Robert Geiss Da lacht der Millionär

Das TV-Millionärspaar Robert und Carmen Geiss.

(Foto: dpa)
  • Robert Geiss wirbt in ganzseitigen Anzeigen in der Bild-Zeitung und massenhaft Bannern im Internet für das Anlageprogramm "Reich mit Geiss".
  • Die erste Ausgabe davon gibt es umsonst, sie verspricht nicht weniger als "die perfekte Anlagestrategie".
  • Experten sind irritiert.
Von Jan Willmroth

Robert Geiss ist ein reicher Mann, zumindest sieht es so aus. Wer sich bisweilen auf RTL 2 verirrt, kann Geiss dabei zuschauen, wie er in ein Autohaus spaziert und sich spontan einen Bentley kauft, seine Kinder mit der Yacht von der Schule in Monaco abholt oder mit seiner Frau zum Luxus-Shopping nach Athen schippert, pünktlich zum Brüsseler Showdown zwischen der griechischen Regierung und ihren Geldgebern. Alles real, natürlich, und in schlichter Sprache. Zuletzt schauten sich regelmäßig mehr als neun Prozent der Fernsehzuschauer die Sendung an.

Dieser Herr Geiss gehört also zu den ganz wenigen Menschen, deren Beruf es ist, ihren Reichtum möglichst vielen anderen Menschen zu zeigen. Seine Tätigkeit hat er neuerdings erweitert: In ganzseitigen Anzeigen in der Bild-Zeitung und massenhaft Bannern im Internet wirbt er breit grinsend und mit flotten Sprüchen für das Anlageprogramm "Reich mit Geiss". "Wohin mit unsrer Kohle?", steht neben dem Konterfei des Fernseh-Millionärs, "Nullzins? Nicht mit mir!". Wer sich mit mickrigen Zinsen nicht abfinden wolle, könne dann gleich zweierlei tun: Für 99 Euro im Jahr oder 15 Monate für 8,25 Euro monatlich das Anlageprogramm bestellen, jeden Monat ein paar Seiten PDF, dazu Videos. Oder er kann in einen Dividendenfonds investieren, für den Geiss als Werbeträger dient. "Lassen auch Sie Ihr Geld richtig hart arbeiten." Reißerischer geht's kaum.

Die Zinsen auf Spareinlagen sind seit geraumer Zeit auf sehr niedrigem Niveau; ein Umstand, der Investoren in riskantere Anlagen wie Aktien treibt. Das verstärkt seit ein paar Jahren den Börsenboom. Und dass dabei zunehmend Banken, Fondsgesellschaften und zwielichtige Anlageberater mit Anzeigen und falschen Versprechen um Privatanleger werben, mag nicht überraschen. Wenn aber ein Unternehmer, der seit dem Verkauf seiner Bekleidungsfirma Uncle Sam in den Neunzigerjahren von seinen Millionen lebt, nun den geheimen Plan für das Geld ahnungsloser Privatanleger haben soll, ist das doch einen genaueren Blick wert.

Der zeigt dann, was sich hinter dem Reich-mit-Geiss-System verbirgt: Die erste Ausgabe gibt es umsonst, sie verspricht nicht weniger als "die perfekte Anlagestrategie". Der Geiss, heißt es, wolle kein Harakiri, sondern nur die besten Aktien. Damit meint er solche mit hoher Dividendenrendite. "Und das Beste: Die Kurse dieser Aktien steigen in der Regel auch stetig." Das stimmt nicht. Komplett sei die vermeintlich perfekte Strategie mit Immobilien, Gold und Fonds. Letztere würden schließlich von Profis verwaltet - allerdings gilt das auch für viele verlustreiche Produkte. Danach wird es noch skurriler: Der Immobilienboom in Monaco wird nacherzählt, zudem wie teuer Häuser in München schon sind - um dann die Aktie von Lennar zu empfehlen, einem der größten Immobilienentwickler in den USA, der stark vom dortigen Häusermarkt abhängt.

"Wenn dieses Produkt jemanden reich macht, dann die Herausgeber des Fonds."

Genauso oberflächlich und plump wird den Lesern der Fonds "Patriarch Classic Dividende 4 Plus" empfohlen. Dabei handelt es sich um einen klassischen Mischfonds, der in verschiedene Anlageklassen investieren soll, davon mehr als die Hälfte in Aktien mit hoher Dividendenrendite. Er verspricht viermal im Jahr eine Ausschüttung von mindestens einem Prozent, ist aber sehr teuer: Die Gesamtkosten liegen bei 2,15 Prozent pro Jahr, und ab fünf Prozent Wertzuwachs müssen Anleger eine zusätzliche Gebühr entrichten. Die Stiftung Warentest rät ausdrücklich von einem Investment in den Fonds ab. "Diese Werte sind sehr hoch für einen Fonds, der nur mindestens 51 Prozent in Aktien investiert", sagt auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wenn dieses Produkt jemanden reich macht, dann die Herausgeber des Fonds. Die Anleger sicher nicht!"

Verwaltet wird der Fonds von Hauck & Aufhäuser in Luxemburg, einer Tochtergesellschaft der alten Privatbank, die sonst Noblesse und Diskretion ausstrahlt und vor allem auf vermögende Kunden setzt. Deshalb ist man bei dem Bankhaus auch ziemlich sauer über die Geiss-Aktion. Man habe bei der Entscheidung, den Fonds zu verwalten und als Depotbank zu agieren, "definitiv nichts" von der geplanten Werbung gewusst, hieß es auf Anfrage. Derzeit prüfe die Bank, inwieweit sie juristisch gegen die Aktion vorgehen kann. Am Freitag verschickte sie eine Mitteilung, in der sie sich von "Reich mit Geiss" distanziert.

Initiator des Fonds ist die AMF Capital AG aus Köln. Um den Vertrieb kümmert sich der Dachfonds-Anbieter Patriarch, dessen Namen der Fonds auch trägt. Patriarch gehört zu dem Vermögensverwalter FinLab AG, an der die BF Holding eine Mehrheitsbeteiligung hält. Und die gehört: Bernd Förtsch, Multi-Investor und Vorstandschef der Börsenmedien AG, Herausgeber des Anlegermagazins Der Aktionär und des Deutschen Anleger Fernsehens, das Anfang März einen Insolvenzantrag stellte. Und nicht zufällig auch Herausgeber des "Reich-mit-Geiss"-Programms.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Förtsch wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Förtsch bestreitet allerdings die Vorwürfe. Er fiel schon öfter mit zweifelhaften Empfehlungen auf; mehrere ehemalige Mitstreiter wurden wegen Insiderhandels und Marktmanipulation verurteilt.

Robert Geiss dient offenbar nur als Mittel, um das Geld von möglichst vielen Privatanlegern in den Förtsch-Kreislauf zu locken. Dass sich dieser Lockruf und die falschen Versprechen an unerfahrene Anleger richten, macht die Sache nicht gerade besser.