Die Talfahrt geht weiter: Die Verluste der krisengeschüttelten Mittelstandsbank IKB sind um 250 Millionen Euro höher als befürchtet. In der Folge brach die Aktie dramatisch ein - die Union will nun die staatlichen Geldspritzen stoppen.
Die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB hat zusätzliche Belastungen eingeräumt und erwartet deshalb einen um 250 Millionen Euro höheren Verlust im laufenden Geschäftsjahr. Bei Portfolioinvestments, deren Verkauf vorübergehend ausgesetzt worden sei, seien weitere Abschreibungen fällig, teilte das von der US-Immobilienkrise gebeutelte Kreditinstitut mit.
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Nur noch Fassade: Die IKB bröckelt weiter. (© Foto: AP)
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Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Konzernverlust nach Steuern rund 800 Millionen Euro betragen. Noch vor einem Monat hatte der Vorstand von 550 Millionen Euro gesprochen. Die IKB-Aktie brach an der Börse zunächst dramatisch ein und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Am frühen Nachmittag erholte sich das Papier, das um mehr als 13 Prozent ins Minus gefallen war, etwas und lag noch 7 Prozent im Minus.
Die Union im Bundestag schloss angesichts der unaufhaltsamen Talfahrt der IKB neue staatliche Geldspritzen zur Stabilisierung des Instituts kategorisch aus. "Es darf keine weiteren Mittel aus dem Bundeshaushalt geben", sagte der Haushaltsexperte der Fraktion, Steffen Kampeter. Die Mittelstandsbank hatte zuvor erklärt, sie müsse erneut von ihrer staatlichen Großaktionärin KfW mit 450 Millionen Euro gestützt werden. Damit ist das jüngste Rettungspaket für die Düsseldorfer IKB nahezu aufgebraucht.
Jetzt müsse die staatliche Förderbank KfW selbst für ihr eigenes Missmanagement bei der IKB geradestehen, sagte Kampeter. Um sich finanzielle Spielräume zu verschaffen, müsse sie ihren Projektfinanzierer KfW-Ipex veräußern. Kampeter zufolge könnte ein Ipex-Verkauf der KfW bis zu fünf Milliarden Euro einbringen.
Union: Northern Rock darf nicht zur Blaupause werden
Die Haushaltslage lasse nicht zu, dass der Bund eine weitere Stützung der IKB durch die KfW finanziere, sagte Kampeter. Von dem dritten IKB-Rettungspaket zahlt der Bund 1,2 Milliarden Euro. Die KfW pumpte im Rahmen dieser Aktion zudem bereits 600 Millionen Euro in die Mittelstandsbank. Die IKB rief nun weitere 450 Millionen Euro ab, um neue Wertberichtigungen in ihrem riskanten Wertpapierbestand aufzufangen. Den Verkauf dieses Portfolios hatte die IKB zuvor verschoben.
"Northern Rock darf nicht zur Blaupause für die IKB werden", sagte Kampeter. Die mittlerweile verstaatlichte britische Bank war auch in der weltweiten Kreditmarktkrise in Trudeln gekommen.
Der FDP-Finanzexperte Jürgen Koppelin sagte, die IKB entwickele sich für den Bund zur einer "never ending story".
Der von Finanzminister Peer Steinbrück erwartete Verkaufserlös von 800 Millionen Euro stehe mehr den je in den Sternen, sagte das Mitglied im KfW-Verwaltungsrat. "Steinbrück ist aufgefordert, die Höhe der zusätzlichen IKB-Risiken zu benennen und ein Maßnahmenpaket zu schnüren, das nicht zu weiteren Belastungen des Bundeshaushaltes führt." Ein viertes "Care-Paket" zu Lasten der Steuerzahler lehne die FDP entschieden ab.
Kein Gewinn in den nächsten Jahren mehr erwartet
Die IKB gab zudem bekannt, dass bei dem beabsichtigten Verkauf des risikoreichen Teils des Portfolioinvestments von zusätzlichen Verlusten in einer Höhe von rund 450 Millionen Euro auszugehen sei. Für ein als sicher eingestuftes Portfolio würden weitere Bewertungsverluste von 140 Millionen Euro erwartet. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Für mehrere Geschäftsjahre würden voraussichtlich keine oder nur geringe Überschüsse im Konzern und in der IKB AG ausgewiesen, hieß es weiter.
Die IKB war im Zuge der US-Subprime-Krise (Hypothekenkredite für private Bauherren mit geringer Kreditwürdigkeit) ins Trudeln geraten. Ende Juli 2007 sprang die staatliche KfW-Bankengruppe, die IKB-Hauptaktionär ist, mit einer Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro zur Seite und übernahm auch 2,5 Milliarden Euro einer Risikoabschirmung.
Mitte Februar erklärte sich der Bund bereit, über die KfW eine weitere Milliarde nachzuschießen, auch die Privatbanken sollten frisches Geld beisteuern. Im Falle eines Konkurses wären nach damaligen Angaben von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Einlagen im Volumen von 24 Milliarden Euro vom Verlust bedroht.
Finanzministerium lässt sich vom Vorstand berichten
Die IKB erklärte am Donnerstag weiter, die höheren Bewertungsverluste führten auch zu einer Belastung des Eigenkapitals. Zum Ausgleich habe die KfW wie im Rahmen des Maßnahmenpakets von Mitte Februar vereinbart eine weitere Kapitalverstärkung von 450 Millionen Euro gewährt.
Die FPD forderte Steinbrück auf, die Höhe der zusätzlichen IKB-Belastungen sofort zu benennen. Er müsse so schnell wie möglich beziffern, welche Belastungen auf den Haushalt zukämen, verlangte Finanzexperte Hermann Otto Solms.
Das Bundesfinanzministerium will sich nach Angaben einer Sprecherin kommende Woche vom Vorstand der IKB und von der KfW berichten lassen und im Lichte dieser Informationen die Lage bewerten.
Der Bankenfachmann Wolfgang Gerke äußerte sich in MDR Info wenig überrascht von der neuen Finanzierungslücke bei der IKB. "Es passt in das bisherige Bild voll hinein." Die Bank habe Risiken in einer Dimension angehäuft, die im Verhältnis zu ihrer Größe "alles sprengen, was man bisher in Deutschland gesehen hat". Noch immer wisse keiner der Beteiligten, was auf die IKB noch alles zukomme.
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(Reuters/AP/jkr/cma)
Christopher Lee zum 90.
Verstehe ja, daß die Redaktion nicht alles durchgehen lassen kann. Sonst würde bei so viel Sauerei in Politik und Wirtschaft aus unseren Foren das Blut triefen. Sollten bei der Redaktion deshalb bald mal "Hardcore-Foren" mit Paßword-Schutz beantragen. Dort könnte man sich so auslassen, wie einem zumute ist. Im übrigen würde sich dies kostendämpfend im Gesundheitswesen auswirken, da nachweislich weniger Magengeschwüre auftreten. In diesem Sinne motzen wir halt "moderat" weiter ...
... wurde mir leider wegzensiert ;o)
Ich lache mich noch krumm hier bei diesen kurzen und treffsicheren Kommentaren - herrlich, bitte mehr davon - dies auch im Zusammenhang mit dem eingeblendeten "Bild" - einfach wunderbar, dies mußte ich mal los werden.
Als vor Wochen das 2. große Loch bei der IKB mit mehreren Milliarden auftauchte, konte ich mir ein Fax an den Vorstand und den Aufsichtsrat nicht verkneifen. Dies vor allem deswegen, weil ja der frühere Vorstand (der nach dem 1. Aufdecken des Skandals seinen Hut nahm) auch noch mit Millionen-Abfindung verabschiedet wurde (ging über die Medien). Vor ein paar Tagen hat mich ein Schreiben der IKB erreicht, daß diese Abfindung wieder zurückverlangt wird, also ein Verfahren laufen soll. Bin mal gespannt ...
Außerdem: Nachdem ja auch Mitarbeiter von Privatbanken in die Steuerfahrungs-Ermittlungen geraten sind, leitete ich ein entsprechendes Schreiben an die BaFin. Heute ging die Antwort ein. Sinngemäß: Man verfolge die Ermittlungen mit Interesse, im übrigen habe die Steuerfahndung so gute Ermittlungsinstrumentarien, daß ein aktives Eingreifen der BaFin im Moment nicht nötig sei. Wenn man aber von bankenaufsichts-relevanten Sachverhalten erfahren würde, würde man entsprechende Maßnahmen einleiten.
Ich wette meinen (nicht vorhandenen) Hut, daß die Masse dieser "Kerle" ungeschoren davon kommt. Leider hat man bislang außer dem Namen "Zumwinkel" keine weiteren erfahren. Ein bischen Schadenfreude sei einem doch gegönnt, meine ich, quasi als Ausgleich für Steuergelder zur Rettung der IKB, womit wir wieder beim Thema wären. PS) Einfach unglaublich: Zumwinkel soll ca. 200 Millionen "schwer" sein, soll aber (mehrmals berichtet) in seinen Steuererklärungen bei den Einkünften aus Vermögen Beträge angegeben, die unterhalb des zu erklärenden Mindestbetrages liegen (also in etwa wie ein Schichtarbeiter, der eigentlich kein Vermögen hat). Jetzt rätselt die ganze Republik, wie solche Dinge unentdeckt geblieben waren. Sonderbar ....
"Die IKB muss faktisch dicht machen. Der Staat beatmet nun tote Pferde, in der Hoffnung, sie schleppen sich noch ein paar Meter weiter..."
... Zombis, Vampire ...
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