Verdacht der Marktmanipulation Aufsicht ermittelt bei Amitelo

Der Entry Standard, das Einstiegssegment der Frankfurter Börse, steht vor dem ersten handfesten Skandal: Bei dem Unternehmen Amitelo sollen die meisten Erfolgsmeldungen erfunden gewesen sein.

Der Entry Standard, das neue Einstiegssegment der Deutschen Börse, hat womöglich seinen ersten handfesten Skandal: Nach Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 sollen bei Amitelo, einem Schweizer Anbieter von Internettelefonie, die meisten Erfolgsmeldungen erfunden gewesen sein.

Headset für die Internet-Telefonie: Der Anbieter Amitelo sieht sich dem Verdacht der Marktmanipulation ausgesetzt.

(Foto: Foto: ddp)

Die Reporter des Magazins wollen herausgefunden haben, dass die Firmenzentrale in Zürich ,,seit einem halben Jahr oder länger'' verwaist ist.

Auch in Nordafrika, wo Amitelo nach eigenen Angaben zuletzt hohe Umsätze erzielt hat, hätten die Journalisten angeblich nichts außer dem Firmenschild vorgefunden.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe brach die Aktie von Amitelo am Mittwoch um mehr als 60 Prozent ein. Das Papier, das seit Oktober 2005 im Entry Standard in Frankfurt notiert ist, kostete am Mittwochnachmittag noch 0,39 Euro.

Vorwürfe zurück gewiesen

Bei Amitelo wies man die Vorwürfe zurück. ,,Die angeblichen Fakten über die Amitelo AG sind schlecht recherchiert und haben zu einer tendenziösen, in der Sache substanzlosen Berichterstattung geführt'', sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Zuvor habe man den für den Bericht verantwortlichen ZDF-Redakteur zu einem Informationsgespräch eingeladen, was dieser aber abgelehnt habe, teilte die Firma weiter mit. Gegen den Journalisten würden ,,rechtliche Schritte straf- und zivilrechtlicher Art geprüft''.

Auch im Visier der Bafin

Ob die Vorwürfe stimmen, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Tatsache ist jedoch, dass auch die Finanzaufsicht Bafin Amitelo seit einiger Zeit im Visier hat. ,,Aufgrund verschiedener Informationen zur Gesellschaft führen wir eine förmliche Untersuchung wegen des Verdachts der Marktmanipulation mit Aktien der Amitelo AG durch'', sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Wann die Untersuchung beendet sei, lasse sich noch nicht sagen.

Die Sache weckt Erinnerungen an den Fall Comroad. Das war der wohl größte Skandal am Neuen Markt, dem früheren Wachstumssegment der Deutschen Börse.

Bei dem Telematikunternehmen hatte sich Anfang 2000 herausgestellt, dass die regelmäßig verkündeten Erfolgsmeldungen fast komplett erfunden waren.

Comroad-Gründer Bodo Schnabel wurde später vom Landgericht München wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nicht zuletzt diese Geschichte beschädigte das Image des Neuen Marktes so stark, dass sich die Deutsche Börse dafür entschied, das einst gefeierte Segment im Jahr 2003 wieder zu schließen.

Geringe formale Pflichten

Doch da man bei der Börse den Bedarf an einem Einstiegssegment für kleinere und mittlere Firmen sah, startete im Oktober 2005 der Entry Standard, der nur geringe formale Pflichten für eine Börsennotiz vorsieht.

So müssen die dort notierten Unternehmen zum Beispiel keine Quartalsberichte veröffentlichen. Der Entry Standard sei nicht als Nachfolgesegment des stark regulierten Neuen Marktes gedacht gewesen, hatte Rainer Riess, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse, kürzlich im SZ-Interview betont. Das neue Wachstumssegment richte sich in erster Linie an qualifizierte Anleger.

Das sieht man bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) offenbar ähnlich. ,,Wenn sich die Sache jetzt wirklich als Betrugsfall herausstellen sollte, ist das zwar ein Riesenwarnsignal an die Aktionäre'', sagt Marc Tüngler von der DSW.

,,Es zeigt, dass die Anleger sich die Unternehmen noch sehr viel genauer ansehen müssen, in die sie investieren.'' Doch schärfere Regeln für das junge Segment fordert er nicht. ,,Betrug an der Börse lässt sich nicht generell verhindern'', sagt der Aktionärsschützer. ,,Wichtig ist aber, dass er konsequent aufgedeckt und verfolgt wird.''