Ein Kommentar von Catherine Hoffmann

Kein absurdes Szenario: Erst machen die Notenbanken Verbindlichkeiten zu Geld, dann entschulden sie sich über die Inflation. Doch das wäre traumatisch.

Das Jubiläum ist ein Freudentag, aber was für einer, das ist in Vergessenheit geraten. Während wir heute bei Jubiläen an Geburtstage von Königen oder Kollegen denken, ist im Alten Testament etwas ganz anderes gemeint: der generelle Erlass aller Schulden und die Freilassung der Sklaven, im Rhythmus von 50 Jahren.

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Noch steht die Dollarnote für einen Wert. Dieser sollte durch die Konjunkturprogramme der Regierung nicht unterhöhlt werden. (© Foto: Reuters)

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"Erklärt dieses 50. Jahr für heilig, und ruft Freiheit für alle Bewohner des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr", heißt es im Buch Levitikus.

Solche Ideen mögen uns utopisch vorkommen. Wie kann eine Gesellschaft funktionieren, in der zwei Mal im Jahrhundert jegliche Schuld gestrichen wird?

Doch die Geschichte zeigt, dass ein allgemeiner Schuldenerlass immer wieder vorkam. Dabei muss man gar nicht bis in biblische Zeiten zurückgehen, es reicht das vergangene Jahrhundert.

Vertrauen in die Republik unterhöhlt

So zog der US-Historiker Gerald Feldman Parallelen zwischen dem "Jubeljahr" und der Hyperinflation im Deutschland der 20er Jahre, die in eine Währungsreform mündete. Damit waren auf einen Schlag sämtliche Staatsanleihen - die Schulden der Regierung - wertlos. Wer sie besaß, hatte keinen Grund zu jubeln. Die Hyperinflation von 1923 vernichtete die Sparguthaben der kleinen Leute und unterhöhlte das Vertrauen in die Republik.

Heute gibt es wahrscheinlich nicht wenige Menschen, die sich ein biblisches "Jubeljahr" wünschen, damit die Schuldenexzesse der vergangenen Jahre ausgelöscht werden.

Viele Finanzinstitute haben sich an faulen Schulden überfressen - und so die Kreditkrise verursacht, die Anleger so böse überraschte. Bankenpleiten, Rettungspakete, Konjunktureinbrüche, Kursabstürze an der Börse: Die meisten hätten sich das vor einem Jahr nicht vorstellen können.

Um Verluste zu vermeiden, kauften die Ängstlichen deutsche Bundesanleihen und amerikanische Schatzwechsel, nur sicher sollte das Geld sein. Historisch niedrige, ja negative Renditen wurden hingenommen, um dem Krisenkraken zu entfliehen.

Aber was wäre, wenn sich ausgerechnet Staatspapiere als die gefährlichste Investition herausstellten, die man machen kann?

Spendabler Staat

Grund für diese bange Frage gibt es. Die Politiker werden immer kühner, wenn es darum geht, Banken, Unternehmen, ja ganze Länder vor der Pleite zu bewahren. Aus Furcht vor einer tiefen Depression lassen sie nichts unversucht, um der schwerkranken Konjunktur Leben einzuhauchen. Ein immer größer werdender Teil der Wirtschaft ist in der Hand von Regierungen. Und weil Familien und Firmen immer knauseriger werden, zeigt sich der Staat spendabel.

Um das nötige Kapital für ihre Wohltaten aufzubringen, verkauft die US-Regierung Staatsanleihen. Noch werden sie begeistert aufgenommen. Schließlich sind die staatlichen Schuldscheine durch das ungeheure Bruttoinlandsprodukt des Landes gedeckt.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum es fatal wäre, wenn der Staat seine Schatzbriefe direkt an die Notenbank verkaufen würde.

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