Quacksalber und Scharlatane Heilsame Geschäfte

Die Hoffnung gründet sich vor allem auf Berichte über angebliche Wunderheilungen, die den Marktwert der jeweiligen Heiler schnell in die Höhe treiben.

Besonders gut funktioniert das bei Rolf Drevermann, laut Eigenwerbung ,,einer der erfolgreichsten und bekanntesten Heiler Europas''. Die Presseartikel über seine Heilungen hat der geschäftstüchtige Westfale sogar in Kunstleder einbinden lassen.

Glaubt man den Berichten, können Lahme wieder gehen, Blinde wieder sehen und Krebskranke ohne Metastasen weiterleben. Manchmal reichten schon ,,fünfmal 30 Minuten'' bei Rolf Drevermann. So richtig überprüft hat das indes kaum jemand.

,,Wunderheiler von Warendorf''

Drevermann wurde als ,,Wunderheiler von Warendorf'' Anfang der neunziger Jahre bundesweit bekannt, musste aber bald seine Heiltätigkeit ins Ausland verlegen. Per Gericht hatte ihm die Kreisverwaltung unter Hinweis auf das Heilpraktikergesetz jegliche weitere Heilertätigkeit untersagt.

Obwohl Drevermann nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes längst wieder in Deutschland praktizieren dürfte, empfängt er schwer-kranke Menschen weiter in seinem Exil, das er im Viersternehotel Los Molinos auf Ibiza eingerichtet hat. ,,Er liebt nun mal die spanische Sonne'', teilt sein Sekretariat im Münsterland mit.

Den Heilungsaufenthalt auf den Balearen hat Drevermann - zumindest für sich - kostengünstig organisiert. Zur Gruppentherapie bittet er die Patienten ins neonerleuchtete Souterrain. Hier bekommen die Kranken auf Sonnenliegen ,,die für sie sehr wichtigen Kräfte oder Energien übertragen''.

Von Liege zu Liege

Im weißen Ärzte-Outfit wechselt Drevermann von Liege zu Liege, hält - je nach Ort der Beschwerden - seine Hände mal über den Kopf, mal übers Knie der Patienten.

Zehn Minuten lang lässt der 59-Jährige seine Energie auf jeden Patienten einströmen. Im Hintergrund säuselt seine neue CD mit einer Musik, die entspannen soll. 1100 Euro müssen die Kranken für zehn Behandlungen hinblättern, am liebsten in bar.

Flug- und Hotelkosten für die zweiwöchige Heilreise natürlich extra. Mit diesem Honorar zählt Drevermann zu den Spitzenverdienern seines Gewerbes. Die DGH-Vorsitzende Rita Firgau rechnet schnell nach: ,,Insgesamt 100 Minuten Behandlung pro Patient - ein Stundenpreis von 660 Euro. Das verlangt keines unserer Mitglieder.''

Der Verband schreibt in seinem Verhaltenskodex einen Höchstsatz von 80 Euro pro Stunde vor, inklusive Mehrwertsteuer.

Ehemaliger Koch und Kneipenbesitzer

Weit mehr als 25.00 Patienten sollen in den vergangenen 20 Jahren bei dem ehemaligen Koch und Kneipenbesitzer Hilfe gesucht haben. Man könne davon ausgehen, dass sich ,,bei 70 bis 80 Prozent der Fälle ein Erfolg einstellt'', ließ der tiefgläubige Katholik bereits verlauten.

Damit wäre Drevermann weitaus erfolgreicher als sein spirituelles Vorbild, der italienische Kapuzinermönch Padre Pio. Der nach seinem Tod 1968 selig gesprochene Pater war auch als Geistheiler tätig. Allerdings wurden von der katholischen Kirche nur zwei seiner Heilungen als Wunder anerkannt.

Auf ein solches Wunder hofft noch Beate Stürzenbach. Viermal hat sich die Allergikerin bereits von Lubberich behandeln lassen. Und sie wird wiederkommen. Allergien sind hartnäckig.