Hypo Real Estate Deutschlands tollste Bank

100 Milliarden Euro bekommt die Hypo Real Estate vom Staat. Das macht den Münchnern keiner nach.

Ein Zwischenruf von Hans von der Hagen

Euroka! Es ist geschafft! Was für ein Tag für die Hypo Real Estate (HRE)! An diesem 11. Februar 2009 darf der Münchner Spezialfinanzierer von Weltrang den 100.000.000.000. Euro begrüßen. Noch einmal zur Klarstellung: Das sind 100 Milliarden! Es geht aber nicht um einen dieser mühsam selbst verdienten Euro - pah!, mit derart kleiner Münze wird bei der großen HRE schon lange nicht mehr gerechnet. Es ist viel schöner: Das Geld ist ein Geschenk der zwangs-spendablen Steuerzahler.

Die Hypo Real Estate rückt in den Olymp der Finanzinstitute vor

(Foto: Grafik: Maria Dorner)

Darum darf sich nun das Institut von der Isar selbst eine Girlande winden und feierlich verkünden: Wir sind das erste Unternehmen in Deutschland, das 100 Milliarden Euro - ja, sogar noch ein bisschen mehr - vom Staat bekommt. Wir sind die neuen Bundesländer der Wirtschaft!

Im Olymp der Finanzinstitute

Auch international wächst damit das Renommee des einstigen Daxkonzerns: Die Hypo Real Estate rückt in den Olymp der Finanzinstitute vor, in dem nur die von cleveren Managern geleitete Häuser Platz finden: Citigroup, AIG, Fannie Mae und Freddie Mac.

Die Freibeuter der Finanzmärkte - sie haben endlich den Platz bekommen, der ihnen zusteht.

Manche mögen denken: 100 Milliarden Euro - was ist das für ein lächerlicher Betrag in einer Zeit, in dem die Billionen regieren. Jedoch: Man benötigt schon anderthalb Kubikmeter Sand, um 100 Milliarden Körnchen anzuhäufen. Und als die Bundesrepublik einst mit viel Aplomb ihre UMTS-Lizenzen versteigerte, stockte den Deutschen schon bei der Zahl von 100 Milliarden Mark der Atem. Das sind im Vergleich zur HRE kopperianische "Peanuts".

Zu recht dürfen da die HREler auf eine Summe stolz sein, die fast doppelt so hoch ist. Umso mehr, als der Kapitaleinsatz so niedrig ist: An der Börse war das Institut - das als risikobelastete Abspaltung der HypoVereinsbank begann - selbst in den besten Zeiten gerade mal neun Milliarden Euro wert, mittlerweile ist der Wert kaum noch messbar. Und doch bekommt das Unternehmen 100 Milliarden Euro in Form von staatlichen Garantien und Beteiligungen - mehr als ein Drittel des Bundeshaushaltes.

Fünf Jahre haben gereicht, um den 2003 entstandenen Spezialfinanzierer - in dem so illustere Namen wie die Nürnberger Hypothekenbank, die Süddeutsche Bodencreditbank und die Bayerische Handelsbank vereinigt wurden - zum Vorzeige-Konzern zu machen. Voller Selbstvertrauen dürfen die Banker nun weitermachen: Niemand sonst holt aus dem drögen Geschäft mit Staatsfinanzierungen soviel heraus.

Da darf auch der ehemalige Vorstandschef Georg Funke nicht darben. Vergnügt kann er den Eingang seines Altersruhegeldes von 50.000, vielleicht gar mehr als 60.000 Euro auf seinem Konto verfolgen. Monatlich! Das Leben kann so schön sein, wenn man sich um nichts mehr kümmern muss.

Wie armselig steht da im Vergleich Josef Ackermann da. Keinen müden Euro bekommt er vom Staat. Die Stimmung in der Deutschen Bank muss trostlos sein: Nie hatte Ackermann ein Geschäft ausgelassen - und doch hat er alles verfehlt.

Neidisch werden seine Blicke vom grauen Frankfurt ins verschneite München wandern. Quälend wird er sich fragen: Wie haben die das bloß geschafft?