Scheinbehandlungen Gene beeinflussen den Placebo-Effekt

Manchen Patienten geht es schon nach einer Zuckerpille viel besser, anderen verschafft die Erwartungshaltung allein kaum Linderung. Der Grund könnte in den Genen liegen.

Ärzte rätseln schon länger, warum manche Menschen besonders sensibel auf Placebos reagieren. Warum wirken Scheinmedikamente bei ihnen eher als bei anderen Personen?

Ein US-amerikanisches Forscherteam legt nun im Fachblatt Plos One eine neue Erklärung vor. Die Mediziner konnten zeigen, dass Menschen, die gut auf Scheinbehandlungen ansprechen, eine besondere Version eines Gens namens COMT besitzen. Es spielt eine Rolle bei der Freisetzung von Dopamin. Frühere Studien hatten gezeigt, dass dieser Hirnbotenstoff den Placebo-Effekt begünstigt.

Die Wissenschaftler hatten insgesamt 104 Patienten mit Reizdarm-Syndrom untersucht. Einem Teil der Probanden verpasste ein sachlich auftretender Mediziner eine Schein-Akupunktur, bei der keine echten Nadeln gesetzt werden. Eine weitere Gruppe erhielt die gleiche Placebo-Akupunktur von einem besonders mitfühlenden und zugewandten Arzt. Eine dritte Gruppe bekam gar keine Behandlung.

Drei Wochen später wurden die Patienten nach der Stärke ihrer Beschwerden gefragt. Die Menschen mit der speziellen Gen-Variante fühlten sich nach der Scheinbehandlung deutlich besser als Menschen ohne die Variante. Am besten fühlten sich diejenigen unter ihnen, die neben der vorgetäuschten Akupunktur menschliche Zuwendung bekommen hatten. Die Teilnehmer ohne Behandlung spürten keine Linderung ihrer Symptome - unabhängig von ihren Genen.

Die Forscher betonten, dass Dopamin sicherlich nicht der einzige Botenstoff ist, der zum komplexen Placebo-Effekt beiträgt. Auch ist nicht klar, ob der Zusammenhang zwischen Gen und Sensibilität auch bei anderen Krankheiten gilt. Eines aber macht die Studie sehr deutlich: Wer anfällig für einen Placeboeffekt ist, braucht keinen Hokospokus, um sich besser zu fühlen - dazu reichen schon Trost und Mitgefühl vom Arzt.

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(Video: sde, Foto: dpa)