Die schwache US-Währung treibt die Rohstoffpreise auf Rekordhoch: Die Preise für Benzin und Diesel ziehen weiter an, als Folge legen auch die Transportkosten für Lebensmittel zu.
Der Verfall der US-Währung heizt die Hausse an den Rohstoffmärkten zusätzlich an. Nachdem der Eurokurs am Mittwoch zum ersten Mal die Marke von 1,50 Dollar durchbrochen hat, erreichten die Notierungen vieler Bodenschätze ebenfalls neue Rekorde. Rohöl war mit 102,08 Dollar so teuer wie noch nie. Gold kam der 1000-Dollar-Grenze mit 965,50 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) näher als je zuvor. Zugleich zogen die Preise für Platin, Palladium, Silber und Industriemetalle wie Kupfer oder Aluminium deutlich an. Auch die Aktiennotierungen vieler Bergbaukonzerne legten zu.
Anzeige
Die Rohstoffbranche ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig abhängig von der US-Währung. Alle wichtigen Energierohstoffe, Metalle und Erze werden im internationalen Handel in Dollar abgerechnet. Verliert die Leitwährung im Vergleich zu anderen wichtigen Devisen wie dem Euro an Wert, steigen in der Regel die Rohstoffnotierungen.
So können die Erzeuger den durch den schwachen Dollar verursachten Wertverlust ausgleichen. Verstärkt wird dieser Trend seit sieben Jahren durch die weltweit steigende Nachfrage nach Rohstoffen, die die Preise ebenfalls nach oben treibt. Vor allem aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China und Indien haben einen wachsenden Bedarf für den Ausbau ihrer Infrastruktur und die boomende Industrie.
Seit der Einführung der Euro-Währung vor neun Jahren hat die US-Währung unter dem Strich deutlich an Wert verloren. Den Preisschub an den Rohstoffmärkten bekommen deshalb die Abnehmer und Verbraucher in den Vereinigten Staaten am deutlichsten zu spüren. Das gilt auch für Länder, deren Zahlungsmittel an den Dollar gekoppelt sind. In der Eurozone wurden die gestiegenen Rohstoffkosten dagegen in den vergangenen Jahren durch den Währungseffekt abgefedert.
Nach Berechnungen der Süddeutschen Zeitung verteuerte sich Rohöl in Euro gerechnet seit 1999 um 540 Prozent - in Dollar lag der Zuwachs dagegen deutlich höher, bei 720 Prozent. Während der Goldkurs in Euro nur um 160 Prozent zulegte, lag das Plus in Dollar gerechnet bei 233 Prozent. In ähnlichem Umfang entwickelte sich auch das Preisgefüge im Agrarsektor. Für Abnehmer in den USA wurde Weizen seit 1999 um 285 Prozent teurer. In Euroland stieg der Getreidepreis hingegen um 200 Prozent.
Viele Verbraucher hierzulande dürfte das jedoch kaum trösten. Vor allem Autofahrer stöhnen über hohe Benzin- und Dieselpreise. Das Rekordhoch bei Rohöl treibt auch die Preise an den Zapfsäulen nach oben. Ein Liter Benzin kostete am Mittwoch nach Angaben des Branchenverbands der Mineralölwirtschaft (MWV) im bundesweiten Durchschnitt 1,42 Euro. Diesel lag bei 1,32 Euro je Liter. Damit nähern sich die Treibstoffpreise wieder der Rekordmarke, die im vergangenen Herbst bei 1,46 Euro für Benzin und 1,35 Euro für Diesel erreicht wurden. Am wichtigsten Umschlagplatz in Europa, in Rotterdam, erreichten die Einkaufspreise bereits neue Höchststände. Eine Tonne Benzin kostete nach Angaben des MWV am Mittwoch 890 Dollar je Tonne, Diesel lag bei 936 Dollar.
Lebensmittelpreise ziehen an
Im vergangenen Jahr haben in Deutschland auch die Lebensmittelpreise deutlich angezogen. Verbraucher mussten für Nahrung im Schnitt 2,7 Prozent mehr ausgeben als noch im Jahr davor. Grund dafür waren zum einen die steigenden Preise für Getreide, Milch und andere Grundnahrungsmittel, aber auch höhere Verarbeitungskosten. In diesem Jahr rechnen viele Experten mit einem Anstieg in ähnlicher Größenordnung. Der hohe Ölpreis verteuert vor allem auch die Lebensmittel, die eine lange Reise hinter sich haben, bevor sie in deutschen Ladenregalen landen, wie etwa Ananas oder Mango, die aus Südamerika oder Afrika eingeflogen werden.
Der schwache Dollar hat jedoch auch seine Vorteile für deutsche Verbraucher. Wer beispielsweise seinen Urlaub in Dollar-Ländern plant, bekommt mehr Dollar-Scheine für den Euro und kann damit auch mehr ausgeben (siehe Artikel unten). Auch wer zu Hause bleibt, kann profitieren: Importware könnte billiger werden - sofern der Handel dies an den Verbraucher weitergibt.
Die Kehrseite der Medaille: Für die Industrie im Euro-Raum kann sich ein teurer Euro belastend auswirken. Die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) rechnet in diesem Jahr mit einem weiteren Rückgang der deutschen Exporte in die USA. Bereits 2007 seien die Ausfuhren in die weltgrößte Volkswirtschaft um sechs Prozent auf 73,5 Milliarden Euro gesunken. Die Vereinigten Staaten sind nach Frankreich der größte Abnehmer deutscher Produkte.
(SZ vom 28.02.2008/mel)
Eurovision Song Contest
Und bisher wurde doch immer behauptet, dass der hohe Euro den Export nicht beeinträchtigen würde. Sollte man doch langsam gemerkt haben, warum Airbus von Deutschland nach Amerika umgezogen ist, wo die Arbeitskräfte jetzt billiger sind? Inzwischen sind die US-Exportziffern für das letzte Jahr um sage und schreibe 25% (fünfundzwanzig Prozent!) gestiegen.
Wir sollten den Kauf von Exoten nur in Ausnahmefällen tätigen. Eigentlich tragen wir doch alle unser Schärflein dazu bei, dass die Preise -egal wo- explodieren.
Der 100WorteReporter.de bleibt -in der Regel- beim heimischen Obst. (!)
Aber anders gefragt: Wen stört es denn wirklich?
Unsere "Superwährung lässt sich nicht aufhalten".
"Ein starker Euro ist kein Problem."
"Importware könnte billiger werden." (wie wir jeden Tag sehen)
"In der Eurozone wurden die gestiegenen Rohstoffkosten dagegen in den vergangenen Jahren durch den Währungseffekt abgefedert." (Deswegen ist in Amerika Benzin teuer und hier billig, wie wir alle wissen)
"Der schwache Dollar hat jedoch auch seine Vorteile für deutsche Verbraucher. Wer seinen Urlaub in Dollar-Ländern plant, bekommt mehr Dollar-Scheine für den Euro."
(Subprime gucken gehen unter der Sonne Kaliforniens - endlich können wir den schnöseligen Amis mal zeigen, dass deutsche Knochenarbeit was bringt)
Ananas werden zugegebenermassen teurer. Das macht mir Sorgen. Der Konsum fluguntauglicher deutscher Äpfel wird allerdings 2008 zum Wachstumsmotor.