Quickborn pumpt die Bürger an: Die Kommune benötigt dringend Geld, um Schulen und eine Feuerwehrwache zu sanieren. Die Bevölkerung gibt bereitwillig.
Quickborn hat nicht viel zu bieten. Die 20.000-Seelen-Kommune mit direkter Anschlussstelle an der A 7 nördlich von Hamburg wird meistens ignoriert - zu unbedeutend ist die norddeutsche Kleinstadt im schleswig-holsteinischen Kreis Pinneberg.
Quickborn pumpt die Bürger an - und die leihen der Kommune gerne ihr Erspartes. (© Foto:)
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Einzig und allein Mike Krüger wird manchmal noch mit dem Namen des Provinzstädtchens in der norddeutschen Tiefebene in Verbindung gebracht, allerdings von älteren Zeitgenossen. Denn schon vor einiger Zeit hat es den Alleinunterhalter, der seine beste Zeit längst hinter sich hat, in das schönere und größere Hamburg verschlagen.
Doch nun könnte Quickborn bundesweit der Durchbruch gelingen. Der Grund: Die Kommune ist knapp bei Kasse - und überrascht mit einer Geldbeschaffungs-Idee. Sie pumpt ganz einfach direkt die Bürger an und verspricht für das geliehene Geld drei Prozent Zinsen. Schriftlich. Nach einem Jahr. Formlos und auf einer knappen DIN-A4-Seite.
Binnen weniger Arbeitstage hat die Verwaltung jetzt mit ihrem eher ungewöhnlichen Projekt sage und schreibe vier Millionen Euro eingesammelt. "Es ist eine Win-win-Situation", freut sich CDU-Bürgermeister Thomas Köppl - weil nicht nur seine Stadt, sondern auch die Bürger profitieren würden.
Handelt es sich also um einen klassischen "Quick-Win"? Schließlich erhalten die Einwohner ihr verliehenes Geld nach einem Jahr garantiert mit einer ordentlichen Rendite zurück. Drei Prozent Zinsen - das ist zwar weniger, als das riskante Spiel mit Aktien bringen könnte, aber immer noch mehr, als manche Bank derzeit für Spareinlagen gewährt. Eine risikolose Anlage in Krisenzeiten sozusagen. Und für die Kommune? Sind drei Prozent Zinsen Peanuts. Keine Bank gewährt so billig Kredit.
Von der Krise voll erwischt
Zwar ist das Industriegebiet Quickborn mit Unternehmen wie Eon-Hanse und der Comdirect-Bank in den vergangenen 15 Jahren kräftig gewachsen. Allerdings wurde auch diese Kleinstadt von der Wirtschaftskrise voll erwischt. Die Folge: Das für jede Kommune so wichtige Gewerbesteueraufkommen brach massiv ein.
Dabei war das Geld schon längst verplant worden, und zwar für wichtige Dinge wie Schul-Neubau, Schul-Sanierungsarbeiten und einen Erweiterungsbau für die Feuerwehrwache. Weil das alte Spritzenhaus schon lange viel zu klein war, sollte nach der Umbau-Bewilligung alles ganz fix gehen. Mit den Bauarbeiten war so schnell wie möglich begonnen worden - und dann zeigte die größte Wirtschaftskrise seit 80 Jahren ihr hässliches Gesicht. Die Kommune wurde klamm.
Dass nicht alles geht, was ursprünglich bei einem ordentlichen Haushalt gehen sollte, war Thema einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung Anfang Juli mit Bürgermeister Köppl. Dort wurde die Idee des Bürgerkredits geboren. Wem genau der Geistesblitz kam, ist nicht überliefert. Fest steht nur: Die Idee, dass Bürger ihr Geld der eigenen Kommune leihen, kam ziemlich gut an - und machte schnell die Runde.
Telefone klingeln in einer Tour
Tagelang standen im Rathaus die Telefone nicht mehr still. Bei eingesammelten vier Millionen Euro machte die Verwaltung einen Schnitt. Locker hätte es auch die doppelte Summe werden können, heißt es aus der Verwaltung. Rathaus-Verdrossenheit? Nicht in Quickborn!
"Die Leute finden es gut, ihrer Stadt Geld zu leihen", freut sich der Bürgermeister. 75 Bürger borgen der in die Bredouille geratenen Stadtkasse ihr Geld. Nicht nur Menschen aus Quickborn, sondern auch aus Kiel und Lübeck machen mit. Unter einem Mindesteinstiegsbetrag von 5000 Euro geht jedoch nichts.
Ob das norddeutsche Geldbeschaffungsmodell Schule macht? Die Chancen stehen schlecht. Anfragen anderer Kommunen gab es in Quickborn bislang nicht, und auch der Bundesverband deutscher Banken spricht dem Modell eher Ausnahmecharakter zu. "Die Kommunen werden in den allermeisten Fällen bereits bewährte Finanzierungsmöglichkeiten weiter nutzen", ist sich die Organisation mit Sitz in Berlin sicher. Und ergänzt, dass das Beispiel Quickborn sicherlich ein "Einzelfall" bleibe.
Schade eigentlich: Quickborn hat mit dem Modell eindeutig Potential, künftig mehr zu bieten.
(sueddeutsche.de/jja)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Ein medial sehr erfolgreiches Geschäftsmodell, wenn das mit der Rückzahlung klappt, dann
ist das eine feine Sache.
Doch wer Deutsche Verwaltungsstrukturen kennt, der weiß die Lobbyisten der Geldbranche werden schon die Kreisverwaltung,oder den Regierungspräsidenten in Marsch setzen um solchen günstigen , für beide Seiten Voraussetzungen zu unterbinden, leider.
Warum kommen da nicht mehr Leute drauf? Die große Differenz zwischen Guthabenzinsen und Kreditzinsen schreit ja quasi danach. Dass die Banken das nicht gut finden bzw. dem "keine Bedeutung" beimessen ist doch klar.
Die Aktion geht meines Erachtens nicht gut.
Können die Leute dann bei der Stadt einen Freistellungsauftrag stellen ? Wie werden die Kapitalertragssteuern abgeführt und wohin ? Was bei vorzeiger Verfügung ?
Vom Verwaltungsaufwand der zusätzlich entsteht mal ganz zu schweigen. Die Mehrkosten fressen den Zinsvorteil locker auf.
Ich wette in Köln kriegt die Stadt das bald auch hin, nur das sie sich das Geld nicht bei Ihren Bürgern leiht sonder bei Sal und Oppenheim leiht. Das wäre doch auch eine Win Win Situation die Parteien bekommen Ihre Spende und die Bank die gewünschte 25% Rendite.
...muss es laufen. Wer braucht den heute dann noch eine Bank als teuren Zwischenvermittler? Kein Mensch. Tolle Sache und - weiter so liebe Quickborner...