Angst vor Jobverlust, schlechtes Betriebsklima, Leistungsdruck: Durch psychische Belastungen der Mitarbeiter entstehen einer Studie zufolge Schäden in Milliardenhöhe.
Weil sich immer mehr Arbeitnehmer wegen Stress, Ängsten und psychischer Belastung krankmelden, entstehen der deutschen Volkswirtschaft einer Studie zufolge jährlich 6,3 Milliarden Euro Schaden. Dies meldete der Bundesverband der Betriebskrankenkassen am Dienstag in Berlin.
Stress im Beruf: Führungskräfte können positiven Einfluss auf das seelische Gleichgewicht ihrer Mitarbeiter nehmen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Als Gründe für die Krankmeldungen werden Arbeitsverdichtung und mangelnder Handlungsspielraum am Arbeitsplatz angegeben, aber auch Angst vor Jobverlust, schlechtes Betriebsklima, Über- oder Unterforderung sowie Leistungs- und Zeitdruck.
Von den Kosten entfallen der Mitteilung zufolge drei Milliarden Euro direkt auf die Krankheitsbehandlung und weitere 3,3 Milliarden Euro auf die Produktionsausfälle. Zum Vergleich: Insgesamt entstehen durch arbeitsbedingte Erkrankungen und Frührente jährlich Kosten von 44 Milliarden Euro.
Monotone Jobs
Dabei verschieben sich jedoch die Gewichte. Während körperliche Beanspruchung im Arbeitsleben zurückgeht, steigen die psychischen Belastungen, wie es weiter hieß. Besonders betroffen seien Jobs mit monotonen Arbeiten, so etwa im Fahrzeugbau oder in Dienstleistungsbranchen, wo die Mitarbeiter wenig selbst entscheiden können.
Positiven Einfluss auf das seelische Gleichgewicht ihrer Mitarbeiter können der Studie zufolge vor allem Führungskräfte ausüben, wenn Aufgaben und Qualifikation optimal abgepasst, Ziele und Zeitvorgaben abgesprochen und "wertschätzende Rückmeldungen" gegeben werden. Auch präventiver Arbeitsschutz und Unterstützung für die Mitarbeiter könnten helfen.
Der Verband hob das Beispiel der Pinneberger Verkehrsbetriebe heraus: Sie hätten für ihre Busfahrer ein Programm zur Stressbekämpfung aufgelegt, um der Belastung durch drängelnde Autofahrer, Verkehrschaos und lärmende Schulkinder etwas entgegenzusetzen.
(ap/bön)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Das Geld ist doch bei den Aktionären und Eigentümern angekommen.
Ein Großteil der erwähnten 44 Milliarden werden doch den Sozialsystemen entnommen. Insofern können die entgangenen Gewinne durch Produktionsausfälle leicht verschmerzt werden.
Ein Satz in dem Artikel lautet: Positiven Einfluss auf das seelische Gleichgewicht ihrer Mitarbeiter können der Studie zufolge vor allem Führungskräfte ausüben, wenn Aufgaben und Qualifikation optimal abgepasst, Ziele und Zeitvorgaben abgesprochen und "wertschätzende Rückmeldungen" gegeben werden.
Das setzt zunächst einmal voraus, dass die "Führungskräfte" überhaupt das Können und die persönliche Größe haben, entsprechend agieren zu können. Es gibt in der Tat Unternehmen, die wirklich dezidiert ihren Mitarbeitern entsprechende Hilfe nicht nur anbieten, sondern sie auch dazu ermuntern. Allerdings sind diese Unternehmen noch in der Minderheit. Weiterhin wurde in der Vergangenheit auch von den Ärzten dieses Phänomen über Jahre nicht ernst genommen. Auch heute, wo Herz - und Kreislauferkrankungen in Folge von Stress dramatisch zugenommen haben, würde man eigentlich aus den Kreisen der Gesundheitswirtschaft offensivere Öffentlichkeitsarbeit erwarten.
Wir arbeiten, damit wir konsumieren können, schrieb schon Erich Fromm.
Leider vergisst der Mensch immer wieder, dass er das, was er offenbar zum Leben braucht, auch irgendwie erwirtschaften muss. Die ganzen IPods, Macbooks und all der andere stylische Kram - den ich auch ganz nett finde, Autos, Fernreisen zur Selbstbestätigung, das alles muss irgendwer finanzieren beziehungsweise fertigen.
Die superschöne Welt, in der wir glücklich sein können, weil wir unendlich viel besitzen und konsumieren können, die gibt es so nicht. Das haben wir uns während der Industrialisierung so gedacht, aber es ist nicht eingetreten.
Nun sitzen wir da mit all den schönen Dingen, die wir besitzen müssen, um glücklich zu sein, aber wir sind frustriert, weil wir das Gefühl haben, nur noch zu arbeiten. Und während wir frustriert sind, versuchen wir die Zeit tot zu schlagen, die wir dauernd versuchen einzusparen.
Nicht das erste Mal, das die Sirene mit dem Brand verwechselt wird, weil man sie besser hören kann.
Unsere egozentrische Konsumkultur kann bei einer Seele, die ehrliche, wohlwollende Verbindungen, die bahnbrechende Entdeckungen und deren Lebenselexier Liebe ist, nur noch Alarm auslösen.
Die Botschaften werden behandelt, anstatt sie zu hören, zu verstehen und ernst zu nehmen und so zwingen wir unsere Seele, immer deutlicher zu werden, bis schließlich nicht mehr zu übersehen ist: So geht es nicht weiter.
Wir handeln wie Fahrer, die bei einem Warnschild einfach weiterfahren, statt nachzuschauen, ob es noch gut sein kann und verlassen uns lieber auf auf die Werkstätten, die unser demoliertes Fahrzeug dann wieder in Schuss bringen - bis zum nächsten Crash.
Das ganze nennt sich dann Realismus, vor allem, wenn wir mal wieder "Schuldige" gefunden haben.
Komisch, normalerweise wird ein Thema ernst genommen, wenn es an den Geldbeutel geht. Nur bei psychischen Erkrankungen scheint nicht einmal das zu gelten. Allein schon der offene und vorurteilsfreie Umgang mit solchen Erkrankungen würde schon etwas helfen. Mit diesem Beitrag begibt sich die SZ auf die richtige Fährte.
Paging