Elite-Kandidaten Unternehmen Universität

Immer vorn dran: die TU München.

Von Martin Thurau

Der Bus, der die schöne Bezeichnung "Verstärker" trägt, rumpelt von der U-Bahn-Haltestelle vorbei an Dorfgaststätten mit Namen wie "Poseidon", vorbei an Autobahnauffahrten zum Hochschulgelände - geradewegs auf eine Dauerbaustelle. Institut um Institut hat die Technische Universität (TU) München in den vergangenen zehn Jahren hier abseits der Kleinstadt Garching gebaut, links die Informatik, die Medizintechnik, dahinter den Maschinenbau, rechts den profanen Beton-Dom des neuen Forschungsreaktors. Längst ist Garching der größte der drei TU-Standorte. Doch gebaut wird weiterhin, neue Institute, eine Zentrale Mitte ist geplant: der Campus als Work in Progress. Und wenn im Oktober endlich die U-Bahn bis dorthin fährt, rückt das TU-Gelände an der Peripherie noch einmal näher ans Zentrum.

Elite-Kandidat: die TU München

Blick auf den Uni-Campus.

(Foto: Foto: oh)

Vielleicht ist dieser immer währende Bauboom nicht das schlechteste Sinnbild für den Erneuerungsdruck, dem sich die Hochschule permanent aussetzt. Denn wo immer es in den vergangenen Jahren etwas zu reformieren gab im Hochschulwesen - die TU München hatte stets den Ehrgeiz, vorne dran zu sein; Präsident Wolfgang Herrmann gilt als oberster Ärmelaufkrempler unter den bundesdeutschen Rektoren.

So organisierte die TU beispielsweise früh die Hochschulspitze nach dem Modell von Vorstand und Aufsichtsrat - lange bevor dies jüngst gesetzlich vorgeschrieben wurde. Mit ihrer Dependance in Singapur gründete sie als erste deutsche Hochschule einen Auslandsableger. Früher als die anderen setzte sie auf die Auswahl der Studienbewerber, dachte laut über Studiengebühren nach, sammelte Erfahrungen mit dem Fundraising sowie mit der Vermarktung anwendungsnahen Wissens und förderte mit einem speziellen Kursprogramm Business-Mentalität und Gründergeist unter den Studenten.

Die "unternehmerische Universität" - so heißt auch das Konzept, mit dem die TU nun im Elite-Uni-Finale steht. Kernstück ist die Gründung eines "Institutes for Advanced Studies" (IAS), eine Art interdisziplinäre Denkklause, die Wissenschaftlern Freiräume für ihre Arbeit schafft, eine "Zeit zum Auftanken" abseits des Alltagsbetriebes. Dazu kommt ein gutes Dutzend weiterer Projekte, um etwa die Studentenauswahl und das Alumniwesen zu "professionalisieren". Mit alledem, so Herrmann, soll die TU ein "Magnet für die Besten aus aller Welt" werden.

Anders als andere Technische Universitäten deckt die Münchner TU mit ihren 3500 Forschern und knapp 20.000 Studenten nicht nur die klassische Fächerpalette aus Natur- und Ingenieurwissenschaften ab, sondern auch die Medizin und die Life Sciences. Dieses Profil versucht sie beständig zu schärfen und bildet dabei mit Fächern wie der Medizintechnik oder Bionik "Brücken" zwischen ihren großen Wissenschaftsfeldern. Auch bei den großen Forschungsverbünden, mit denen die TU in die Elite-Auswahl gekommen ist, geht es um solche Verknüpfungen. Dabei kooperiert die TU auch mit der Konkurrenz von der Universität München.

Bei aller Industrie- und Praxisnähe, betont Herrmann, sei die TU auch als eine der ersten Adressen in der Grundlagenforschung. So liege sie ganz vorn in den einschlägigen Forschungsrankings, beim Einwerben von Drittmitteln und in der Gunst ausländischer Spitzenforscher, die als Humboldt-Preisträger nach Deutschland kommen. Diese Gäste sollen im Übrigen künftig im IAS unterkommen. Denn unabhängig davon, wie der Elite-Wettbewerb für die Münchner ausgeht: Das Institut soll entstehen - auf einer weiteren Baustelle in Garching.