Machtübernahme: US-Investor Flowers hält 25 Prozent an HRE und zieht persönlich in den Aufsichtsrat des Immobilienfinanzierers ein.
Lange hat der US-Investor J. Christopher Flowers nicht gewartet. Erst Mitte Juni hatte er ein Viertel des Dax-Konzerns Hypo Real Estate (HRE) gekauft. Schon da war klar, dass der Investor nicht nur Geld ausgeben will, sondern auch mitreden möchte.
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Investor Flowers sitzt bei Hypo Real Estate nun mit im Aufsichtsrat. (© Foto: dpa)
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Dem Management direkt auf die Finger schauen
Nur wenige Wochen später ist der neue Großaktionär mit zwei seiner Vertrauten in den Aufsichtsrat des Immobilienfinanzierers eingezogen - und kann dem Management unter HRE-Chef Georg Funke direkt auf die Finger schauen.
Zusammen mit Flowers wurden die Deutschland-Chefin des Finanzinvestors, Renate Krümmer, sowie der Gründer der Investmentgruppe Grove International, Richard S. Mully, zu neuen Mitgliedern bestellt.
Für die HRE-Führung dürfte es nun spannend werden. Denn Flowers, der nicht umsonst auf Platz 239 der prominenten Forbes-Liste der reichsten Amerikaner ist, gilt nicht nur als extrem introvertiert und zurückgezogen, sondern als mindestens ebenso selbstbewusst und in der Sache aggressiv.
Heranpirschen, zuschlagen, Macht übernehmen
Schon sein Einstieg bei der Münchner Immobilienbank war ein Paradebeispiel für die Strategie eines Finanzinvestors in Zeiten der US-Kreditkrise: beobachten, heranpirschen, zuschlagen und dann: Forderungen stellen, Macht übernehmen. Und das alles möglichst fix.
Flowers ist keiner, der lange analysiert. Er nutzt die Chance des Augenblicks. So war es schon bei der japanischen Long-Term Credit Bank, und so war es im Oktober 2006 auch bei der HSH Nordbank. Unterstützt wird er nun von seiner Statthalterin in Deutschland: Renate Krümmer hatte sich schon vor Jahren bei der Commerzbank um die Konzernentwicklung gekümmert. Mit den operativen Abläufen eines großen Finanzdienstleisters ist sie vertraut.
Rückblick auf einen großen Coup: Im Januar dieses Jahres war klar, dass sich Hypo Real Estate in einer schweren Vertrauenskrise befand. Nicht dass das operative Geschäft schlecht gelaufen wäre. Im Grunde war es schlimmer: Das Management, das stets erklärt hatte, keine Belastungen aus der US-Kreditkrise zu tragen, musste doch überraschend Millionen-Abschreibungen melden.
An einem Tag rutschte die HRE-Aktie um 37 Prozent ab und erholte sich nicht mehr. Flowers wusste also, worauf er sich einließ: Eine schwere Vertrauenskrise ließ sich mit der Zeit überwinden, solange nur das tägliche Geschäft mit Immobilienfinanzierungen nicht vollkommen einbrach.
"Natürlich freuen wir uns"
Der Investor nutzte die Krise für den bislang größten Einstieg bei einem Dax-Unternehmen, zahlte 1,1 Milliarden Euro - und beanspruchte dafür drei Sitze im Aufsichtsrat. Während der Investor betonte, er wolle den Weg der HRE konstruktiv begleiten, begrüßte deren Führung ihrerseits den Einstieg der Investoren.
"Natürlich freuen wir uns, mit Herrn Flowers, Frau Dr. Krümmer und Herrn Mully drei derart profilierte und angesehene Kenner der internationalen Finanzwelt für unseren Aufsichtsrat gewonnen zu haben", lobte das HRE-Management am Dienstag.
Ob es so harmonisch bleiben wird? Glaubt man Analysten und Rating-Experten, wird das Geschäft mit Immobilienfinanzierungen in den nächsten Monaten eher schwieriger werden. Und dann könnte auch der Ton bei HRE härter werden.
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(SZ vom 06.08.2008/jkr)
Christopher Lee zum 90.
... mit einem soliden Bau- und Immobilienfinanzierungsgeschäft, die Bayerische Handelsbank an der Von der Tann Straße in München gehörte dazu. Ein grundsolides Institut, mit den Eigenschaften klein, fein und leistungsfähig und dem Makel zum HypoVereinsbank Konzern, den es heute auch nicht mehr aber aus anderen Gründen nicht mehr gibt.
Dem damaligen HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt war klein nicht gut genug, er hatte ja auch schon durch die Übernahme der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG durch die Vereinsbank AG Übung im Verschlucken, und so wurde die Bildung der HypoRealEstate angeregt und durchgeführt. Die kleine Bayerische Handelsbank, die Süddeutsche Bodencredit AG und die Nürnberger Hypothekenbank AG gingen in diesem Institut auf. Großer Manager der HypoRealEstate wurde Georg Funke, der auch die Geschäftspolitik neu ausrichtete und nur noch Großkunden bedienen wollte, kleine Finanzierungen wie bei mir waren nicht mehr gefragt. Außerdem können mit Großkunden so richtig große Verluste eingefahren werden, was bei Klein-Immobilien-Krediten nicht so einfach möglich ist.
Inzwischen hat Herr Funke die HRE fast an die Wand gefahren, der US-Investor wird das Grab zuschaufeln, mein Darlehen, regelmäßig und korrekt bedient beim Schuldendienst, wurde letztes Jahr an die ING-DiBa verkauft, die auch eine etwas sonderbare Geschäftspolitik zu haben scheint. Die HypoVereinsbank AG geht ebenfalls langsam in die Geschichte ein und ich denke nur noch an Oggers Buch "Nieten int Nadelstreifen", heute aktuller denn je.