Die Angst vor der schwächelnden Konjunktur lassen die Deutschen vorsichtig werden: Statt zu kaufen, sparen sie lieber.
Die Deutschen legen so viel Geld auf die hohe Kante wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Im zweiten Quartal des Jahres lag die Sparquote nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 10,8 Prozent.
Bild vergrößern
Die Deutschen sparen wieder mehr. (© Foto: dpa)
Anzeige
Das ist ein halber Prozentpunkt mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Wert in einem Frühjahr seit 1994. Nach Einschätzung der Statistiker könnte die Sparquote damit in diesem Jahr auf elf Prozent steigen - zuletzt erreichte sie 1995 diesen Wert.
Inflation frisst gestiegene Gehälter auf
Zugleich legte das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte, bei dem neben Löhnen und Gehältern unter anderem auch Zinsen oder Geld vom Staat einberechnet werden, um 2,6 Prozent zu; zuletzt war der Anstieg im Sommer 2005 höher. Arbeitnehmer bekamen dabei 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, die Unternehmens- und Vermögenseinkommen legten mit acht Prozent mehr als doppelt so stark zu.
Allerdings frisst die hohe Inflation einen großen Teil der Lohnzuwächse wieder auf. Zwar seien die Löhne im Frühjahr nominal stärker gestiegen als die Teuerung, sagt Gustav Adolf Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Wenn man den Anstieg der Verbraucherpreise beachte und zudem die Sparquote berücksichtige, bleibe für den Konsum wenig übrig. Zunehmend drücken auch Konjunktursorgen auf die Stimmung der Verbraucher.
Die steigende Sparquote ist nach Einschätzung Horns ein Ausdruck der zunehmenden Verunsicherung der Verbraucher. Der Wirtschaftsexperte sprach von Angstsparen. "Wer kann, legt Geld für schlechtere Zeiten zurück." Dieses Geld fehle nun für den Konsum.
Sparen als langfristige Stütze
Volkswirt Holger Schulz vom Sparkassenverband verweist zudem auf staatliche Anreize, mit denen das Sparen für die Altersvorsorge angekurbelt wurde, etwa die Riester-Rente. "Kurzfristig dämpft eine höhere Sparquote die Wirtschaft, langfristig stützt sie aber, und dieser Trend ist entscheidend", sagte Schulz. So sei etwa Geld für spätere Investitionen vorhanden, auch werde für die demografische Entwicklung vorgesorgt.
Im ersten Quartal war die Sparquote mit 14,8 Prozent deutlich höher. Allerdings legen die Deutschen zu Jahresbeginn üblicherweise besonders viel Geld zur Seite, was an Sondereffekten wie dem Weihnachtsgeld liegt. Deswegen lassen sich die Zahlen von Quartal zu Quartal nur schlecht vergleichen.
- Staatshaushalt Steinbrücks Milliardenüberschuss 26.08.2008
- Konjunkturflaute Nur gucken, nicht kaufen 26.08.2008
- Konjunktur Keine Rede von Rezession 18.08.2008
- Trotz Abschwung Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter 15.08.2008
- Konjunktur Deutsche Wirtschaft im Sinkflug 14.08.2008
(sueddeutsche.de/Reuters/kim/tob)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Es gibt einen immer kleiner werdenden Anteil der Bevölkerung, der noch was zum Sparen übrig hat. Dieser Bevölkerungsteil braucht nur einen Teil seiner Einkünfte zum Leben. Die Zinsen für die Ersparnisse müssen aber von den Schuldnern gezahlt werden, steigen die Löhne der Masse nicht oder sinken sogar, wird es bei uns kommen wie in Amerika, die Zinseinkünfte sind nicht mehr sicher. Damit wäre das Finanzsystem ruiniert. Um es nicht soweit kommen zu lassen, sollten die Vermögenden auch darauf achten, ihr Geld nicht bloß im Ausland auszugeben, sondern vor allem im Inland zu konsumieren. Schließlich heißt die Devise Leben und Leben lassen, letztlich sitzen alle im selben Boot und wenn man die Masse außen vor hält, wird's mit Lafontaine und Gysi auch nicht gemütlicher.
Ist dieser Umhänger nichts als ablenkende "Positiv"suggestion?
Deutschland ist auf allen wichtigen Feldern, die eben wichtig sind für seine Prosperität, weit abgeschlagen.
Der Mittelstand ist abgebrochen. Die Masse (ca. 60% der Bevölkerung) darbt. Leistungsträger sind abgewandert. Woher nur kommt die Berechnung und Einstufung, Deutschland der Welt größter Exporteur? Wohin fließen denn dann die Erlöse?
"Zwar seien die Löhne im Frühjahr nominal stärker gestiegen als die Teuerung"
Ja, mag sein. Nur wird bei einem Normalverdiener etwa 1/3 der Lohnerhöhung von der Steuer gefressen. Die Preise steigen, die Löhne steigen, nur die der Besteuerung zu Grunde liegende Steuertabelle steigt nicht mit der Inflation. Wen wundert es in diesem Zusammenhang, dass Steinbrück dieses Jahr wieder mal "unerwartet" hohe Steuereinnahmen hat. Nur für den Bürger bleibt nix über.