Geld macht nicht glücklich: Heidemarie Schwermer löste vor 13 Jahren ihre Wohnung auf, kündigte die Versicherungen und verschenkte ihre Habe. Wie sie heute lebt.
Jede Woche füllen 15 Millionen Deutsche einen Lottoschein aus. Sie wollen reich werden. Davon versprechen sie sich die totale Freiheit, ein sorgloses und unbeschwertes Leben in Luxus. Sie hoffen, dass sich das Glück mit dem Geld einstellt. Nur Heidemarie Schwermer glaubt nicht daran.
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Heidemarie Schwermer lebt ihre Ideale und fühlt sich wohl. (© Foto: ddp)
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Die 68-jährige ehemalige Psychotherapeutin und Lehrerin sitzt auf der Terrasse ihrer Freundin Olga Hoch in Heitersheim bei Freiburg, blinzelt zufrieden in die Sonne und nippt an ihrem Kräutertee. Lottoträume gehen ihr völlig ab. Geld ist ihr geradezu eine Last: "In Dortmund habe ich 1994 einen Tauschring gegründet und schnell festgestellt, dass ich immer weniger Geld brauchte.
"Das kapitalistische System ist am Ende"
Daraufhin habe ich entschieden, ganz auf Geld zu verzichten. Ich habe meine Wohnung und meine Praxis aufgelöst, meinen Besitz verschenkt und bin aus meinen Versicherungen ausgetreten". Sie erzählt das so entspannt, als sei sie gerade von einer Kaffeefahrt heimgekehrt. "Die Leute denken immer, ich sei verrückt. Dabei ist die Welt verrückt. Das kapitalistische System ist doch am Ende."
Die weißhaarige Frau im schicken Seidenrock mit grüner Strickjacke, an der nur die Wollknubbel unter den Achseln verraten, dass sie zu oft getragen wird, glaubt, dass mit dem Geld die Gier kam: "Das Herz ist auf der Strecke geblieben". Ein Tauschhandel, in dem selbstlos gegeben und genommen werde, sei darum die Zukunft, ist Schwermer überzeugt: "Es wäre genug für alle da. Eine völlig andere Welt wäre möglich, aber einige nehmen sich zu viel".
Sich selbst empfindet sie nicht als arm. "Ich lebe in Fülle, weil ich nur das haben will, was ich wirklich brauche", sagt sie. Ihr Experiment, ohne Geld zu leben, dauert nun schon 13 Jahre. Dabei hat Schwermer erst einmal lernen müssen, nur das zu wollen, was sie wirklich braucht: einen Schlafplatz, Essen und etwas zum Anziehen. "Über meinen Tauschring ,Gib und Nimm', wo die Teilnehmer Materielles gegen Hilfsdienste tauschen, habe ich Leute kennengelernt, für die ich Arbeiten verrichten konnte und die mich dafür bei sich beherbergten", sagt Schwermer.
Verzicht zu üben, war nicht einfach
Sie hat Häuser, Kinder und Hunde gehütet, eine alte Frau betreut und danach ihre Schlafplätze organisiert. "Ich habe jede Nacht woanders geschlafen und mit Schlafproblemen zu kämpfen gehabt", sagt sie, "die musste ich mir schnell abgewöhnen." Verzicht zu üben, war für sie kein leichter Lernprozess. Sie musste beispielsweise Phasen mit wenig Essen überbrücken und sich an die Lebensweisen anderer Menschen anpassen. Trotzdem habe sie mehr gewonnen als verloren: "Egal, wo ich heute hinkomme, ich fühle mich wohl. Ich lebe volle Pulle meine Ideale."
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Armut unter den "kulturell Kreativen" neuerdings als cool gilt.
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Anti-Piraterie-Abkommen
es geht nicht um eine Welt ohne Geld, sondern um eine gerechte Verteilung und einen maßvollen Verbrauch der Resourcen. Wenn sich die Finanzkrise weiter ausbreitet, werden wieder die-Gürtel-enger-schnallen Parolen verbreitet werden. In diesem Wirtschaftssystem kann man nicht einfach weniger verbrauchen, ohne eine Krise zu verursachen. Wir leben als Exportweltmeister schon jetzt weit unter unseren Verhältnissen. Wir verbrauchen zu wenig, dadurch stagniert die Binnenwirtschaft von der immer noch 2/3 der Arbeitsplätze abhängen. Hauptgrund sind die geringen Lohnsteigerungen und der Niedriglohnsektor. Frau Schwermer könnte bald zum Normalfall werden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde auch die Binnenkonjunktur ankurbeln. Die Grund-Bezieher müssen fast alles, was sie bekommen auch ausgeben. Arbeitnehmer und Rentner sind eben nicht nur Kostenfaktoren sondern auch Käufer, Autos kaufen keine Autos.
Leben ganz ohne Geld wäre mir (heute noch) etwas zu radikal, aber ein erster Schritt zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen wäre die Idee mit den kommunizierenden Röhren. Man müßte die Geldkonten zu einem System kommunizierender Röhren zusammenfassen und so würde es einen kontinuierlichen Ausgleich geben.
Beschrieben zB bei giregio de
s. die Präsentation
"Sie wollen ihre Empörung über die ungerechte Welt unterbringen und dabei ist jeder(!?) recht. Sie betreiben unangemessene Wortklauberei.""Daher entschuldigen Sie, Ihnen geht darum ihren(!?) Ärger und ihre Ansichten unter das Volk zu bringen, aber nicht um die Ehre und Würde armer Menschen, sonst hätten sie weitaus konstruktiver diskutiert"
Hört, hört! Da scheint sich jemand als Hobby-Psychoanalytiker inszenieren zu wollen. Mich als Sündenbockjäger zu stilisieren ist witzig (ich musste tatsächlich schmunzeln), allerdings ist ihnen meine Persönlichkeitsanalyse nur un-zureichend gelungen. Ich mache soweit ich das für mich erkenne, hier keinen Menschen für ein Gesellschaftssystem verantwortlich, das sowohl Armut als auch Luxus erschafft. Ich will lediglich darauf aufmerksam machen, dass mit Begriffen wie "coole Armut" oder "kulturell Kreativen" hantiert wird, als gäbe es keinen Zusammenhang zwischen real-existierenden wirtschaftlichen Entwicklungen, den entsprechenden gesellschaftlichen Konsequenzen, wie z.B. ARMUT. Wenn in der aktuellen wirtschaftlichen Phase -bei der z.B. den US-Mittelschichten ihr Haus hopps geht und jene vor einem Schuldenberg sitzen- von Kreativität und cooler Armut gesprochen wird, so denke ich, dass die mir -von Ihnen- attestierte "künstliche Aufregung" vollkommen legitim ist.
Schlussendlich will ich hier auch noch lobend anmerken, dass Sie sicherlich heute schon ein weit aus besserer/heiligerer Mensch sind als ich es je werden kann, da sie bereits heute gütlich Verzicht üben, zum Wohl der Menschheit. Doch sollte Sie -wenn wir uns hier schon persönlich analysieren wollen- ihre Denk-Genügsamkeit- nicht allen Menschen aufoktruieren, auch wenn durch ihren Verzicht tatsächlich mehr für andere übrig bleiben sollte.
Zur Versöhnung will ich ihr Statement zur Rettung der Welt noch einmal hervorheben: "Diese Menschen suchen Wegen nicht die eigene Gier zu zähmen" natürlich ist dies der einzig wahre Weg ist und nicht so destruktiv ist wie meine persönliche vollkommen irre Sündenbockjagd.. Mit freundlichen Grüssen, ihre Patient.
@Griondelle
danke für die Präzisierung der Angaben, im Kern ging es darum, daß das bedingslose Grundeinkommen keineswegs eine Phantasiegeburt von Leuten ist, die nicht rechnen können. Die Finanzierung ist wahrscheinlich nicht einmal das Hauptproblem. Eher ist es die Macht der Konzerne, die die Existenzangst als Peitsche für ein Heer billiger Arbeitskräfte missbrauchen. Die Endausbeutung von Mensch und Natur verhindert nachhaltiges Wirtschaften.
@PreisingK
ich stimme Ihrem Beitrag voll zu, ein weiteres ideologisches Hindernis ist die irrige Vorstellung, dass mit einem Grundeinkommen niemand mehr arbeitet und daher alles zusammenbricht.
@PreisingK
Das bedingungslose Grundeinkommen wäre allenfalls in Anlehnung an den Vorschlag von Dieter Althaus im Kostenrahmen der bisherigen Sozialtransfers zu finanzieren. Nach diesem Modell sollen Erwachsene 800,00 Euro monatlich und Kinder 500,00 Euro monatlich erhalten. Davon wird dann aber jeweils noch eine Kopfpauschale von 200,00 Euro für die Krankenversicherung abgezogen. Bereits zusätzliche Leistungen für Kosten der Unterkunft würden den obigen Kostenrahmen sprengen. Um dieses Modell ohne erhebliche Mehrkosten umzusetzen müssten zudem alle Renten und ALG-I-Ansprüche, die das Grundeinkommen übersteigen, auf dessen Niveau heruntergekürzt werden, oder die Kosten würden gegenüber dem jetzigen System steigen. Das wäre aber weder politisch durchsetzbar noch, zumindest bezüglich der Renten, mit dem GG vereinbar. Deshalb will Althaus auch zusätzliche Renten zahlen, aber das führt eben zu entsprechenden Zusatzausgaben.
@chomski 11:16 Uhr
Ich nehme an Sie beziehen sich mit den 8 Mio. Menschen, die Transferleistungen erhalten, überwiegend auf Bezieher von SGB-II-Leistungen. Dabei müssen Sie aber sehen, dass in diesem Rahmen nur Alleinstehende in einer Stadt mit recht hohen Mieten 750,00 Euro pro Kopf erhalten können, wenn sie kein anrechenbares Einkommen haben. Bei einem Mehrpersonenhaushalt liegt die Summe pro Kopf deutlich niedriger, noch mehr gilt dies natürlich dann, wenn zwar ein Verdienst vorhanden ist, dieser aber nicht ausreicht und daher nach dem SGB II aufgestockt wird.
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