Die Handschrift eines Menschen ist einzigartig - das machen sich Personaler zu Nutze. Schriftproben der Bewerber sollen ihnen verraten, welcher Kandidat für einen Job am besten geeignet ist.
"Füllen Sie doch bitte noch diesen Fragebogen aus", oder "Wir benötigen jetzt noch eine Arbeitsprobe von Ihnen" - solche Aufforderungen sind inzwischen Standard in vielen Bewerbungsgesprächen. Manchmal geht es dabei jedoch gar nicht um die statistischen Angaben oder die neue Idee, die der Bewerber präsentiert. Die Personaler wollen vielmehr seine Handschrift sehen.
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Einige Firmen gehen inzwischen dazu über, die Qualifikation der Job-Kandidaten nicht mehr nur anhand von Lebenslauf, Zeugnissen und Einstellungsgespräch zu überprüfen. Auch die Graphologie leistet ihnen Hilfe bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern. Eine Schriftprobe soll Rückschlüsse auf Zuverlässigkeit, Arbeitsethos und Kollegialität liefern. "Handschriften sind einzigartig", erklärt die Graphologin Claudia Caspers. "So wie ein Fingerabdruck oder die DNA. Sie verraten uns unglaublich viel über die Persönlichkeit."
Verräterischer Zeilenabstand
Graphologin Caspers setzt ihr Können in der Personalauswahl und in der Laufbahnberatung ein. Unternehmen wenden sich an sie, wenn sie Hilfe bei der Besetzung offener Stellen benötigen. "Ich werde meist ab der mittleren Management-Ebene eingeschaltet. Sonst lohnt sich der Aufwand nicht", sagt Caspers.
Die Unternehmen erstellen ein genaues Anforderungsprofil, charakterisieren das Team, mit dem der Kandidat zusammenarbeiten muss und nennen die sozialen Kompetenzen, die er mitbringen sollte. Auf diese Merkmale hin untersucht die Graphologin die Handschrift. Zeilenabstand, Neigungswinkel und Größe der Bögen verraten ihr, welche Eigenschaften der Schreiber mitbringt. Genauso berücksichtigt sie, in welche Richtung die Strichbewegung geht und wie die Buchstaben miteinander verbunden sind.
Bei der Interpretation der Schriften orientiert sich Caspers an verschiedenen Typologien. "Die C.G.-Jung-Typologie etwa unterscheidet zwischen Denker, Fühler, Realist und dem Intuitiven, aber da gibt es natürlich auch immer Mischformen." Sie erstellt für ihren Auftraggeber ein umfangreiches Gutachten, das den Ausschlag darüber geben kann, ob ein Bewerber eine Stelle erhält oder nicht. Für solch eine Analyse verlangt Caspers zwischen 200 und 400 Euro.
Die Kunden der Graphologin sitzen hauptsächlich in der Schweiz. Dort gehört die Graphologie schon fast zum Standard-Handwerkszeug der Personaler. Die Bank of Switzerland etwa beschäftigt einen eigenen Hausgraphologen. In Deutschland dagegen setzt sich die Schriftanalyse als Instrument zur Personalentwicklung erst langsam durch. "In Deutschland ist der Ruf der Graphologie leider ziemlich schlecht", sagt Caspers. "Viele denken, das funktioniert so ähnlich wie Astrologie, doch Graphologie wird an Universitäten gelehrt." An der Ludwig-Maximilians-Universität in München etwa können Psychologen über mehrere Semester Graphologie studieren.
Gerade weil man aus der Schrift Rückschlüsse auf die Persönlichkeit ziehen kann, sind so viele Menschen unzufrieden mit ihrer Klaue. Mittlerweile gibt es Coachings, in denen Trainer sich der Handschrift eines Menschen annehmen. Das Europäische Institut für Philographie in Düsseldorf etwa bietet eigens Kurse dafür an.
Die Schrift ist wie die Stimme
"Wir wollen die Handschrift unserer Kunden nur verbessern, nicht verändern. Das würde auch gar nicht funktionieren, denn die Schrift ist wie die Stimme: Sie kann nicht verwandelt, sondern nur geschult werden", erklärt die Gründerin des Instituts, Susanne Dorendorff.
Vor allem Geschäftsleute und Manager wenden sich an die Düsseldorfer Schule für Handschriften. "Bei vielen geht es darum zu lernen, wie man an einem Flip-Chart ordentlich schreibt", so Dorendorff. "Oft hören wir auch, dass Kunden Geschäftsbriefe per Hand schreiben und sich dafür verbessern wollen." Eine handschriftliche Nachricht wirke schließlich viel persönlicher als ein Serienbrief aus dem Computer.
Auch Dorendorff wehrt sich gegen den Vorwurf, die Verbesserung der Schrift oder ihre Analyse habe etwas mit Esoterik zu tun. "Sogar Menschen, die mit Schriften eigentlich gar nichts zu tun haben, ziehen doch sofort Rückschlüsse auf den Charakter, wenn sie eine Handschrift sehen", sagt sie. "Malt jemand verspielte Kringel als i-Punkt, entsteht beim Gegenüber doch sofort das Bild einer ganz bestimmten Persönlichkeit im Kopf."
(sueddeutsche.de/mri)
BMW R 1200 GS Rallye
..."...geben Sie bitte ihre Blut- und DNA-Probe hier ab, nehmen Sie sich einen Becher und gehen ins Nachbarzimmer...oh, bevorzugen Sie Herrenmagazine oder eine DVD?"
Ich gehe gleich am Montag zu meinem Vorgesetzten, dessen Vorgesetzten sowie den Geschäftsführer und werde sogleich eine Schriftprobe verlangen.
Soilten sich aufgrund der Schrift-Analyse negative Aspekte hinsichtlich der Persönlichkeit, fachlichen Kompetenz sowie eines beargwöhnten negativen Verhaltens ergeben, werde ich den Herrschaften das Verlassend des Unternehmens nahelegen.....
Natürlich schreibe ich Unsinn, versteht sich, aber andersrum ist es nicht minder.
Ich halte es für ausgesprochen gefährlich, einen Mitarbeiter auf seine Schrift zu reduzieren, der Mensch besteht schon noch aus ein paar anderen Aspekten.
... wie wärs mit einem Personalberater der mit den Werken von Cesare Lombroso winkt und versucht die Qualifikation anhand der Schädelform zu ermitteln?
Ich bekomme langsam den Eindruck, dass in Deutschland wirklich Fachkräftemangel herrscht. Vor allem in Personalabteilungen und bei Consultanten und -onkels.
schönes Wochenende wünscht der jazzbert.
Würde da nicht auch das Antidiskreminierungsgesetz fassen? Es kann doch nicht sein, daß Arbeitgeber solchen pseudowissenschaftlichem Hokuspokus zur Einstellung nutzen. Demnächst wird wohl wieder die Schädelphysiognomie oder die Hautfarbe angewendet.
@Handschrift: Ihre Werbesätzchen können Sie sich sparen, die Süddeutsche-Leser sind in der Regel intelligent genug, sowas zu merken. Was mich auch auf die Autorin des Artikels bringt: Ist Ihnen das eigentlich nicht zu peinlich, derartigem Mumpitz einen Platz in der Süddeutschen zu bieten, Frau Bönisch?
Dass die "Wirkung der eigenen Handschrift auf andere und mich selbst" ein aktuelles Thema ist, bestätigen die teils sehr emotional geführten Beiträge. Dass Handschrift lange Zeit ein Tabu-Thema war, hat die Graphologie mit ihren "waghalsigen Handschrift-Analysen" mitverursacht. Inzwischen gibt es viele neue Erkenntnisse in Sachen Handschrift.
Es ist der Handschrift egal, ob sie mit Kuli, Bleistift, Filzstift oder Limited Edition Füllfederhalter geschrieben wird, sie tut es stets mit denselben Emotionen. Diese Emotionen entstehen im Gehirn und werden von jenen Impulsen ausgelöst, die für Stimmungschwankungen verantwortlich sind, die den Ausdruck der Schrift und den Eindruck (den sie auf andere macht) verursachen. Das heißt, bin ich guter Laune schreibe ich anders als unter Stress, schreibe ich eine Urlaubs-Postkarte verhält sich meine Hand anders als bei einem Bewerbungsschreiben. Genau wie die Stimme, die vor Aufregung zittert, sich im Normalzustand aber ganz schön anhört, trägt die Handschrift das "innere Gefühl" nach außen.
Jede Handschrift hat ihren eigenen Duktus (Schreibart), dieser persönliche Stil kann unter professioneller Anleitung verbessert, darf aber nie "gebrochen" werden. Eine Handschrift darf ebenso wenig gezwungen werden anders zu sein, wie man auch eine Stimme nicht manipulieren darf. Der Schreibende wäre zutiefst verunsichert und die Schreibhand "verkrampft". Auch darf Handschrift niemals wie Kalligrafie behandelt werden. Schönschreiben ist ihr Tod. Schon die Absicht schön schreiben zu wollen, nimmt ihr jede Spontanität und Natürlichkeit! Handschrift soll spontan daherkommen, individuell und intuitiv. Das ist die Basis ihrer ästhetik. Bei aller angestrebter Verbesserung der Handschrift muß ihre Unverwechselbarkeit und Authentizität erhalten bleiben.
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