Klaus F. Schmidt: Aufstieg und Fall Leben auf der Achterbahn

Die Jahre verrinnen, er vermittelt Schiffsreisen im Mittelmeer, doch ihm kommt der erste Golfkrieg dazwischen. Keiner will dort Urlaub machen, wo Bomben fallen. Wieder steht er vor dem Nichts, wieder sind die anderen schuld, die Umstände oder einfach nur Saddam Hussein. Und es geht wieder auf und ab für Klaus F. Schmidt. "So ist es halt im Wirtschaftsleben", sagt er, in der Stimme der amüsierte Unterton, "andere haben sicher mehr unter Saddam Hussein gelitten als ich".

Ex-Millionär Klaus F. Schmidt wohnt heute in einer kleinen Dachkammer.

(Foto: Foto: Mankau Verlag)

Dann kommt Sodastream, die Geschichte, die ihn am weitesten nach oben katapultiert. Er hat das Gefühl, jetzt könnte er für immer oben bleiben. Kein Abwärts mehr, kein Lebensbruch. Die fünf Millionen Mark, die er beim Ausstieg bekommt, sie hätten reichen sollen, reichen müssen für ein ganzes Leben. Für das Haus, die Yacht, für Ruhe, Luxus. Aber es fehlt der Kick, das Abenteuer. Also setzt er sich in die Viper und fährt nach Bremen ins Kasino. Ihn fasziniert das unmittelbare Ergebnis, das Roulette liefert. Die Spannung - und die Anerkennung, wenn er denn mal gewinnt. "Nach sechs Besuchen war ich süchtig." Er sieht alte Frauen, die am dritten Tag des Monats ihre Rente verspielt haben. Frauen, die ihre Kinder im Auto vor dem Kasino einsperren, um in Ruhe zocken zu können. Er spielt trotzdem weiter, wie betäubt, sechs Tage die Woche, einen Tag braucht er, um zu schlafen.

Wer ganz hoch oben ist, der fällt auch tief. Anfang des neuen Jahrtausends hat Klaus F. Schmidt alles verspielt. All die Millionen, die er einst in der grünen Nylontasche nach Hause getragen hat. Eines Abends steht er vor einem Obdachlosenheim in Bremen. Es ist der Tiefpunkt, erzählt er. Er denkt an seinen Lehrer, der ihm einst sagte, er würde kriminell oder obdachlos. Also kehrt er wieder um. "Er sollte einfach nicht recht behalten." Schmid kriecht bei einem Freund unter, über Jahre wurschtelt er sich durch. "Es gab die Tage, an denen ich nur auf den Abend gewartet habe. Wenn ich schlief, musste ich wenigstens nicht über meine Situation nachdenken", erzählt er heute. Es half nichts, am nächsten Morgen war die Lage immer noch genauso schlimm.

Die Schuld der anderen

Er gibt anderen die Schuld, verklagt die Spielbank. Er sei geschäftsunfähig gewesen, weil spielsüchtig, so seine Argumentation. Er will sein Geld zurück, aber er scheitert. Alles ist verloren, endgültig. Er erzählt es lapidar. "Bewusst mache ich das nicht, aber mein Leben ist wohl wie Ebbe und Flut." 2006 ist Ebbe, Hartz IV statt Millionenvermögen.

Der Tee ist kalt geworden, Schmidt nimmt trotzdem einen Schluck. Heute nennt er sich Unternehmensberater, er berät kleinere Firmen, übernimmt übergangsweise die Geschäftsführung. Wie viel er verdient, will er nicht verraten. Über große Summen rede er, nicht über kleine, das sei ihm zu traurig. Er lebt in einer Dachkammer. Wie der einsame Poet von Spitzweg, sagt er, nur ohne Regenschirm. Er hat ein Buch über seine Spielsucht geschrieben. Er habe Fehler gemacht, findet er, aber beim Scheitern spielten ja so viele Faktoren eine Rolle.

Das Leben ist eben eine Achterbahn, ein Abenteuer - oder gar nichts. "Ich vermisse die Millionen nicht, nur manchmal am Monatsende." Seine Stimme klingt wieder, als amüsiere er sich über dieses wunderliche Leben, das er gerade ausgebreitet hat.

Klaus F. Schmidt: Nichts geht mehr - Vom Sodastream-Multimillionär zum Hartz IV-Empfänger, Mankau Verlag