Ende der Dorfromantik Lust auf Stadt nimmt zu

Urbanes Leben gewinnt wieder an Anziehungskraft: Neuerdings meiden viele Menschen das flache Land und finden auch innovative Formen des städtischen Zusammenlebens interessant.

Die Zeit der Stadtflucht geht nach einer Studie zu Ende. Das sagt zumindest der Freizeitforscher Professor Horst W. Opaschowski zu Forschungsergebnissen über "Das Leben in der Stadt der Zukunft".

Theatinerkirche, dpa

Lieber im Trubel als für sich allein: Menschen auf dem Münchner Odeonsplatz genießen ihre Innenstadt.

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"Sinkende Lebensqualität auf dem Lande und extrem hohe Energiepreise beschleunigen den Trend zurück in die Stadt", so Opaschowski. Insbesondere Menschen in der Lebensphase nach der Kindererziehung kehrten den Reihenhauskolonien auf der Grünen Wiese den Rücken.

"Deutschland kommt in Bewegung"

Die 45-Plus-Generation wolle wieder "mitten im Leben" wohnen und sei offen für neue Lebensformen wie Wohngemeinschaften in Mehr-Generationshäusern. "Deutschland kommt in Bewegung", meinte Opaschowski. Er sehe eine "Renaissance der Stadt", Voraussetzung dafür sei allerdings bezahlbarer Wohnraum.

Vielleicht lebe - wie in früheren Jahrhunderten - der Gedanke des "ganzen Hauses" wieder auf. Hier hätten nicht nur natürliche Familienmitglieder Platz, sondern Wahlfamilien. "Gemeinsam statt einsam heißt das Wohn- und Lebenskonzept der Zukunft", vor allem für die vielen Älteren und Singles, sagte der Professor.

Gemeinschaftswohnen statt Altersheim

Baugemeinschaften könnten Heimplätze und betreutes Wohnen ablösen. "Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich Wohnanlagen mit Menschen gleicher Interessen", betonte Opaschowski. Das habe eine Repräsentativbefragung des BAT Freizeit-Forschungsinstituts von 2.000 Personen ab 14 Jahren ergeben.

Wichtig für das Wohnen und Leben in der Stadt sind den Bürgern nach dem Ergebnis der Umfrage auch gepflegte Grün- und Parkanlagen sowie historische Innenstädte (jeweils 71 Prozent). Aber auch Sauberkeit, Kulturangebote und ein abwechslungsreiches Leben auf Straßen und Plätzen stehen hoch im Kurs.

Die Stadt der Zukunft müsse kurze Wege und Erlebnismöglichkeiten bieten. "Weniger, älter, bunter. So sieht das Leben in der Stadt der Zukunft aus", meinte der Forscher. Das heiße, weniger Kinder, mehr Ältere und ein buntes Gemisch von Einheimischen und Zuwanderern.

Für lebenswert befunden: Hamburg, Stuttgart, München

Schon heute halten 85 Prozent der Bundesbürger ihre Stadt für lebenswert. Den meisten Zuspruch erhielt dabei Hamburg (91 Prozent), gefolgt von Stuttgart (89 Prozent) und München (88 Prozent). Berlin kam auf Platz sechs (85 Prozent), wurde allerdings von seinen Bewohnern als besonders schmutzig eingestuft, betonte Opaschowski.