Hypo-Real-Estate-Vorstandschef Georg Funke über das Aktienkurs-Debakel, die Kritik an seiner Kommunikation - und die Forderungen nach seinem Rücktritt.
Hypo-Real-Estate-Chef Georg Funke, 52, hatte monatelang betont, sein Konzern sei nicht von der US-Immobilienkrise betroffen. Bis er am Dienstag überraschend Millionenabschreibungen ankündigte und die Aktie des Immobilienfinanzierers daraufhin um ein Drittel einbrach. Aktionärsschützer fordern nun seinen Rücktritt.
Die Finanzkrise trifft auch Hypo Real Estate: 390 Millionen Euro müssen abgeschrieben werden, Aktionärsvertreter fordern die Ablösung von Konzernchef Funke. (© Foto: dpa)
Anzeige
SZ: Herr Funke, Ihre Aktie ist am Dienstag um ein Drittel abgestürzt; innerhalb weniger Stunden wurden Milliarden von Euro verbrannt. Verstehen Sie den Zorn Ihrer Anleger?
Funke: Bei Kursverlusten in dieser Größenordnung ist Zorn da, sicher. Ich bin auch Aktionär. Und es tut weh. Aber, ehrlich gesagt: Es ist schlicht irrational, was hier an der Börse geschieht.
SZ: Naja, Sie haben aus heiterem Himmel angekündigt, wegen der Kreditkrise 390 Millionen Euro abschreiben zu müssen ...
Funke: ... aber man muss doch diesen Betrag angesichts einer Bilanzsumme von rund 400 Milliarden Euro und angesichts der Milliardenabschreibungen, die andere Banken verkraften müssen, sehen. Die Abschirmung macht etwa einen Euro am Wert der Aktie aus. Dass sie um rund 12 Euro gefallen ist, hat mit rationaler Analyse nichts mehr zu tun.
SZ: Sie sind von der Heftigkeit der Börsenreaktion überrascht worden?
Funke: Natürlich war uns klar, dass wir mit Blessuren rechnen mussten. Mit dieser Wucht aber konnten wir nicht rechnen. Der Kursabschlag ist fundamental durch nichts gerechtfertigt. Hypo Real Estate ist ein profitables und stabiles Unternehmen. Wir haben Wachstumsraten von 20 Prozent in den letzten Jahren gehabt. Nun aber gibt es eine Finanzkrise, die wir bisher noch nicht kannten.
SZ: Kritisiert wird aber doch nicht, dass Sie Millionenabschreibungen infolge der Kreditkrise vornehmen mussten, sondern dass Sie monatelang so getan haben, als beträfe Sie die ganze Krise überhaupt nicht. Ihre Aktionäre haben jetzt ein nachhaltiges Vertrauensproblem.
Funke: Zunächst: Wir haben stets korrekt nach unserem Sachstand informiert. Wir sprechen von einem Zeitraum seit Dienstag. In welcher Welt bewegen wir uns eigentlich, dass wir ein paar Tage schon als nachhaltig bezeichnen? Schauen Sie doch mal, was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist. Man redete lange Zeit von der einen oder anderen grauen Wolke am Himmel. Ab November haben wir vom Wolkenbruch geredet. Sie sprechen von einem Vertrauensproblem, dem ich mich jetzt stelle. Ich werde alles dafür tun, um dieses Vertrauen wiederherzustellen.
SZ: Ihnen wird sogar vorgeworfen, Sie hätten die Anleger monatelang getäuscht, indem Sie die Risiken heruntergespielt und die Lage Ihres Instituts bewusst in ein positives Licht gerückt hätten. Warum haben Sie denn nicht schon früher darauf hingewiesen, dass es auch bei Ihnen Risiken gibt?
Funke: Das und wie uns die Risiken treffen, ist eine Erkenntnis aus den ersten Januartagen. Vage Vermutungen oder ein Bauchgefühl reichen für eine Ad-hoc-Mitteilung nicht aus. Wir reden hier über Finanzkommunikation, und die ist in Deutschland ganz klar geregelt und wird scharf überwacht. Diese sieht nur Quartalsmitteilungen und Ad-hoc-Pflichten vor. Einzelne Wasserstandsmeldungen oder Gefühlswallungen sind da nicht vorgesehen und rechtlich irrelevant.
SZ: Viele Ihrer Kollegen bei anderen Banken haben rechtzeitig klare Ansagen gemacht. Sie dagegen haben in Ihren Interviews immer gesagt: "Bei uns ist alles sauber."
Funke: Zu den Risiken anderer Banken kann ich nichts sagen. Sprechen wir über unsere Fakten: Wir haben 1,5 Milliarden Euro in US-CDO-Wertpapiere investiert; die wurden von den Rating-Agenturen zum allergrößten Teil mit Höchstnoten versehen. Wir konnten nicht wissen, dass die Ratingagenturen ab Mitte November auch diese Papiere herabstuften. Das ging dann Schritt für Schritt so weiter, bis wir einen Strich unter das vierte Quartal ziehen mussten. Als alles gerechnet war, haben wir am Dienstag über unseren Abschreibungsbedarf informiert.
SZ: Aber diese negative Entwicklung hätten Sie als Profi doch voraussehen können.
Funke: Was erwarten Sie von mir? Wir hatten ein hoch geratetes Portfolio. Wir konnten diese Situation nicht vorhersehen und leider auch nicht vermeiden.
SZ: Das sehen viele Beobachter anders.
Funke: Es ist schon erstaunlich: Das Jahr ist gerade mal zwei Wochen alt - und wir sind bereits mit unseren Ergebnissen an die Öffentlichkeit gegangen. Wer außer uns hat dies bisher gesagt? Im Gegensatz zu vielen anderen Instituten sitzen wir die Krise nämlich nicht aus. Trotzdem werden wir kritisiert, wir würden zu spät informieren.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Hypo Real Estate Aktionärsschützer fordern Rücktritt 17.01.2008
- Hypo-Real-Estate "Das wird keine leichte Sache" 17.01.2008
- Bankenkrise Durchhalten bis zum Schluss 16.01.2008
- Bankenkrise Historischer Kurssturz 16.01.2008
Es ist wirklich zum Lachen
Zitat:
Hypo Real Estate
"Es ist irrational, was an der Börse geschieht"
--aber hallo, es ist irrational, was all die Jahre betrieben wurde.
der Verstand wurde von der Gier zerfressen.
zitat Vitis:
die finale Insiderantwort.
"Wir konnten nicht wissen..."
"Wir konnten diese Situation nicht vorhersehen..."
"Nun aber gibt es eine Finanzkrise, die wir bisher noch nicht kannten."
-----
---oh welch ein Wunder, die armen Analphabeten wollen nichts gewußt haben?
haben sie denn die Ein-und Ausgänge nicht täglich verbucht?
Haben sie denn nicht gewußt, womit sie Handel trPapieren- nichts als tRamsch- mit den Geldern anderer?
Sollen sie einem leid tun angesichts ihrer Dummheit, oder soll man sie alle zum Teufel jagen?
Ich empfehle das letzte:
... fragt der Funke, und gibt damit in der Debatte um die Gehälter sogenannter Topkräfte, (welche, wie es heisst, den raren Befähigungen dieser aussergewöhnlicher Könner kaum genügen) die finale Insiderantwort.
"Wir konnten nicht wissen..."
"Wir konnten diese Situation nicht vorhersehen..."
"Nun aber gibt es eine Finanzkrise, die wir bisher noch nicht kannten."
Bei soviel Nichtwissen und Nichtkönnen jemandem 3 Millionen Euro im Jahr wert zu sein, ist in sich selbst wohl eine kunstvolle Leistung. Und immerhin lässt er uns an seinen neuesten Erkenntnissen teilhaben:
"Aber, ehrlich gesagt: Es ist schlicht irrational, was hier an der Börse geschieht."
Das konnten wir nicht wissen, als "Wachstumsraten von 20 Prozent" die Finanzseiten der Süddeutschen noch in appetitliches Grün tauchten.
... des Herrn Funke ist nicht zu überbieten. Aber er steht nur beispielhaft für die Masse der selbsternannten Finanzgenies, die sich eben leicht damit tun, mit de Geld der Kunden, auch der kleinen, zu zocken.
"Mit dieser Wucht aber konnten wir nicht rechnen." Ja wussten denn diese hochbezahlten Finanzgenies nicht, was in Amerika vor sich ging?
Früher einmal waren Banken Bastionen des Vertrauens und man konnte sie fast mit einem Gefühl der Ehrfurcht betreten. Nun sind die meisten zu Billigheimern verkommen, für die das Aufsachwatzen von Krediten zum Kerngeschäft gehört. Wo ist denn die Ursache der rasant ansteigenden Privatinsolvenzen zu suchen?
Letztlich kann sich aber auch Herr Funke bei Mr. Bush bedanken. So etwas wie den Irakkrieg hält keine noch so mächtige Voilkswirtschaft aus.