Mittlerweile drängt sich der Eindruck auf, dass der Kapitalismus gar nicht gesiegt, sondern nur überlebt hat - womöglich auch sich selbst. Sieger sehen anders aus.
Der Kapitalismus hat gesiegt. So sagt man, seitdem Kommunismus und Staatssozialismus weltweit gescheitert sind. Mittlerweile drängt sich aber der Eindruck auf, dass der Kapitalismus gar nicht gesiegt, sondern nur überlebt hat, womöglich auch sich selbst. Sieger sehen anders aus. Sie haben keine Panik, fallen nicht in Konkurs, rufen nicht nach Hilfe. Um sich zu retten, appellieren Großbanken und globale Investmentfirmen nach Subsidien der Instanz, deren Abwesenheit bisher als Kennzeichen des Systems gegolten hat: Sie brauchen den Staat.
Aktienhändler in Aufruhr: Wohin steuern die Börsen? (© Foto: AP)
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Die Finanzkrise - ein Fegefeuer des Kapitalismus
Die Form des Kapitalismus, die man "Turbo-Kapitalismus" genannt hat, widerlegt, zerlegt und besiegt sich gerade selbst. Der Turbo war die Gier. Und die Gierlehre, die eine Irrlehre war, behauptete, dass die gigantische Geldakkumulation an der Spitze nicht nur den Leuten an der Spitze, sondern, im Wege des Durchsickerns, auch den Armen helfe und so für Gerechtigkeit sorge. Auf diese Weise ließen sich auch Massenentlassungen rechtfertigen, weil ja der dadurch erzielte Profit theoretisch irgendwie und irgendwann auch den Entlassenen wieder zugutekommen werde. Die Theorie blieb aber Theorie. Die Praxis zeigt sich jetzt: Der Turbokapitalismus frisst seine Kinder, seine Künder und deren Derivate.
Wenn die bisherigen Protagonisten des völlig freien Markts jetzt nach Regulierung rufen, dann muss man dem nicht mit Häme begegnen. Man kann es als späte Einsicht, als Umkehr begrüßen - und als Aufforderung, gemeinsam Remedur zu schaffen. Die Welt erlebt derzeit ein Fegefeuer des Kapitalismus. Was kommt danach? Es wird ein geläuterter Kapitalismus sein müssen. Es gibt ihn schon, im kleinen Format, man kann seinen Erfolg studieren - er heißt soziale Marktwirtschaft. Diese soziale Marktwirtschaft hatte aber nur den Nationalstaat als Rahmen; darum geht ihr nun die Kraft aus.
Globalisierung ohne staatliche Ordnung
Überall da, wo in den nachfolgenden Sätzen ein "ist" steht, kann man deshalb ein "war" setzen. Also: Die soziale Marktwirtschaft, wie sie in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde, ist die erfolgreichste Wirtschafts- und Sozialordnung, die es in der Wirtschaftsgeschichte je gegeben hat. Sie ist nicht Kapitalismus pur, nicht Catch-as-catch-can-Ökonomie. Sie ist der erfolgreiche Versuch, Wettbewerb und soziale Gerechtigkeit auf einen Nenner zu bringen. Sie hat den Kapitalismus gebändigt.
Nur leider: Sie leistet dies immer weniger. Soziale Marktwirtschaft setzt einen handlungsfähigen Staat voraus, einen Staat, der die Ordnung des Wettbewerbs garantiert. Seitdem sich die Wirtschaft globalisiert, entzieht sie sich der ordnenden Hand - weil diese Hand eine nationale geblieben ist. Die Wirtschaft hat sich globalisiert, die staatliche Ordnung nicht. Die EU kümmert sich um Marktfreiheit, weniger um Marktordnung und Marktkontrolle; selbst der EU-Gerichtshof verkauft, wie die Deutsche Richterzeitung klagt, "Staat und Recht an den Wettbewerb".
Weltökonomie und Nationalstaaten treiben auseinander. Im Abgrund dazwischen liegen die Arbeitsplätze und die Zukunftshoffnungen der Menschen. Der "Mann der Arbeit", in Arbeiterliedern besungen, erkennt, wenn er "aufgewacht" ist, nicht mehr seine Macht, sondern seine Ohnmacht. Das Kapital dagegen hat, von Grenzen befreit, seine eigenen Märkte gefunden, setzt auf Gewinne durch Spekulation und Handel mit sich selbst. Indes: Wer ist Spekulant? Selbst die prüdesten Pensionsfonds stecken in dubiosen Devisengeschäften. Und jeder, der Geld anlegt, kann zum Mitspekulanten werden, weil die Komplexität der Geldanlagen, selbst derjenigen in der Bankfiliale an der Ecke, kaum jemand überblickt. Da hilft es nichts, dass man gern anständig bleiben möchte, wenn das System unanständig arbeitet.
Soziale Marktwirtschaft für die ganze Welt
Der klassische Kapitalismus reklamiert den Vorrang des Produktionsfaktors Kapital gegenüber dem Produktionsfaktor Mensch bei möglichst weitgehender Ausschaltung externer Kontrollen. Das widerspricht demokratischen Prinzipien. Ein geläuterter Kapitalismus muss demokratieverträglich sein. In der Demokratie gibt es, im Gegensatz zum Unternehmen, keine "überflüssigen" Menschen. Von dieser Erkenntnis ging die soziale Marktwirtschaft aus. Sie muss auf die höhere Ebene gehoben werden, es muss gelingen, die internationale Wirtschafts- und Finanzordnung so zu regeln, dass sie sozial verträglich wird. Es ist eine Herkules-Aufgabe. Sie richtet sich an die Vereinten Nationen, an die G-8 - und also an die Regierungen der Industriestaaten: Es geht um Verankerung eines Kernbestandes wettbewerbsrechtlicher Prinzipien, um internationale Bankenaufsicht, eine gemeinsame Zinspolitik, eine Spekulationssteuer. Es geht darum, der Anarchie der Märkte ein juristisches Koordinatensystem zu geben und es dann Stück für Stück durchzusetzen. Es braucht einen neuen contrat social.
Manche vergleichen den nackten Kapitalismus mit einem Krieg, einem Krieg gegen Arbeitsplätze unter anderem. Wenn man bei diesem Vergleich bleiben will: Die Weltgemeinschaft hat es zwar nicht vermocht, den Krieg abzuschaffen - aber immerhin, ihn einzuhegen, Regeln dafür aufzustellen, was im Krieg erlaubt ist und was nicht. Das muss auch für den Kapitalismus gelingen.
- Regeln für die Wirtschaft Spekulationen auf die Gerechtigkeit 18.09.2008
- Finanzkrise Der Kapitalismus lebt 17.09.2008
- KfW: Zwei Debakel Eine Versagerbank mit 37 Kontrolleuren 18.09.2008
- BayernLB verlierte weitere Millionen Im Lehman-Sog 18.09.2008
- Morgan Stanley verhandelt mit Wachovia Der nächste Dominostein fällt 18.09.2008
(SZ vom 19.09.2008/jkr)
Afrika droht neue humanitäre Katastrophe
Wegen der Aktualität hatte ich nicht vor, diesen wieder einmal excellenten Kommentar Artikel von Heribert Prantl zu kommentieren. Nachdem ich jedoch den sehr flach und von völlig irrealen Argumenten gespickten Kommentar eines Herrn Beise gelesen habe muss ich Stellung beziehen! Es zeigt sich nämlich, dass Prantls Kommentar zum Thema Weltökonomie durchaus zeitlos und damit immer aktuell ist. Einen weiteren Gedanken möchte ich in die Diskussion einbringen: Der Begriff Weltökonomie oder Globalisierung ist doch in Wahrheit ein von interessierter Seite erfundener Begriff um die Unternehmen aus ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung zu entlassen. Man braucht auf nationale Interessen keine Rücksicht zu nehmen - und kann es auch nicht, weil diese Interessen in jedem Land anders sind. Dies würde besondere Rücksichtnahmen erfordern, die gewisse Kreise jedoch nicht aufbringen können. Darüber kann auch die Tatsache, dass seit der Industrialisierung Deutschland immer ein " Global-Player" war. In weiten Teilen war aber Rücksichtnahme und Kenntnis der kulturellen Erfordernisse vor Ort ein Garant für den Erfolg unserer Unternehmen, neben der Fach-Kompetenz in den einzelnen Branchen. Während das Letztere sich weiter entwickelt hat, verliert das Erstere immer mehr an Boden, weil die Allgemeinbildung zu Gunsten der reinen Ökonomie an Boden verliert. Es gibt zahlreiche Beispiel - auch aus den USA - dafür. Es ist zwar richtig, dass die gegenwärtige Finanzkrise wohl die Größte seit 1929 ist, aber in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Krisen an den Finanzmärkten gegeben. Der Lerneffekt war dabei eher gering.
"Wollen sie hier einen Lohnsteuerbescheid ausfüllen?"
?????
"Mir ist klar das sie natürlich rein in wirtschaftlichen Dimensionen reden wollen. Oder wie auch immer, sie etwas wollen."
Hauptsache SIE wissen was sie wollen. Wenn sie's rausfinden dann lassen sie es mich/uns wissen...
Ich kann ihrem Mengenlehre-Abstraktions-Logikbeispiel nicht folgen. Wo kommt das C her?
"Denke mal das mir nicht mal die Musik in ihrem Lokal gefallen würde."
Was gibt es an Latin Jazz auszusetzen?
"Man lernt nie aus"
So ist es. Also weiter ueben, irgendwann kommt schon ein sinnvolll zusammenhaengender Kommentar raus.
Vielen Dank, Herr Prantl. Das war Analyse und Journalismus vom Feinsten. Zusammenhänge über in Medien jahrelang wiedergekäute Horizonte und Glaubensssätze hinaus aufgezeigt.
In der Tat, wir brauchen für ein globales System auch eine globale Sozialordnung genau wie eine innere Sozialordnung. Liberale Hobbies und Sandkastenspiele haben inzwischen genug und deutlich gezeigt, wohin die Reise geht. Man muss ein faules Ei nicht ganz aufessen, um zu wissen, dass es faul ist.
da zeichnet sich einfach ihr emotionaler Zustand aus.
Wollen sie hier einen Lohnsteuerbescheid ausfüllen?
Mir ist klar das sie natürlich rein in wirtschaftlichen Dimensionen reden wollen. Oder wie auch immer, sie etwas wollen.
Beispiel aus der Mengenlehre und die Fähigkeit der Abstraktion.
Implikation: Sind A und B Aussagen so bezeichnet aus A folgt B als wahre Aussage
wenn A wahr und B wahr
wenn A falsch und B falsch
wenn A falsch und B wahr
nur die Aussage A wahr und B falsch gilt als unwahre Folgerung. Sie können sich ja mit den nakten Fakten beschäftigen doch einfacher ist als Beispiel A als Auto zu setzen und der Folgerung B von vier Rädern
A Auto (wahr) B 4 4 Räder
B Motorrad (falsch) B 2 Räder (falsch)
C Quad (falsch) B 4 Räder (wahr)
so und nun ist es ganz einfach zu verstehen warum nur A wahr und B falsch nicht wahr sein kann.
Wie auch immer, ich verstehe warum sie mich nicht verstehen wollen oder können. Und danke, dass sie mich vor einem Bier mit ihnen verschonen. Denke mal das mir nicht mal die Musik in ihrem Lokal gefallen würde. Wenn sie es als Abwertung sehen, dann bitte tun sie es. Obwohl... es mich wirklich interessieren würde aus welchem Umfeld ihre Realitätskonstruktion resultiert. Man lernt nie aus
"Ihnen gehen die Argumente aus?"
Nicht wirklich, aber ich weiss nicht wie auf ihre emotionalen und weitgehend unzusammenhaengenden rants mit Argumenten atworten soll. Zum Beispiel:
"Und die Zombies die darin leben sind keine Menschen."
Was soll ich da antworten? Dass es keine Zombies gibt und Sie vermutlich zu viele Horrorfilme sehen?
Oder:
"...denn dann würde mir kurzweilig eine Sicherung durchbrennen und es wäre nich schön was dann passiert."
Was soll ich da antworten? Dass Gewalt keine Loesung ist und dass es bestimmt wieder besser wird, auch bei Ihnen?
Oder:
"...gegeelt in der Bank auf dicke Hose macht."
Was soll ich da antworten? Dass Haargel halt manchmal sein muss und immer noch besser als Haarspray ist?
Ich bin mir uebrigens sicher dass ich wohl mit Ihnen auch kein Bier trinken wollte.
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