Zeitgleich wurde US-Finanzminister Henry Paulson, früher Chef der Investmentbank Goldman Sachs, zum unfreiwilligen Nachfolger von John Maynard Keynes: Er machte immer neue Schulden, um Banken zu retten, Häuslebauern aus der Klemme zu helfen und die eingebrochene private Nachfrage durch staatliche Investitionen zu ersetzen.

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Noch bevor Barack Obama neuer Präsident der USA wird und sein 800-Milliarden-Dollar-Konjunkturversprechen realisieren kann, schnellte das Staatsdefizit der USA im vergangenen Jahr auf schätzungsweise 12,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts - im Euroraum sind nicht mehr als drei Prozent zulässig.

De facto übernimmt also der amerikanische Staat, der schon vor der Krise der größte Schuldner aller Zeiten war, den privaten Schuldenberg. Die Kredite, Investments und Garantien von Fed und US-Finanzministerium summieren sich seit dem Sommer 2007 auf 8500 Milliarden Dollar - das entspricht 58 Prozent der US-Wirtschaftsleistung. Um all ihre Wohltaten zu finanzieren, müssen die USA im nächsten Jahr Anleihen im Wert von 2200 Milliarden Dollar herausgeben.

Der Staat hat jede Menge Möglichkeiten

Aber wie viel Schulden kann ein Land machen, bevor es keinen Kredit mehr bekommt? "Ich sehe im Moment keine großen Probleme, zumal der Staat etwas bietet, was andere nicht bieten: Sicherheit", sagt Bernhard Gräf, Ökonom der Deutschen Bank.

Bislang reißen die Investoren der US-Regierung die Anleihen aus der Hand. Die Renditen sind deshalb auf historische Tiefstände gefallen, neue Kredite entsprechend günstig.

Wie sehr sich ein Land verschulden kann, zeigt das Beispiel Japan. Seine Staatsverschuldung verdreifachte sich seit 1991 auf zuletzt 173 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In den USA liegt die Quote erst bei 73 Prozent. "Bald werden es über 90 Prozent sein", glaubt Gräf, "aber das ist noch kein kritisches Niveau."

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Landesbank Bremen, zweifelt allerdings, ob die Minirenditen am Anleihemarkt die wahre Lage widerspiegeln: "Das Preisniveau am Rentenmarkt drückt nicht das Resultat nüchterner Überlegungen zur Budgetlage der USA aus." Die Fed habe ja bereits angekündigt, am Rentenmarkt eingreifen und die Renditen nötigenfalls deckeln zu wollen.

Hoffen auf die Inflation

"Es läuft darauf hinaus, dass sich der Staat verschuldet und die Fed seine Anleihen kauft", sagt der Ökonom. Aber solange die Kapitalanleger gelassen auf solches Ansinnen reagierten statt mit Misstrauen, werde es die Rentenmärkte nicht nennenswert destabilisieren.

Was aber geschieht, wenn Zweifel aufkommen, ob all die Schulden auch zurückgezahlt werden? Die Geschichte lehrt, dass Staaten jede Menge Möglichkeiten haben, sich ihrer Schulden zu entledigen - die beliebtesten: Einstellung aller Zahlungen, Pleite, Inflation oder Währungsreform.

"Der klassische Weg aus der Schuldenfalle ist es, die Inflation zu beleben und damit den Abwertungsprozess des Dollars zu forcieren", sagt Hellmeyer. Die Schulden werden zwar zurückgezahlt - nur ist das Geld dann weniger wert als heute.

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(SZ vom 02.01.2009/pak)