kopf zu heben und die Tür zu suchen, dann kommt er zum selben Ziel wie jemand, der mit dem Kopf durch die Wand geht.
mehr aber auch nicht. So schön sich die dort praktizierten Lehrmethoden anhören - sie können nur ein erster Schritt sein zu einer Schule für alle. Stundenzeiten weg, Noten weg, Klassenzimmer weg. Dafür individuelle Betreuung, Lehrer als Teammitglieder in Projektarbeiten, themenübergreifendes Lernen usw.. Bis hin zu der längst überfälligen Einsicht, dass wir Zeit unseres Lebens Lernende sein werden und es deshalb nicht den geringsten Grund gibt, zu ganz bestimmten, für alle geltenden, Zeitpunkten, ganz bestimmte Lernziele abrufbereit zu haben.
Dann fängt Schule an Spaß zu machen und effizient zu arbeiten. Alles andere sind - positive - Zwischenlösungen.
Gratulation an diese Schule und ihre Lehrkräfte - sie zeigen den richtigen Weg. Mein Abitur war zwar schon Anfang der 90er, trotzdem gab es auch bei uns einige solcher Initiativen - nur daß das bei uns fast immer auch an der Motivation der Lehrer scheiterte.
So gab es bei uns z.B. 2 Stunden pro Woche Physik/Chemie Übungen. Sinn und Zweck dieser Veranstaltung war das theoretische Wissen aus dem Unterricht in der Praxis kennenzulernen. Unser Physiklehrer war mit Begeisterung bei der Sache und hat uns viele Dinge einfach mal ausprobieren lassen. Er war sogar so engagiert mit uns 2h pro Woche Nachmittags elektronische Schaltungen zusammen zu löten obwohl diese Stunden nicht im Stundenplan waren - es war also eine freiwillige Sache sowohl von seiten des Lehrers als auch von uns Schülern.
Wir hatten aber auch eine Chemielehrerin, die diese Übungsstunden dazu genutzt hat uns Redox-Gleichungen "üben" zu lassen. Toll.
Jaja, typisch deutsch: selbst wenn was gut und erwiesenermaßen einwandfrei läuft, finden wir dennoch etwas zum aussetzen.
Die Schule liegt eben gerade nicht im Stuttgarter Osten und was spricht dagegen, dass sie dennoch das richtige Konzept hat, sei es, dass es nur bei ihrer "Klientel" aufgeht?
Viel wichtiger sit doch: diese Schüler hat mir frischen Ideen und einem frischen Geist sich ihren Schülern angepasst und sie individuell gefördert.
Klar sieht das faktische Konzept, welches idealerweise im Stuttgarter Osten umgesetzt werden müsste/sollte/könnte anders aus, doch wenn der selbe Geist dahinter steht - die ideale Förderung der Kinder, angepasst gerade an deren Lebensverhältnisse - steht einem Erfolg auch an einer solchen Schule in sozialen Brennpunkten nichts entgegen. Oder?
Und keine Angst, dass die Schüler gefördert würden und dann mitten im Leben ins kalte Nass fallen: das kommt so oder so, auch ein einer besch...eidnen Schule, wo die Schüler dafür schlechter lernen und dann letztendlich eine schlechte Ausbildung genossen haben (da vielleicht umso mehr). Es geht ja gerade an dieser "Ideal"-schule nicht um Verhätschelung, sondern darum, dass gerade Schüler eigenständig Dinge erarbeiten - sie sind also vielmehr besser auf das Leben nach dem Abi vorbereitet, weil sie gerade durch Eigeninitiative die Schwierigkeiten des heutigen Berufslebens besser meistern können als durch angelernte Anpassung an mangelhafte Systeme.
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