Krach macht krank. Und gerade deshalb soll es in den eigenen vier Wänden ruhig zugehen. Aber das ist nicht so einfach: Mal donnert ein Jumbo-Jet übers Dach, mal wird nachts über dem Schlafzimmer geduscht.
Er ist eine der stärksten Umweltbelastungen, er nervt alle - und alle produzieren ihn: Lärm. Mit dem Industriezeitalter wurde er zur allgegenwärtigen Begleiterscheinung des Alltags.
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Das geht ins Ohr: Lärmstufen und ihre Wirkung. Angaben in Dezibel. (© SZ-Grafik: Mainka/ Quelle: DAL.)
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Schon die preußische Gewerbeordnung von 1869 enthielt Vorschriften zu seiner Bekämpfung. An vielen Orten haben wir uns an hohe Geräuschpegel gewöhnt. Und deshalb soll es gerade in den eigenen vier Wänden möglichst ruhig zugehen. Aber das ist nicht so leicht zu haben: Dem einen donnert ein Jumbo-Jet im Landeanflug übers Dach, beim anderen wird in der Etage über dem Schlafzimmer zur Unzeit geduscht.
Was als Lärm empfunden wird, ist nicht nur von der Lautstärke der störenden Quelle abhängig. Ob etwas mehr oder weniger laut scheint, wird auch vom Grundgeräuschpegel beeinflusst. Das ist jene Geräuschkulisse, die uns Tag und Nacht umgibt, die wir meistens gar nicht mehr bewusst hören und die wir als Ruhe empfinden. Da dieser Grundgeräuschpegel in der Nacht abnimmt, erscheint das gleiche Geräusch in der Nacht lauter als am Tag.
Ein klassischer Streitfall ist Musik aus der Stereoanlage: Da geht es auch um Geschmack - und was wir gerade tun. Ob ein Geräusch als Lärm empfunden wird, hängt nicht nur von der Lautstärke, sondern auch von der subjektiven Einstellung des Hörers ab.
Ganz objektiv kam eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zu dem Ergebnis, dass Lärm krank macht: Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden steigt bei Männern um rund 30 Prozent, wenn sie in Gebieten mit hohem Verkehrslärm wohnen. An der Studie nahmen mehr als 4100 Patienten teil.
Herzinfarktpatienten wurden zu Lärm-Störungen in ihrem Umfeld und zur Lage und Beschaffenheit der Wohnung befragt. Eine Folge von Lärm: "Der Körper wird unter Dauerstress gesetzt, so dass zum Beispiel der Blutdruck oder die Cholesterinwerte steigen", so Wolfgang Babisch vom Umweltbundesamt.
Besonders Menschen, die an großen Verkehrsstraßen leben, sind von starkem Lärm betroffen. Doch neben der Lautstärke habe auch die Wohndauer an lauten Straßen einen negativen Einfluss auf die Gesundheit. Babisch: "Das Risiko steigt bei denen besonders an, die schon seit Jahren chronischem Umwelt-Lärmstress ausgesetzt sind."
Der Lärmwirkungsforscher rät: "Sofern es die Raumaufteilung hergibt, sollten die Schlafräume in den der Hauptstraße abgewandten Teil verlagert werden."
Besonders nachts sollten Fenster, die in Richtung Hauptstraße liegen, geschlossen werden. Zudem könnten Ohrstöpsel dazu beitragen, dass "ruhig und stressfreier" geschlafen werde.
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