Die Umstellung auf Bachelor und Master hat den Verwaltungsaufwand für die Unis vervielfacht. Um der Datenflut Herr zu werden, behelfen sie sich mit Online-Managementsystemen. Doch die produzieren nur eines: Chaos.
Die Studenten der Universität Passau wundern sich: Mal haben sie zu viele Credit Points auf ihrem Studienkonto, mal zu wenig. Mal sind ihre Noten besser als es der Professor sagt, mal sind sie schlechter. Und ab und zu tauchen völlig fachfremde Seminare unter ihren Namen auf. Was hat ein Philosophie-Student in einer Veranstaltung für Informatiker verloren?
Selbstverwaltung online: Studenten im Rechenzentrum. (© Foto: dpa)
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In Passau arbeitet die Universität mit einem Campus-Management-System namens Hisqis, das auch zahlreiche andere Hochschulen in Deutschland einsetzen. Das Onlineangebot soll das Leben der Studenten erleichtern und den Verwaltungsaufwand der Uni verringern.
Die Hochschüler können sich in Hisqis für Seminare anmelden, ihre Studienkonten verwalten oder ihre Prüfungsnoten einsehen. Dazu erhalten sie nach ihrer Immatrikulation Benutzernamen und Passwort, danach läuft alles online. Hisqis ersetzt das Prüfungsamt, im virtuellen Campus sollen sich die Studenten selbst verwalten und organisieren. Nur die Prüfungsaufgaben müssen noch andere stellen, alles Übrige erledigt das System.
Die Unis profitieren von dem Online-Management. Die Umstellung auf Bachelor und Master, modularisierte Studiengänge, die Einführung von Gebühren und Credit Points haben den administrativen Aufwand enorm in die Höhe getrieben. Statt den Apparat aufzublähen, haben sich die Hochschulen eben mit Software beholfen. Ein guter Gedanke - nur: Das System funktioniert oft nicht so wie geplant.
Das Studienbuch ist abgeschafft, Scheine ebenfalls
Der Studentin Susanne G. etwa fehlten für die Zulassung zum Bachelor plötzlich wichtige Credit Points, obwohl sie alle nötigen Veranstaltungen erfolgreich absolviert hatte. Als sie das im System bemerkte, war es jedoch schon zu spät. "Wir konnten noch nicht einmal rekonstruieren, wo genau der Fehler passiert ist. Klar war nur: Mir fehlen die nötigen Punkte."
Einmal im System, war die falsche Information im Nachhinein unmöglich zu korrigieren - auch deshalb, weil die Studenten mit Hisqis nichts Schriftliches mehr in die Hände bekommen. Das Studienbuch ist abgeschafft, Scheine ebenfalls. Alles ist online, und steht im Netz einmal eine Angabe, können Studenten kaum noch das Gegenteil beweisen. Jetzt muss Susanne ihre Bachelor-Arbeit nach der Abgabe in einer mündlichen Prüfung verteidigen und so die fehlenden Credit Points wieder hereinholen.
"Eigentlich ist das System, so wie es gedacht ist, praktisch und vereinfacht vieles", sagt die Passauer Studentin. "Aber hier weiß keiner so genau, wie das funktioniert." Vor allem dann, wenn plötzlich andere Noten im System auftauchen als sie der Professor eigentlich vergeben hat. "Ist die Note schlechter, hat der Student ein ernstes Problem", erzählt sie. "Ist sie aber besser, beschwert sich natürlich keiner. Da fragt man sich schon, ob das alles fair ist."
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Warum ist es denn so schwer weiterhin den Studenten Scheine auszustellen, damit die was in der Hand haben? Es könnten damit Pannen, wie sie im Bericht beschrieben wurden wieder richtiggestellt werden. Außerdem sollten die Studenten ihre Klausuren und Hausarbeiten korrigiert und benotet (so wie's üblich war) wieder audgehändigt bekommen. Man sollte sich vielleicht nicht nur auf die Technik verlassen, Was ist, wenn ein Häcker das System knackt und es zum Absturz bringt? Bei den Datenmengen von Tausenden von Studenten wäre das Chaos nicht auszudenken!!!
Wer Poesiewürdigungsstühle benutzt, sollte nicht zu freiem Handel referieren!
Obwohl der Beitrag um Ausgewogenheit bemüht ist, betet er gravierende sachliche Fehlinformationen eines ähnlichen Berichts der FTD vom 15.5.2007 nach: Den Handel teilen sich keinesfalls "vier große Anbieter ... nahezu" untereinander auf. Microsoft ist de facto kein Anbieter von Campus Management Systemen, und SAP Campus Management weist eine einzige Referenzinstallation an deutschen Hochschulen auf (zwei Dutzend kleinerer Akteure werden hingegen nonchalant unterschlagen). Bei aufmerksamer Beobachtung stellt man fest, dass jüngst alle genannten Anbieter öffentlich in ähnlicher Form für jeweilige 'Systemmängel' angefeindet worden sind. Zufall angesichts der tendenziellen Überforderung mancher (hochgradig dezentral strukturierter!) Hochschulen mit den Implikationen des weit reichenden aktuellen Strukturwandels?
So lange es immer noch so wenig Anbieter gibt, wird sich an der Situation vermutlich auch nicht viel ändern - das klassische Mono- bzw. Oligopolproblem.
Zudem frage ich mich, warum man mit der Aufgabe der Entwicklung eines solchen Systems nicht eine Projektgruppe oder Studenten in einer längeren Projektarbeit unter Aufsicht eines oder mehrerer Professoren betraut? Das Ergebnis wäre ein kostengünstigeres, möglicherweise effizienteres, aber vor allem benutzerorientierteres System - bei dem zusätzlich die Verantwortlichen schneller greifbar wären als ein Helpdesk bei Microsoft.
ich versteh nicht, warum man immer wieder versucht das papier abzuschaffen. ich hab ja nichts dagegen, dass alles über computer abrufbar ist, etc., aber schriftliche bestätigungen sind extrem wichtig um fehler und missbrauch einzuschränken.
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