Bankschließfach als Lager fürs eigene Gold Hinter verschlossenen Türen

Finanzkrise, Schuldenkrise, Euro-Krise: Immer mehr Menschen suchen Schutz für ihre Wertsachen. Doch was ist sicherer: Tresor oder Bankschließfach? Ist der Inhalt auch versichert? Wer weiß, was drin ist? Und was passiert beim Tod eines Kunden mit dem Schließfach? - Antworten auf die zwölf wichtigsten Fragen.

Von Jennifer Lange

Schmuck, Gold, wertvolle Dokumente - in der Krise investieren immer mehr Menschen in Sachwerte. Bei vielen steigt das Sicherheitsbedürfnis. 'Gerade in diesen wechselhaften Zeiten und bei den vielen Fragen um den Euro ist die Angst um die Geldwertstabilität gegeben', sagt Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der Münchner Bank. Die Nachfrage nach Schließfächern sei in den letzten Monaten nochmals stark gestiegen.

Wohin mit all dem Gold? Ins Bankschließfach! Viele Kreditinstitute bieten den sicheren Stauraum schon für knapp 30 Euro im Jahr an. Je größer das Fach ist, desto teurer wird es.

(Foto: AP)

Einfach zu Hause lagern sollte man seine wertvollen Stücke besser nicht. Rund 122.000 Wohnungseinbrüche gab es im vergangenen Jahr in Deutschland laut Kriminalstatistik. Sicherer liegen persönliche Wertsachen im Haustresor oder im Schließfach bei der Bank. Doch was ist besser? 'Das Schließfach ist sicherer als der Tresor', sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. Doch der Experte empfiehlt auch den Tresor, weil der Verbraucher dann bessere Konditionen mit der Hausratversicherung aushandeln kann. Viele Bürger schrecken Aufwand und Kosten ab. Dabei zahlt ein Kunde für ein Schließfach im günstigsten Fall knapp 30 Euro im Jahr, so die Stiftung Warentest. Die SZ gibt einen Überblick über Vor- und Nachteile.

Wie eröffnet der Kunde ein Bankschließfach?

Er geht persönlich in eine Bankfiliale, weist sich mit Personalausweis oder Reisepass aus (manchmal zusammen mit der Meldebestätigung), unterschreibt einen Mietvertrag und kann seine Wertsachen direkt einschließen - vorausgesetzt, es gibt freie Fächer. Das ist aber die Regel, die Banken haben mehrere tausend Fächer. Die Hamburger Sparkasse, als größte Sparkasse, hat sogar 200.000 Schließfächer. Am beliebtesten sind dort die kleinsten und günstigsten Fächer im DIN-A4-Format mit gerade einmal drei Zentimetern Höhe. Sind alle Fächer vergeben, kommt man auf eine Warteliste wie etwa bei der Sparda-Bank West.

Was ist besser: ein eigener Tresor oder ein Schließfach?

Beim Tresor hat man nur einmal die Anschaffungskosten und muss den Handwerker bezahlen, der den Tresor in die Wand einbaut oder im Boden verankert. An den Inhalt kommt der Besitzer jederzeit. An den Schließfachinhalt kommt der Kunde hingegen nur zu den Öffnungszeiten und er zahlt jährlich oder monatlich Gebühren. Die Kosten können auf Dauer höher sein. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt den Tresor für Zuhause, wenn der Verbraucher jederzeit auf seine Wertsachen zugreifen möchte. Er rät zu dem Sicherheitsschrank - vor allem aus Versicherungsgründen.

Welche Rolle spielt die Hausratversicherung?

Die Hausratversicherung haftet im Normalfall nur bis zu einer gewissen Summe. Wenn es also im Vertrag heißt: 'Entschädigungsgrenze für Bargeld: 1500 Euro', bedeutet dies, dass der Versicherte alles über diese Summe im Schadensfall nicht zurück bekommt. Daher sollte man immer im Vertrag der Hausratversicherung auf die Haftungsgrenzen achten, so Straub von der Verbraucherzentrale. In einem Wertschutzschrank lagern oft Schmuck, Urkunden, Edelsteine, Briefmarken, Münzen, Medaillen und Stücke aus Gold oder Platin. Liegen die Wertsachen im hauseigenen Tresor, hebt die Versicherung die Haftungsgrenze an.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Jahresmiete liegt etwa bei der Münchner Bank je nach Größe des Faches zwischen 51,29 Euro und 282,11 Euro. Das günstigste und kleinste Fach in der Befragung durch die Stiftung Warentest kostet knapp 30 Euro im Jahr und bietet Platz für einen dünnen Aktenordner (3,5 Liter Fassungsvermögen). Das größte Fach kostet 500 Euro (5500 Liter Fassungsvermögen). Wer nur für kurze Zeiträume mieten möchte, weil er etwa in den Urlaub fährt, zahlt oft weniger als zehn Euro. Für einen Tresor kann man, je nach Dicke der Wände, Größe und des Materials zwischen 100 und 10 000 Euro ausgeben.

Vor dem Kauf sollte man seine Hausratversicherung fragen, welchen Tresor sie wie versichert. 'Nicht jeder angepriesene Tresor aus dem Internet oder dem Baumarkt erfüllt die Qualitätsanforderungen der Versicherung', erklärt eine Sprecherin der Allianz. Wichtig sei eine geprüfte Qualität, also Schränke, die etwa das Prüfsiegel der VdS-Schadenverhütung tragen. Die Plakette ist innen angebracht. Sie zeigt, wie widerstandsfähig der Tresor gegen Aufbruch und gewaltsames Herausreißen ist. Welcher Grad benötigt wird, ergibt sich aus der Gesamthöhe der Werte, die darin aufbewahrt werden. 'Deshalb sollte der Versicherte vor dem Kauf eine Liste mit den Gegenständen aufstellen und den Wert summieren', sagt die Allianz-Sprecherin.

Wer bietet ein Bankschließfach an?

Viele Geldhäuser, aber längst nicht alle. Überregionale Institute wie die Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank und Commerzbank, aber auch regionale wie die Münchner Bank und die Sparda-Bank West vermieten nur an eigene Kunden. Derzeit kein Angebot haben etwa die Postbank, Sparda Bank München, Santander Consumer Bank, Norisbank und die Targobank.