Datenhandel Ich weiß, was du letzten Sommer gekauft hast

Eine Easycash-Tochter soll nach einem NDR-Bericht Profile über Kunden, die mit der EC-Karte bezahlen, anlegen. Das Unternehmen widerspricht vehement.

Von Bastian Brinkmann

Eine Kundenkarte gaukelt dem Konsumenten vor, dass er dafür mehr bekommt als er gibt: Punkte, einen Rabatt, einen Treuebonus. Doch die Unternehmen wollen im Gegenzug die Daten des Kunden - was kauft er wann? Und wie viel und wie oft? Diese Marktforschung ist wertvoll. Besonders wertvoll wäre es, Daten zum Kaufverhalten mit Informationen zur Bonität zu verknüpfen - und diese Daten dann feilzubieten. Eine Handvoll Euro für einen gläsernen Kunden.

Im Zweifel gegen den Verbraucher

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Nach einem Bericht des Radiosenders NDR Info soll die Firma Easycash Loyalty Solutions genau das tun. Das Unternehmen gehört zur Easycash GmbH, die einen Datenschatz von 50 Millionen Kontoverbindungen angehäuft hat, wie vor kurzem bekannt wurde.

Das Unternehmen bietet Handelskonzernen einen Service, in Millisekunden an der Supermarktkasse zu entscheiden, ob sie vom Kunden bei einer EC-Kartenzahlung die günstigere, aber unsichere Unterschrift oder die teurere Pin-Eingabe abfordern, bei der das Geld aber auf jeden Fall gezahlt wird. Easycash legt für Kontoverbindungen Zuverlässigkeits-Profile an, verknüpfe die EC-Karten-Information aber nicht mit persönlichen Daten, so das Unternehmen damals.

Begehrtes Datenpaket

Doch ist das über Umwege möglich? Nach den Recherchen von NDR Info hat Easycash Loyalty Solutions 14 Millionen Kundenprofile in der Datenbank, inklusive Name, Anschrift, Beruf und Geburtsdaten. Diese könnten dann mit den Kontoverbindungs-Informationen des Mutterkonzern verknüpft werden - fertig wäre das wertvolle Datenpaket, nach dem Marketing-Abteilungen sich die Finger lecken.

Easycash weist in einer Stellungnahme die Vorwürfe zurück und kündigt die Prüfung rechtlicher Schritte an. Die Anschuldigung, das Unternehmen bringe Zahlungsverkehrsdaten mit den Daten aus den Kundenkartenprogrammen von Easycash Loyalty Solutions in Verbindung, entspreche nicht den Tatsachen. "Wir führen keine Daten aus dem ec-Netzbetrieb der Easycash mit den Daten aus den Kundenkartenprogrammen der Easycash Loyalty Solutions zusammen", sagt Frank Wio, Mitglied der Easycash-Geschäftsleitung.

"Unsere Schwestergesellschaft Easycash Loyalty Solutions verwaltet im Auftrag von Handelsunternehmen Kundenkartenprogramme. Die Möglichkeit einer Nutzung und des Vergleiches der Daten wurde zwar in der Vergangenheit erwogen und intern diskutiert, aber unter anderem aufgrund datenschutzrechtlicher Vorbehalte nicht realisiert."

Easycash: "Temporäre Zusammenarbeit"

Der NDR hingegen hatte bereits über konkrete Preise berichtet. Danach verlange Easycash Loyalty Solutions für einen Datensatz mit 1000 Einträgen 5000 Euro. Zu den Geschäftspartnern gehören laut NDR unter anderem Rewe und Douglas. Ihnen versprechen die Hamburger Datensammler Einblicke darin, "welche Märkte höher frequentiert sind als andere", zitiert der Radiosender aus einer Easycash-Präsentation. Demnach erstellt die Firma außerdem Bewegungsprofile und ermittelt die "Kundenqualität", also welche Handelsketten "besonders viele Kunden mit schlechtem und mit gutem Zahlverhalten haben".

Laut Easycash handelt es sich bei diesen Dokumenten um Präsentationsunterlagen, die zu Gesprächen mit potentiellen Kunden gedient haben. Auf dieser Basis sei es zu einer - inzwischen beendeten - temporären Zusammenarbeit mit einem Kunden gekommen. Auch in diesem Fall habe es aber keinen Austausch zwischen Kundenkartendaten und den Transaktionsdaten gegeben.

Auch die Parfümeriekette Douglas widersprach. Sie erklärte, dass sie diese Analysedaten von Easycash Loyalty Solutions nicht nutze. "Es ist weder vertraglich vereinbart mit Easycash noch wäre es vertraglich zulässig, dass die Daten ausgewertet werden", sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Rewe Group betonte, dass ihre Kundenkarte nicht von Easycash Loyalty Solutions betreut werde. Die Karte gebe es außerdem nur in einem Testgebiet im Saarland. "Die Kundenkarte enthält keine Informationen über Kontoverbindungen. Eine Kombination oder ein Abgleich der jeweiligen Karteninformationen mit Zahlungsverkehrsdaten ist daher ausgeschlossen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Datenschützer kritisiert gläserne Kunden

Der Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar hatte nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von einer neuen Dimension des Datensammelns gesprochen: "Die Kunden werden so zu gläsernen Verbrauchern, deren Informationen ausgewertet werden, ohne dass sie es erfahren." Er kündigte an, Easycash Loyalty Solutions unter die Lupe zu nehmen: "Illegal wäre es, wenn zwei Firmen unterschiedliche Datenbestände mit unterschiedlichen Zwecksetzungen etwa aus dem bargeldlosen Zahlungsverkehr und von Kundenkarten zusammenführen, ohne dass der Verbraucher dies weiß und dem zustimmen konnte", erläuterte Caspar.

Nicht jede Verküpfung von Daten muss für Verbraucher nachteilig sein, aber: Sie kann es sein. "Wir wissen nie, was mit den Daten in Zukunft gemacht wird", sagt Falk Lüke von dem Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Wenn ich mir ansehe, welche Datenskandale es zuletzt gegeben hat, muss ich sagen: Dafür hat meine Vorstellungskraft vor drei Jahren auch noch nicht gereicht." Bislang habe ein Supermarkt anhand von Bewegungsprofilen vielleicht nachvollziehen können, dass Kunden beispielsweise oft von der Tankstelle gegenüber oder dem Geschäft nebenan noch in den Markt kämen. Bald kenne er womöglich auch noch die Bonität dieser Kunden.