Elektroschrott in Deutschland 300 000 Tonnen Schrott verlassen Deutschland - illegal

Doch meist kommt der Schrott gar nicht erst in Sammelstellen oder Recycling-Betrieben an - auch in Deutschland nicht. Die defekten Geräte landen im Hausmüll oder werden über Flohmärkte verkauft. Fliegende Händler nehmen Privathaushalten und Unternehmen Schrott ab, online wird vom Kühlschrank bis zum Smartphone alles gehandelt, Geräte auf dem Sperrmüll - soweit er offen auf der Straße liegt - werden mitgenommen und verkauft. Es komme außerdem vor, dass Transporteure brauchbare Teile auf dem Weg von der Sammelstelle zum weiterverarbeitenden Unternehmen entwendeten, heißt es in einer Studie des Beratungsinstituts Ökopol (PDF). Das nach eigenen Angaben unabhängige Unternehmen liefert Untersuchungen, oft an öffentliche Auftraggeber.

Die Geräte landen entweder auf deutschen Schrottplätzen oder in der Müllverbrennungsanlage, wertvolle Rohstoffe gehen dadurch verloren. Ein Teil des Mülls wird allerdings auch weiter verkauft - illegal ins Ausland: "Es werden jährlich schätzungsweise 150 000 Tonnen Schrott über den Hamburger Hafen in Länder außerhalb der EU exportiert. Noch einmal so viel verlässt uns über den Landweg", sagt Knut Sander, Mitverfasser der Studie.

Die exportierten deutschen Altgeräte landen der Untersuchung zufolge vor allem in Ghana, Nigeria, Südafrika, Vietnam, Indien und auf den Philippinen. Und das, obwohl der Export von Schrott verboten ist: Was in der EU an Geräten in Umlauf kommt, darf als Schrott die Grenzen Europas nicht verlassen; oder: Wer Giftmüll produziert, muss ihn auch selbst entsorgen. Das ist auf Grundlage des Basler Übereinkommens von 1989 in der EU rechtlich festgeschrieben. Erlaubt ist nur der Export "voll funktionsfähiger Gebrauchtgeräte". Als diese wird dann aber bei der Ausfuhr auch Elektroschrott deklariert.

Es fehlen Kontrollen an Häfen, der Austausch von Daten, oft auch deren einheitliche Erfassung bei der Ausfuhr, zeigt die Studie. Sie fordert unter anderem eine Nachbesserung der WEEE-Richtlinie. Ihre 2012 vorgelegte Neufassung fordert mittlerweile zumindest, dass Exporteure mithilfe von Dokumenten selbst nachweisen müssen, dass es sich bei der Ausfuhr um Gebrauchtgeräte und nicht um Schrott handelt. Allerdings sei fraglich, wer angesichts fehlender Kontrollen prüft, ob der Nachweis tatsächlich erbracht ist, gibt der BVSE zu bedenken.

Die Studie weist aber auch darauf hin, dass Verbraucher besser informiert werden müssten, welche Konsequenzen ihr Handeln hat. Dass die Entsorgung über Sammelstellen durch Recycling der nachhaltigere und weniger schädliche Weg ist. Wer will, findet durchaus Informationen: Im vergangenen Jahr erst hat das Bundesumweltministerium die kostenlose "eSchrott"-App vorgestellt. Sie weist Verbrauchern je nach Gerätewahl die nächst gelegene Sammelstelle. Das Umweltbundesamt, das die Entsorgungsstruktur beaufsichtigt, stellt Daten, Gesetze und Informationen online.

Zwar landet in Deutschland ein vergleichsweise großer Anteil des Schrotts bereits in Recyclinghöfen, "die Masse, die wir an Geräten nutzen, ist aber unglaublich hoch. Wir produzieren sehr viel Schrott", sagt Sander von Ökopol. Ein Aspekt, den auch Cosima Dannoritzer, die Regisseurin der Arte-Dokumentation "Giftige Geschäfte", betont: "Man kann nicht jeden Container im Hafen kontrollieren oder wer was abgibt. Wir müssen erst einmal bei der Menge ansetzen und uns fragen: Können wir nicht weniger Schrott produzieren?".

Die Dokumentation "Giftige Geschäfte" läuft am Dienstag, den 20.05.2014, um 20.15 Uhr auf Arte. Zusätzliche Informationen und Clips finden Sie auf Arte Future.

Linktipp: SZ-Autor Michael Bitala hat die Müllkippe in Accra, in Ghanas Hauptstadt, besucht und fand dort eine Festplatte mit dem Aufkleber "Bezirksamt Altona". Der Bericht stammt von 2010 - ist aber leider noch immer aktuell.