Der Bildungsföderalismus quält Lehrer, Eltern und Schüler: Er ist praktizierte Bürgerferne, er ist schikanös, er ist eine staatsrechtliche Spielform des Sadismus.
Der deutsche Föderalismus ist so, dass er sogar die alten Spruchweisheiten Lügen straft: "Variatio delectat" sagen die Lateiner. Vielfalt macht Freude. Die Vielfalt gibt es in Deutschland, die Freude nicht: Die 16 Bundesländer leisten sich 16 verschiedene Bildungssysteme. Das ist keine schöne Abwechslung. Wem macht es Freude, wenn in Deutschland einige tausend verschiedene Lehrpläne gelten? Wem macht es Freude, wenn jedes Bundesland seine eigenen Hochschulen betreibt? Wenn hier Studiengebühren erhoben werden und dort nicht?
Föderalismus und Bildungspolitik: Gesiegt hat der Scheuklappenegoismus der Länder. (© Foto: dpa)
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Wem macht es Freude, wenn ein Lehrer aus Hamburg nicht in München unterrichten darf, weil ihm ein Seminarschein fehlt? Und wer hat Freude daran, dass ein Umzug mit schulpflichtigen Kindern von Hamburg nach München einer Auswanderung nach Australien gleichkommt? Wer hat sein Vergnügen, wenn ein Juniorprofessor leichter von Berlin nach Bologna wechselt, als von Berlin nach Potsdam? Und wem macht es Spaß, dass jedes Land seine Schulformen festlegt und die Ausbildung seiner Lehrer regelt? Der Spaß beschränkt sich auf die 16 Kultusminister und ihre Bürokratien.
Der größte Zankapfel
Die Anforderungen im Gymnasium weichen so stark voneinander ab, dass Jugendliche besser in Köln bleiben, wenn Väter oder Mütter eine neue Arbeitsstelle in München antreten. Ist das die Bürgernähe, von der Landespolitiker reden, wenn sie den Föderalismus verteidigen? Dieser Bildungsföderalismus ist praktizierte Bürgerferne, er ist schikanös, er ist eine staatsrechtliche Spielform des Sadismus: Er quält die Lehrer, er quält die Eltern und er quält die Schüler.
Die Föderalismusreform der Jahre 2005/06 hat nichts besser gemacht, im Gegenteil. Die "Bildung" war der größte Zankapfel zwischen Bund und Ländern. Man hat so lange gestritten, dass man auf ein großes neues Konzept hätte hoffen können, das Antwort gibt auf Fundamentalfragen: Wie stellt man gleiche Bildungschancen her? Wie kann man ein Ganztagsschulsystem auf die Beine stellen, das Schüler aus ärmeren Familien individuell fördert und zugleich den Bedürfnissen von berufstätigen Müttern und Vätern entgegenkommt? Und wie erreicht man eine bessere Ausstattung der Schulen und Hochschulen?
Keine dieser Fragen ist beantwortet worden. Gesiegt hat der Scheuklappenegoismus der Länder. Und der Bund hat seine Restkompetenzen in der Bildungspolitik an die Länder verscherbelt. Bundesbildungsministerin Annette Schavan verdient seitdem ihre Amtsbezeichnung nicht, die sie trägt. Sie hat Einfluss auf die Forschung, doch in der Bildung erschöpft sich ihre Zuständigkeit im Wesentlichen darin, Interviews zu geben. Ansonsten kann sie noch Studien in Auftrag geben, und selbst dies nur, wenn die Länder mitspielen. Im Vergleich zu ihr ist der machtlose Bundespräsident ein Ausbund an Macht.
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Aufstände in Syrien
"Unsere Zukunft heisst Europa, ein Europa der Regionen, der Kulturen, der Vielfalt-der Subsidiarität und nicht der nationalen Einfalt!"
Da sich aber jede bayerische Gruppe von vier Dörfern für eine eigene Region hält, dürfte es schwierig sein, dem auf europäischer Ebene Rechnung zu tragen.
Die Zukunft wird ganz sicher so aussehen, dass regionale Ausprägung stärker ins Gewicht fallen muss. Aber die Gebilde, die zu Schwächungszwecken von den Alliierten als Bundesländer installiert und bis heute von Profilneurotikern zur Einkommenserhaltung gepflegt werden, sind dafür nicht geeignet!
Ein Franke und ein Bayer unterscheiden sich nicht mehr als ein Bayer und ein Ostfriese. Innerhalb Bayerns gibt es schon viele Regionen, die für sich jeweils erlebenswert sind.
Aber dafür braucht man nicht 16 Staaten im Staat, die ein Schweinegeld kosten und untereinanter aus Gründen der Eitelkeit und Rückständigkeit mehr mauern, als das gesamte Land im Bezug auf Nicht-EU Staaten; in der Schweiz kriegt man leichter einen Studienplatz oder sogar eine Professur als in einem anderen Bundesland!
Und warum Stadtstaatchen wie Bremen oder Hamburg ein eigenes Bildungssystem haben muss, kann niemand bei Verstand plausibel erklären!
Der Föderalismus sei schuld an der Bildungsmisere. Das ist zwar eine beliebte, aber durch Wiederholung nicht richtigere Behauptung. Die noch wesentlich förderaler gestaltete Bildungslandschaft der Schweiz erbringt durchaus beachtliche Ergebnisse und die sehr zentralistische Frankreichs nicht unbedingt. Zu fragen ist auch, warum ein Kleinstaat wie Island mit halb so viel Einwohnern wie Düsseldorf laut Pisa ein besseres Bildungssystem zustande bringt als Nordrhein-Westfalen. An der Größe der agierenden Bürokratien kann es offenbar nicht liegen. Es ist die völlige Mut- und Konzeptlosigkeit der Kultusminister, die einhergeht mit undurchdachtem Aktionismus (Rechtschreibreform, G8), die unser Bildungssystem lähmt. Unser Gesundheitssystem, obwohl auf Bundesebene gestaltbar, wird ja genausowenig reformiert. Alle notwendigen Reformen werden zwischen Lobbygruppen und Wahlkalkül zerrieben. Wenn wir wirklichen Föderalismus hätten in diesem Land, dann hätte längst einmal in einem Bundesland die Dreigliedrigekeit des Schulsystems abgeschafft werden können. Aber niemand wagt es, nur eine schwarz-grüne Koalition in Hamburg geht einen halben Schritt darauf zu. Ohne Föderalismus - fürchte ich - hätten wir noch nicht einmal diese halben Schritte im Land. Aber selbst dieser Schritt wird nichts nützen, weil eingliedrige Schulsysteme nicht automatisch den mehrgliedrigen überlegen sind. Zumindest dann nicht, wenn sich diese Schulen nicht ganz klar zum Leistungsprinzip bekennen. Fördern und Fordern. Letzteres ist leider in Deutschland in Verruf geraten. eine große Koalition von Eltern, Lehrern, Wissenschaftlern glaubt Schule funktioniere nach dem Prinzip: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß, will heißen: die Schüler sollen etwas lernen, aber es darf nicht wehtun. Manchmal muss aber Lernen auch wehtun, z.B. wenn man Abschied nehmen muss von zu einfachen Erklärungen für die Bildungsmisere (Föderalismus). Auch verstärkte Leistungsabforderung ist nur ein Baustein ein einer beseren Bildungslandschaft.
Rudi Wedekind, Hamburg
Schafft den Bildungsföderalismus ab. Er ist träge, unflexibel und bietet Nischen für das Mittelmaß. Ich wünsche mir hochkarätige Kommissionen, die Lehrpläne gestalten, die gut durchdacht sind. Wenn man sich ansieht, wie viele unterschiedliche Lehrwerke für jedes Fach in Deutschland kursieren, kann man nur den Kopf schütteln. Zentrale Lehrpläne hieße ja nicht zwangsläufig, dass jeder dasselbe unterrichtet. Bei intelligenter Gestaltung blieben genügend pädagogische Freiräume. Die meisten Fächer haben so gut wie keinen regionalen Bezug. Mathematik ist in Niedersachsen dieselbe wie in Bayern. Die Selbstverliebtheit der Länder in dieser Hinsicht wird wirklich besonders deutlich bei Umzug über die Landesgrenzen hinweg. Lehrer werden erneut in Referendariate gezwungen und Schüler einem unnötigen zusätzlichem Anpassungsprozess ausgesetzt. Und dies in einer Zeit, in der Mobiltät als hohes Gut angesehen wird. Dezentrale Lösungen halte ich beispielsweise in der Energiepolitik für sinnvoll, weil sie sicherer sind. Richtig gute Gründe, die den überkommenen Föderalismus in der Bildung rechtfertigen, wollen mir nicht einfallen. Pluralismus versus Kakophonie.
ist es so einen Unsinn wie H. Prantl in diue Welt zu setzen - voler schamoser Uebertreibungen (Schuklwechsel wie Auswandern - man merkt dass Prantl noch nie laenger im Ausland war) und absolutem Quatsch: "Dieser Bildungsföderalismus ist praktizierte Bürgerferne". Und eine zentrale Buerokratie in Berlin die alles regelt, Stundenplaene, Stoff, Lehrerausbildung, Klassenstaerken, Examen und schliesslich auch noch den Studienplatz zuweist, das waere dann buergernah? Wenn In Berlin entscheiden wird was in Ruhpolding, Cham oder Linndau in der Schule passiert?
Apropos Studienplatz: Hier la euft Prantl dann zur Hoechstform auf. Wo kaemen wir hin wenn Studenten sich selber ihre Uni aussuchen duerfen - oder Unis ihre Studenten? Das muss zentral vom guetigen Staat geregelt werden - der schicjt dann jemand der in Munechen studieren will nach Rostock, und jemand der in Dresden studieren will nach Hamburg. Geht ja nicht dass jeder studiert wo er will. Dass Ressourcen verschleudert werden, dass keine "Planungssicherheit" herrscht etc - die Unis in den USA, Kanada, GB, und den meisten EU-Staaten kommen damit schon seit Jahrzehnten klar - nur die deutschen Unis nicht?
Foederalismus ist Vielfalt und Wettbewerb - nicht alles funktioniert 100%ig, aber es ist immer noch besser als ein "Buerokratiemoloch" in Berlin, der ein Mix aus SuperKultusministerium und Hyper-ZVS waere.
Als Lehramtsstudent im Endspurt ist es bezeichnend, wenn es nach dem Studium einfacher ist, selbst ins Nicht-EU-Ausland (Schweiz) zu wechseln als innerhalb der einzelnen Bundesländer.
Zahlreiche Bundesländer scheinen sich bei der Einstellung durch besonders divenhaftes Verhalten auszuzeichnen: Entweder man wird gar nicht genommen oder erhält als "Landesfremder" direkt mal einen Aufschlag auf seinen Notenschnitt bekommt - geht's noch? Warum nicht direkt Geschlechter/Hautfarben/... auswählen?
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