Deutschland steht vor harten Jahren: Das Kabinett wird die höchste Neuverschuldung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschließen - es ist die Rechnung für die Krise.
Es wäre die höchste Neuverschuldung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wenn die Bundesregierung am Mittwoch den Etat für das Jahr 2010 beschließt, hagelt es Superlative. Wegen der scharfen Rezession plant Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), die Neuverschuldung auf 86,1 Milliarden Euro zu erhöhen. Das wäre gegenüber dem laufenden Etat ein Plus von gut 40 Milliarden Euro.
Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler (Foto vom 15. Januar 2009) wird künftig noch schneller ticken. (© Foto: ddp)
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An Ausgaben sind 2010 laut dem Entwurf 327,7 Milliarden Euro vorgesehen. Das sind knapp 24 Milliarden Euro oder gut acht Prozent mehr als im aktuellen Haushalt. Hauptgrund für dieses kräftige Plus ist ein zinsloses Bundesdarlehen an die Bundesagentur für Arbeit in Höhe von 20 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2013 sollen die Ausgaben des Bundes dann wieder schrittweise auf 313,5 Milliarden Euro sinken.
Auch in den Folgejahren wird die Neuverschuldung laut der mittelfristigen Finanzplanung schwindelerregende Höhen erreichen. 2011 werden es demnach 71,1 Milliarden Euro, 2012 rund 58,7 Milliarden und 2013 dann 45,9 Milliarden Euro sein. Diese mittelfristige Finanzplanung will das Kabinett zusammen mit dem Haushalt 2010 beschließen.
Um diese Zielmarken, die von der neuen Schuldenregel verlangt werden, überhaupt zu erreichen, hat die kommende Bundesregierung einiges vor sich: Im Finanzplan ist schon eingerechnet, dass die Regierung bis 2013 die Ausgaben dauerhaft um 18,5 Milliarden Euro kürzen muss - oder die Einnahmen entsprechend erhöht.
Maastricht-Grenze verfehlt
Die Maastricht-Defizitgrenze des Euro-Stabilitätspakts von drei Prozent wird Deutschland in den kommenden beiden Jahren deutlich verfehlen. Laut Ministerium dürfte das Defizit 2009 rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen und 2010 knapp sechs Prozent. Frühestens 2013 soll die Lücke demnach wieder weniger als drei Prozent betragen.
Trotzdem hält Steinbrück den Stabilitätspakt für unverzichtbar. Im Deutschlandfunk antwortete der Minister mit Blick auf die Rekordverschuldung auf die Frage, ob der Pakt tot sei: "Nein, im Gegenteil." Er ergänzte: "Ich trete sehr stark dafür ein, dass die disziplinierende Klammer dieses Stabilitäts- und Wachstumspaketes erhalten bleibt."
Damit solle den Bürgern wie auch den Finanzmärkten klar signalisiert werden, dass man, wenn man aus der aktuellen, ungewöhnlich scharfen Rezession herauskommen wolle, auf den Konsolidierungspfad zurückkehren müsse.
Defizitverfahren wahrscheinlich
Trotzdem rechnet Steinbrück damit, dass die EU spätestens Anfang 2010 ein Defizitverfahren gegen Deutschland auf den Weg bringen wird. "Dann werden wir erklären müssen, wie wir auf drei Prozent zurückkommen werden", sagte der Minister der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Auf Basis der aktuellen Konjunkturprognosen sei damit erst 2013 oder 2014 zu rechnen. Der Euro-Stabilitätspakt erlaubt eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU-Finanzminister vereinbarten aber bereits im vergangenen Jahr, wegen der Krise den Stabilitätspakt flexibler zu handhaben.
Angesichts der Rekordneuverschuldung des Bundes sieht der Finanzminister die nächste Bundesregierung vor einer "finanzpolitischen Mammutaufgabe". Die neue Regierung werde sich ganz darauf konzentrieren müssen, die Vorgaben der Schuldenbremse zu erfüllen und auf den Pfad der Haushaltskonsolidierung zurückzukehren, sagte Steinbrück dem Tagesspiegel.
Steuererhöhungen schloss der Minister erneut aus: "Gerade jetzt in der Krise verbieten sich Debatten über Steuererhöhungen." Wirtschaftsforscher, etwa DIW-Präsident Klaus Zimmermann, hatten eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ins Gespräch gebracht. "Das ist kein Thema", sagte Steinbrück der FAZ.
(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/AP/tob/hgn)
Eurovision Song Contest
direkt unter dem Beitrag zur größten Neuverschuldung der BRD steht der Chart der Börse ... und unmittelbar nach Bekanntgabe der Nuverschuldung zeigt er steil nach oben. Ein Schalk, wer sich dabei etwas denkt ... meint
Kuni
Gute Frage.
Laut OECD lag in D die Steuer- und Abgabenquote 2007 für die BundesbürgerInnen im Durchschnitt bei 36,2 Prozent (ohne Arbeitgeber-Anteile an den Sozialversicherungsbeiträgen) ...
... Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Schweden oder Dänemark "kassieren" ihre BürgerInnen auf höherem Niveau ab - die Schweiz, Kanada und die USA hingegen verlangen ihren BewohnerInnen weniger ab.
Die EU, die man ruhigen Gewissens als Rammbock für hemmungslose Privat- und Finanzwirtschaft bezeichnen kann, benimmt sich nicht selten verschwenderischer als viele Länder vor dem EU-Beitritt: Locker 50% Rabatt für den Wirtschaftsriesen Großbritannien, Milliarden und Abermilliarden für Agrarförderungen, die vor allem den Agrarindustrien zugute kommen, die Arbeitsplätze und kleinere Landwirtschaften umbringen, völlig am Bedarf vorbeiproduzieren und auch nichts für die Erhaltung des ländlichen Raumes leisten. Dann müssen die EU bzw. ihre Mitgliedsländer noch Milliardengeschenke für Prestigeprojekte der EU (Luft- u. Raumfahrt usw.) opfern und noch nie da gewesene Summen für dubiose militärische Abenteuer in aller Welt ausgeben. Weitere unzählige Milliarden fließen seit Jahren in EU-Länder, die vor Korruption, Wirtschaftskriminalität und Misswirtschaft nur so sprühen. Ohne Aussicht auf Besserung!
Im besten Fall werden dort ein paar Prozent profitable AGs geschaffen, die riesigen unprofitablen Reste (die dabei entstehenden Arbeitslosen, Frühpensionisten, Sozialhilfebezieher, die nicht AG-fähigen(!) Klein- und Mittelbetriebe) werden den Bevölkerungen und leeren Staatskassen überlassen, wobei man Letzteren außerdem unter Berufung auf das EU-Recht alle profitablen Einnahmequellen, nachdem man sie mit Steuergeldern geschaffen bzw. saniert hatte, weggenommen und arbeitnehmerfeindlich und unsozial agierenden privaten Managern (Kündigungsspezialisten, auch bei guter Gewinnlage) und Großaktionären mit ähnlicher Gesinnung zugeführt hat.
siehe Schweiz oder auch Länder wie Singapur. Habe selber ein paar Freunde in Singapur. Die sind trotz Krise (auch steuerlich) sehr zufrieden.
Ich will momentan nicht weg. Die Welt wird jedoch kleiner. Dies ist sicherlich auch ein Problem für unsere Gesellschaft. Abwandern ist heutzutage für die gut-ausgebildeten am einfachsten....
wollte die SPD tatsächlich nochmal den Schröder machen. Schröder hatte schließlich ein paar hunder Millionen Euro in Philip Holzman versenkt um wiedergewählt zu werden...
Die SPD wollte das gleiche u.a. bei Arcandor machen.
Die Suppe dürfen wir irgendwann mal auslöffeln. Den Politikern ist jedoch nur ihre Wiederwahl wichtig nach dem Motto: "Hinter mir die Sinnflut". Eben genau so wie unser Söldner in Russland (Schröder).
Die nächste MWSt.-Erhöhung werden viele Kleinunternehmer nicht überleben.
Paging