Nur noch wenige glaubten an das Großprojekt - nun ist plötzlich die Finanzierung gesichert, und der künftige Bahnhof kommt unter die Erde.
Vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof stehen seit ein paar Wochen große blaue Maschinen, mit denen ein Bohrkopf in die Erde gedreht wird. Es handelt sich um die Umsetzung der Richtlinien des Planfeststellungsbeschlusses 1.1. Man kann auch einfach sagen, dass hier der Untergrund untersucht wird, die Lage und Menge des Grundwassers. Die Bohrungen sind in Stuttgart nicht weiter aufgefallen, weil seit Jahren viel gebohrt, geplant und diskutiert wird.
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Hunderte Millionen Euro wurden bereits ausgegeben, ohne dass man einen entscheidenden Schritt vorangekommen wäre. Und in Stuttgart glaubten auch nur noch wenige an das Vorhaben, den Bahnhof unter die Erde zu legen und eine Schnellbahnstrecke nach Ulm zu bauen. Ein Projekt das mittlerweile "Das neue Herz Europas" heißt, das aber alle weiterhin "Stuttgart 21" nennen.
Der Name klang einst nach Zukunft, doch diese Zukunft schien fast schon Vergangenheit zu sein. Anfang der neunziger Jahre kamen Verkehrsplaner auf eine Idee: Die großen Gleisflächen in den deutschen Innenstädten sollten einfach unter die Erde gelegt, die frei werdenden Flächen an Investoren verkauft werden. Die Bahn finanziert mit dem Geld den unterirdischen Bahnhof. Die Bürger der Metropolen bekommen mehr Platz für Wohnungen und Parks. Es kostet den Steuerzahler fast nichts. Und alle sind glücklich. Es gab Pläne für "Frankfurt 21", "München 21" und andere Städte. Geblieben ist "Stuttgart 21" und die Erkenntnis, dass all das nicht umsonst zu haben ist.
10.000 Arbeitsplätze erwartet
Jahrzehntelang wurde gefeilscht, wer welchen Teil der Kosten von mindestens 5,1 Milliarden Euro übernimmt und auch darüber gestritten, ob die Bohrungen nicht das Stuttgarter Mineralwasser im Untergrund gefährden. Sechs Bundesverkehrsminister und drei Bahn-Chefs beschäftigten sich mit dem Projekt, das am Donnerstag schließlich unterzeichnet wurde, zu einem Zeitpunkt, als es kaum jemand mehr für möglich hielt. In den vergangenen Tagen waren sich Bund, Bahn und Land zwar fast einig geworden über die Finanzierung. Dann kam aber der Rücktritt von Hartmut Mehdorn, einem Befürworter des Projekts, der erst einmal wie ein herber Rückschlag wirkte.
Das Gegenteil war der Fall. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), ein an Erfolgen nicht sonderlich reicher Mann, wollte wohl auch einmal wieder eine gute Nachricht verkünden. Außerdem fährt er nächste Woche in den Urlaub. Also traf man sich am Donnerstag kurzfristig zur Unterschrift. So banal kann es manchmal sein. "Oettinger und Tiefensee sitzt die Angst im Nacken, dass der neue Bahn-Chef Stuttgart 21 erneut prüft und sich gegen das Milliardengrab entscheidet", mutmaßt Brigitte Dahlbender vom Umweltverband BUND. So oft fällt am Donnerstag das Wort "Konjunkturprogramm", dass klar wird, auch die Wirtschaftskrise hat den Abschluss erleichtert. Etwa 10.000 direkte Arbeitsplätze verspricht man sich.
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- Stuttgart 21 In acht Minuten am Flughafen 02.04.2009
- Bahnhofausbau in Stuttgart Der Diskussions-Bahnhof 29.01.2009
Die Kölner haben es gezeigt:
Wertvolle Gebäude versinken in U-Bahn-Baustellen !!!!
Unsere Journalisten sollten einmal die Historie von Stuttgart studieren :
Der Talkessel von Stuttgart galt lange als unbewohnbar. Lediglich die
damaligen Landesherren hatten den Mut, sich in einem Sumpfgebiet anzusiedeln.
Deshalb stehen viele Gebäude wegen des problematischen Untergrunds
deshalb auf Pfählen. Früher waren dies Eichenpfähle, heutzutage nimmt man
Beton. Eichenholz hat die Eigenschaft, unter Luftabschluss, also im Wasser
hart wie Eisen zu werden und auch zu bleiben. Wird der Grundwasserstand jedoch
abgesenkt und das Eichenholz ist nicht mehr durch Wasser gegen den zerstörerischen Sauerstoff geschützt, dann verliert dieses Holz seine Tragfähigkeit.
Das Bahnhofsgebäude, der Hindenburgbau und viele andere Gebäude im Zuge der Königstraße sind also durch die Bauarbeiten hochgradig gefährdet.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auch mit einer negativen Beeinflussung der Cannstatter Mineralquellen zu rechnen. Angeblich ist der genaue Verlauf der Quellen nicht feststellbar aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese unter dem Talkessel Stuttgarts verlaufen ist sehr hoch.
Ein münchner Architektur Büro hat für diesen Bau die Kosten weit höher errechnet. Was von der Landesregierung als Unhaltbar abgewiesen wurde.
Der Bundesrechnungshof kam bei einer Neuberechnung - durch steigende Baukosten, Materialkosten ebenfalls auf einen weit höheren Betrag, als die Landesregierung. Die sich von dieser "Aktion" des Bundesrechnungshofs dupiert zeigte und es als wenig hilfreich nannte, das solche Zahlen veröffentlicht werden...
Es stellt sich wirklich die Frage ob man hier nicht auch einmal die Konten der Entscheidungsträger und den Emailverkehr untersuchen sollte. Welche Gelder flossen hier schon, das gegen die Bürger und den gesunden Menschenverstand entschieden wird?
sorry "... gar nichts im Artikel." muss es richtigerweise heißen.
"nun ist plötzlich die Finanzierung gesichert,"
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Herr Dörries - wieso lese ich genau darüber, inwiefern die Finanzierung gesichert ist, nichts, aber auch rein gar nichts über die Finanzierung???
Schon wieder wird so getan, als ob die Gegner dieses Projektes versprengte Irre wären, die sich vor Veränderungen fürchten.
"Sie wollen den Kopfbahnhof restaurieren lassen - billiger und schöner sei das." Ja Herr Dörries. So einfach kann man es sich machen und sich einfach der Ignoranz der Befürworter anschließen. Haben Sie sich denn mal die Argumente der Gegner angeschaut?
Stuttgart 21 wird einen modernen Fahrplan mit einem integrierten Taktfahrplan auf ewig verbauen, weil so etwas mit den acht Gleisen schlicht nicht leistbar ist. Überall werden steigende Verkehrsleistungen prognostiziert, auch im Personenverkehr. Nur bei Stuttgart 21 soll es gehen, deutlich an Infrastruktur rückzubauen und damit mehr zu leisten.
Bis heute liegt kein belastbares Betriebskonzept vor, geschweige denn ein grober Zielfahrplan. Außerdem ist absehbar, dass der Tiefbahnhof zum Nadelöhr wird. Erst mal bauen, dann sehen wir schon, oder wie?
Für mich ist das reiner Gefälligkeitsjournalismus. Und einer der Gründe weshalb ich die SZ schon lange nicht mehr abonniere, sondern nur noch gelegentlich am Kiosk erwerbe.
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