Steuerflucht Steuermoral - global

Ein guter Freund Sarkozys und bekennender Steuerflüchtling: Rockstar Johnny Hallyday.

(Foto: Foto: AFP)

Großbritannien: Petzen bei Ihrer Majestät

In der britischen Gesellschaft gibt es einen unschönen Charakterzug: Ihre Mitglieder neigen zur Denunziation. Nachbarn würden einander lieber nicht ins Gesicht sagen, was sie stört; sie schreiben lieber einen Brief an den Gemeinderat.

Und Eltern würden einen schlechten Lehrer nicht persönlich zur Rede stellen, sondern ihn lieber beim Direktor anschwärzen. Zu den Behörden, die diese Vorliebe für das Petzen nutzen, gehört auch das Finanzamt.

Ob Hotline oder Online - die Steuerbehörden bieten zahlreiche Denunzierungsmöglichkeiten für alle, die den Nachbarn oder Kollegen verdächtigen, dem Staat seinen Obolus zu verweigern. "Keine Information, wie trivial sie auch erscheinen mag, ist zu klein", wirbt Her Majesty's Revenue and Customs in Rundfunk und Fernsehen um die Mithilfe der Bürger. Auch anonymen Hinweisen gehe man gerne nach.

Die Finanzbehörden behaupten, dass sie jedes Jahr 70 bis 100 Millionen Pfund an hinterzogenen Steuern eintreiben. Viel ist das nicht, wenn man bedenkt, dass britische Investoren schätzungsweise zehn Milliarden Pfund auf ausländischen Konten in Sicherheit gebracht haben. Die Bereitschaft zum Steuerbetrug ist nach Ansicht von Experten im selben Maße gewachsen, wie sich die Steuerbelastung erhöht hat. Was brave britische Steuerzahler freilich mehr aufbringt, ist die Tatsache, dass ihr Land ein Steuerparadies für reiche Ausländer geworden ist. Bis heute gilt eine Regel, die zur Zeit der napoleonischen Kriege eingeführt wurde und Ausländer nur dazu verpflichtet, ihr eingeführtes Vermögen zu versteuern. Milliarden, die im Ausland lagern, interessieren den Fiskus nicht.

Kürzlich stufte der Internationale Währungsfonds das Königreich als "Offshore-Finanzzentrum" ein - mithin eine Art von Liechtenstein im Meer.

Hinzu kommt, dass Großbritannien mit den Kanalinseln oder der Isle of Man weitere Paradiese für undurchsichtige Finanzmanöver im Angebot hat. Als die norwegische Regierung im vergangenen Sommer eine globale Koalition gegen international operierende Steuersünder schmiedete, wurde London gar nicht erst zur Teilnahme eingeladen.

Den Fiskus zu prellen, ist im WM-Land Italien Volkssport Nummer eins...