Kasinos? Lotto? Sportwetten? Beim Glücksspiel verliert man schnell sein Geld. Immerhin: Bei manchen Spielen sind die Chancen größer.
Es ist ungleich wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, als einmal zu den ganz großen Lottogewinnern zu gehören. Denn die Chance auf einen Sechser im Lotto beträgt schlappe eins zu 14 Millionen. Wer gleich den Jackpot abräumen will, hat sogar nur eine Chance von einem 139-Millionstel, denn er muss sechs Richtige plus Superzahl angekreuzt haben. Das Risiko, während seines gesamten Lebens einmal vom Blitz getroffen zu werden, liegt dagegen bei nur eins zu 20 Millionen.
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Dennoch geben Millionen Teilnehmer jede Woche in den Lottoannahmestellen ihre Tippscheine ab und hoffen auf den großen Gewinn. Gut die Hälfte der Deutschen spielt mehr oder weniger regelmäßig Lotto. Im Durchschnitt, so errechnete die Forschungsstelle für Glücksspiel der Universität Hohenheim, gibt jeder Lottospieler 450 Euro pro Jahr für die Hoffnung auf den Jackpot aus.
Tipp-Muster meiden
Was ist aus wissenschaftlicher Sicht von dem Spiel mit dem Glück zu halten? Es ist ein ganz natürlicher menschlicher Trieb, sagt der Leiter der Forschungsstelle, Professor Tilman Becker. Er fahndet nach den Motiven der Glücksspieler: "Über die statistischen Wahrscheinlichkeiten wissen die meisten nichts. Die Menschen spielen, weil sie Unterhaltung suchen und von großen Gewinnen träumen. Dahinter steckt der Wunsch, schon morgen reich zu sein und dem Chef alles hinzuknallen."
Das könnte sich zumindest der Gewinner aus Berlin leisten, der im September als Einzelspieler den Jackpot mit 17 Millionen Euro knackte. Über solche Rekordgewinne in zweistelliger Millionenhöhe berichten Lottogesellschaften gerne und betonen: "Mit einem Spieleinsatz von 75 Cent ist ein Millionengewinn und damit der Traum von finanzieller Unabhängigkeit möglich", das jedenfalls sagt Klaus Sattler von der Staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaft in Baden-Württemberg.
Doch selbst wenn ein Spieler auf die richtigen Zahlen setzt, wie es 460 Spielern im letzten Jahr gelang: Ein Millionengewinn springt meist nicht heraus. Allzu oft müssen sich nämlich mehrere Gewinner die Ausschüttung teilen. Denn bei der Auswahl der Zahlen spielt die Psychologie eine große Rolle.
Obwohl auf dem Papier alle Zahlen von 1 bis 49 gleichberechtigt sind und alle Kombinationen daraus gleich wahrscheinlich, kreuzen viele Spieler bestimmte Muster an oder tippen auf die Geburtsdaten ihrer Angehörigen, was dazu führt, dass Zahlen zwischen 1 und 19 ganz besonders häufig gewählt werden.
Das ändert nicht die Gewinnwahrscheinlichkeit, schmälert aber die Gewinnsumme beträchtlich. Der niedrigste Hauptgewinn für sechs Richtige stammt aus dem Jahr 1984 und lag bei nur 16900 Euro. Und weil zu viele Spieler die fünf Richtigen "2, 3, 4, 5, 6" tippten, bekam jeder Gewinner im Jahr 1999 sogar nur 194 Euro ausgezahlt.
Einige Spieler versuchen, dem Zufall ein Schnippchen zu schlagen: Sie setzen auf Tippsysteme oder werten die Statistiken aus, um häufige wie seltene Zahlen zu ermitteln. Damit erliegen sie jedoch nur einem der häufigsten Irrtümer beim Glücksspiel, erklären die Spielforscher: Auch wenn die 13 die mit Abstand am seltensten gezogene Kugel ist und die 38 die bisher häufigste, gewinnen lässt sich daraus nichts.
Denn die Wahrscheinlichkeit, dass beide Zahlen in der nächsten Ziehung fallen, ist stets die gleiche. "Jede Ziehung ist ein unabhängiges Ereignis. Die Kugeln haben kein Gedächtnis", sagt Becker, "und alle Systeme sind Quatsch." Das gilt für Lotto wie für Roulette. Durch Tippgemeinschaften verbuchten Spieler zwar öfter kleine Gewinne, aber im Durchschnitt gewännen sie nicht häufiger als im Alleingang.
"Lotto müsste aus streng wirtschaftsrationaler Sicht unpopulär sein", sagt Klaus Sattler von der Lottogesellschaft, "denn nach den klassischen Wirtschaftstheorien sollten die Menschen Güter mit einem für sie positiven materiellen Nutzen bevorzugen." Und so warnen die Statistiker, dass unterm Strich bei jedem Glücksspiel ein Verlust bleibe.
Ausschüttungsquoten beachten
Grund dafür sind die Ausschüttungsquoten, die stets unter 100 Prozent liegen - für jeden eingesetzten Euro gibt es im Schnitt weniger als einen Euro heraus. Beim Lotto beispielsweise werden nur 50 Prozent der eingezahlten Gelder als Gewinnsumme wieder ausgegeben, so will es der Staat. Der Rest fließt in Kunst-, Sport- und Kulturförderfonds. Für den einzelnen Spieler bedeutet dies also, dass er pro 100 Euro Einsatz im Schnitt 50 Euro herausbekommt.
Ähnlich ist die Quote bei Toto und offiziellen Sportwetten; noch niedriger liegt sie bei der Glücksspirale, dort beträgt sie nur 40 Prozent. Wer auf bessere Zahlen kommen will, sollte ins Kasino gehen. Beim Roulette sieht der Spieler immerhin 97 Prozent seines Einsatzes wieder. Diese Zahl kommt folgendermaßen zustande: Bei allen Zahlen von 1 bis 36 auf dem Spielkessel entspricht die Einzahlung per Saldo der Auszahlung. Nur wenn die Null fällt, ist die Bank im Vorteil: Alle Einsätze, die keine 50:50-Chance haben, gehen an die Bank - also beispielsweise die Jetons, die auf einzelnen Zahlen (außer der Null) liegen.
Beim Kartenspiel Black Jack (deutscher Name: 17 und 4) liegt die Auszahlungsquote ebenfalls bei 97 Prozent - wenn es nach den Regeln der Kasinos geht. Dass die Chancen noch höher liegen können, belegt das Beispiel dreier Studenten, die mit ihrem Black-Jack-System Geschichte schrieben: Die Statistiker vom Massachusetts Institute of Technology hatten eine Schwäche bei dem Kartenspiel erkannt. Wird nur mit einem Kartensatz gespielt, lässt sich die Wahrscheinlichkeit der kommenden Karten errechnen, indem man sich die bereits gezogenen Werte einprägt. Mit dem Zählsystem räumten sie Millionengewinne ab. Bis ihnen die Kasinos auf die Schliche kamen und die Regeln änderten.
Glücksritter sollten also wissen: Als reine Unterhaltung taugen Wetten und Lotterien daher sehr wohl, sagt Becker, "aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind sie nicht sinnvoll".
- Bescheid wissen Die Logik des Lottos 07.09.2004
(SZ vom 23.10.2007)
Moderne Verwaltung
Ich möchte hier jetzt keine mathematische Diskussion eröffnen, deswegen nur soviel: Beim Thema Lotta haben Sie einfach nur das nachgeschrieben was bereits in meinem Beitrag steht.
Und bei Thema Roulette ist es so, daß ich nicht mit meinem 'Rest', der mir aus dem vorigen Spiele geblieben ist (der ist nämlich, sobald ich mal verliere auf Null) weiterspiele, aber nur dann wäre ihre Rechnung korrekt. Viel mehr ist es so, daß, wenn ich bei einem Spiel im Mittel 3% meines Einsatzes verliere und 30 mal spiele, ich 30 mal einen mittleren Verlust von 3% erlitten habe.
Leider liegen Sie mit Ihren Aussagen mathematisch falsch.
Lotto: wenn die Ausschüttung im Mittel 50% beträgt, dann kann man durch die Wahl populärer bzw. unpopulärer Zahlen seine Quote um ein paar Prozent nach oben bzw. unten verändern. Auf über 100% Ausschüttung kommen nur ganz wenige Spieler und diese natürlich auf Kosten der Masse. Bei der Häufigkeitsverteilung der Gewinne handelt es sich um eine asymmetrische Verteilungsfunktion, der Maximum (=häufigster Wert) niedriger ist als der Mittelwert von 50%.
Beim Roulette machen Sie ebenfalls einen elementaren Fehler: wenn die Ausschüttung in jedem Spiel 97% beträgt und 30 mal gespielt wird, dann sind 0.97^30 = 40% übrig und keinesfalls 30 x 3% = 90% weg. Die 3% Schwund betreffen jeden einzelnen Einsatz und beziehen sich nicht auf den Grundeinsatz.
Ansonsten freundliche Grüße nach Pisa. Wenn Sie Ihren Ratenkredit so tilgen wie Sie Roulette spielen, dann wird sich Ihre Bank freuen.
Ich bezweifel mal, dass die Chance, im ganzen Leben einmal vom Blitz getroffen zu werden bei 1:20 Millionen liegt. Wir haben in Deutschland 80 Millionen EInwohner. Wenn 4 vom Blitz getroffen werden, dann wäre diese Quote schon erfüllt. Und allen anderen "wären ein ganzes Leben lang geschützt". Die Zahl kommt vielleicht auf die Chance pro Jahr hin. Egal. Der Vergleich hinkt trotzdem. Wenn ich pro Woche 10 Lotto-Spiele mache, dann sind das im Jahr 520. Und schon steigt meine Chance beträchtlich gegenüber der Chance vom Blitz getroffen zu werden. Die Sache ist nämlich die: Sein Leben lebt man nur einmal (zumindest bei den meisten hier verbreiteten Glaubensrichtungen), Lotto spielen kann man so oft, wie es der Geldbeutel erlaubt.
Leider unterliegt auch die Autorin dieses Artikels einem sehr populärem Irrtum: Sie gibt die Ausschüttungsquote beim Lotto mit 50% an. Diese ist auch mathematisch korrekt, aber nur gemittelt über alle Spieler. Dass ein einzelner Spieler eine Ausschüttungsquote von mehr als 100% erreichen kann, deutet sie in dem Artikel bereits an: Wer populäre Zahlen spielt, der erhält einen kleinen Gewinn. Wer demnach unpopuläre Zahlen spielt, muß sich seinen Gewinn mit viel weinger Spielern teilen. Die Ausschüttungsquote für diese Spieler beträgt mehr als 100%, demnach ist Lotto spielen auf lange Sicht gesehen ein wirtschaftliches Spiel (d.h. wer theoreisch unendlich lange Lotto mit unpopulären Zahlen spielt, gewinnt auf lange Sicht mehr als seinen Einsatz zurück).
Auch beim Roulette macht die Autorin eine sehr populären Fehler: Sie gibt die Ausschüttungsquote für Roulette an, und auch hier ist dieser wieder mathematisch korrekt, nur: Sie gilt nur für ein einziges Spiel! Aber wer spielt denn an einem Abend nur einmal Roulette? Und bei jedem Spiel gehen 3% von der Ausschütttungsquote verloren, d.h. nach ca. 2 Spielen liegt sie nur noch bei 94%, nach 10 Spielen noch bei 70% und nach 30 Spielen ist so gut wie alles weg!
Weshalb man nur empfehlen kann, sich in der Annahmestelle einen Quicktipp mit Zufallszahlen ausdrucken zu lassen und den Schein nicht händisch auszufüllen. Dann denkt man zwar momentan nicht an die Lieben, aber erhöht die Wahrscheinlichkeit einer hohen Quote im Gewinnfall (der leider zu selten eintritt).
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