Verschüttetes Interesse am Nutzlosen
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Also therapiert er seine Patienten - mit einer Mischung aus Medikamenten, Ruhe, Gesprächen und Bewegung. Amüsiert beobachtet Brühlmann, wie Manager in der Kunsttherapie wieder ihre kindlichen Seiten entdecken, das verschüttete Interesse am Nutzlosen, am Malen und Formen. Sie können zwar Geschäftsberichte lesen und Konferenzen leiten, aber das Spazierengehen lernen sie erst wieder in Hohenegg.
Und erst recht das Reden über sich selbst und die eigenen Gefühle. Womöglich auch noch vor einer Gruppe - für viele Menschen eine schlimmere Vorstellung als das Jahresgespräch mit dem Chef. Gelaber für Weicheier, aber nichts für Entscheider! Auch Frank Piller hat seine Vorurteile gegen die Psychotherapie gepflegt. Jetzt ist er in der Klinik Roseneck und schwärmt von der Gruppenstunde: "Ich habe festgestellt, dass das eine extrem befreiende Wirkung hat."
Gereiztes Klima
Piller arbeitet als Vertriebschef in einem Industriebetrieb mit 110 Mitarbeitern. Oder besser gesagt: Er hat dort gearbeitet. Seit gut zwei Monaten ist er krankgeschrieben und er weiß noch nicht, ob er dort überhaupt wieder anfangen will. Pillers Firma wurde von einem Konzern übernommen. Seitdem ist nichts mehr wie früher, als zur Not der Chef noch selbst mit anpackte. Jetzt folgt ein Unternehmensberater dem anderen, die neuen Kollegen siezen sich. Das Klima ist gereizt. Piller muss wöchentlich in die Zentrale melden, wie er den Umsatz zu steigern gedenke. Er kann den Umsatz aber nicht steigern.
Piller hat eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie Personalchef Markus Schmitt: Der Job überwucherte sein ganzes Leben. Piller hat über die Jahre heftig zugenommen, das Gleitschirmfliegen aufgegeben. Nachts dachte er mit Grausen daran, wer ihn am Morgen wieder anrufen würde, um sich zu beschweren. "Da war es mir kotzschlecht", sagt er. Schließlich schickte ihn seine Frau zum Therapeuten: Sie hielt es nicht mehr aus mit ihm und seinem Unglück. Wenn Piller aus dem Büro nach Hause kam, musste er sich vor dem Abendessen erst einmal schlafen legen. Danach ging er ins Bett. Die Wochenenden verbrachte er nur noch auf der Couch. Schließlich gab er dem Drängen seiner Frau nach und nahm Hilfe an - ein erster großer Schritt: "Die wenigsten gestehen sich ein, dass sie krank sind. Das gilt als ein Zeichen der Schwäche." Jetzt überlegt Piller, ob er nicht doch kündigen soll, Wirtschaftskrise hin oder her. "Ich bin mittlerweile bereit, auf Geld zu verzichten", sagt er. "Ich bin bereit, alles zu opfern. Wenn es sein muss, kostet es mein Haus, aber mein Leben kostet es nicht."
Das Ziel ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz
Eine Kündigung oder eine Frühverrentung als Ausweg aus dem Burn-out - das sind eher die Ausnahmen. Das Ziel der stationären Behandlung in einer Klinik ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz: Deshalb haben beispielsweise in Prien Ärzte und Psychologen ein Programm entwickelt, mit dem sie die Patienten aus ihrer passiven und oft auch wehleidigen Haltung herausholen. Denn Burn-out-Patienten sehen sich meist als Opfer widriger Umstände: Sie geben Kollegen, der Gesellschaft, der Firma die Schuld - und übersehen dabei Spielräume für das eigene Handeln. In Prien lernen Patienten deshalb auch, wie sie mit Stress und Konflikten besser umgehen können. Viele von ihnen kommen zur schmerzhaften wie heilsamen Einsicht, dass sie Ansprüche an sich selbst zurückschrauben müssen. Personalchef Markus Schmitt sagt, er habe gemerkt, wie groß sein Bedürfnis nach Anerkennung sei. Dafür schuftete er immer bis zum Umfallen.
Nur ein paar Tage noch, dann wird er wieder in seinem Büro sitzen. Glücklich sieht er nicht aus. Die Arbeitsbelastung in öffentlichen Krankenhäusern sei katastrophal, sagt Schmitt. Was kann er schon dagegen machen? In Zukunft will er "stopp" sagen, wenn ihm wieder alles über den Kopf zu wachsen droht. Das hat er sich zumindest fest vorgenommen. Ein Psychotherapeut soll ihm dabei helfen. Den Antrag auf Frührente stellt er nun doch nicht. Schmitt will weitermachen. Seine Karriere soll ein gutes Ende nehmen.
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(SZ vom 14.3.2009/bön)
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Stimmt! Am Anfang war das Wort - Hier hat es also angefangen - welches Wort hörten die heute ausgepowerten - JA - das Wort der Mutter, ausgepowert, überlastet, vom Vater mal wieder in Stich gelassen, muss sie alles selber tun und gegen ihre Müdigkeit ankämpfen, gegen ihren Missmut ankämpfen, gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen usw usw usw kämpfen --- bis keine Kraft mehr im ausgekämpften steckt - und er versagt - endlich - HIER is deine Chance innerlich dich erkennend und deine eigenen Interessen findend und nich mehr die der Mutter weiterkämpfen - kapiert?
;-)
windrose
Am besten sollten Sie selbst über Burnout etc recherchieren. Es gibt Einrichtungen und Therapeuten, die sich damit speziell befassen - nicht jeder Feld, Wald- und Wiesenarzt oder Therapeut hat Ahnung. Ob Alkohol ein bloßes Symptom oder tatsächlich (eines) der Probleme ist, sollte natürlich auch geklärt werden.
Ich war nunmehr so weit - auch auf Druck meiner Familie und Bekannten - dass ich mir helfen lasse mit dem "Weicheigelaber". Mein Fehler war jedoch, dass ich beim Erstgespräch mit dem Therapeuten erwähnt habe, dass ich manchmal ein Alkohlproblem habe, d.h. ich trinke manchmal bis zum Kontrollverlust. Schon war ich auf der Schiene der Alkoholiker und man will mich in eine Entzugsklinik schicken. Kein Wort darüber, dass ich seit 29 Jahren Vollzeit arbeite und davon 15 Jahre noch Nebenjobs hatte, zwei Kinder,welche mir Sorgen und Nöte bereiten, Familie die mich ärgert usw. Kein Wort über Stressbelastung etc. Ich gehe nunmehr zwar nochmal zu dieser Therapeutin, muss sie jedoch dazu bringen mich auf Kur zu schicken und nicht auf Entzug. Falls jemand Tipps hat, bin offen für alles. Ich habe nämlich keine Ahnung, da ich bis heute gesund war und kaum zum Arzt musste.