Kampf um Lebensmittel: Es ist einer der größten Skandale in der Wirtschaftswelt, dass hemmungslose Spekulation mit Grundnahrungsmitteln möglich ist.
Die dramatischen Ereignisse entlarven die "Experten" mal wieder als fürchterliche Scharlatane. Was wurde in den Monaten der hohen Lebensmittelpreise nicht alles als Grund genannt!
Ein Rohstofffonds kauft den gleichen Reis wie die Familie in Asien. (© Foto: dpa)
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Expertenaussage eins: "Die Chinesen essen jetzt so viel, weil sie mehr Wohlstand haben. Besonders Fleisch. Daher werden die Preise immer weiter in astronomische Höhen steigen." Und jetzt? Essen die Chinesen plötzlich nichts mehr? Sind sie wegen der Tibetfrage geschlossen in den Hungerstreik getreten oder warum sind die Preise um 30 Prozent eingebrochen?
Expertenaussage zwei: "Das ist doch klar, dass die Preise so steigen, wenn Mais und Soja zu Treibstoff verarbeitet werden. Das wird sich weiter fortsetzen. Die Preise werden noch viel höher steigen." Und jetzt? Haben die Raffinerien Gewissensbisse bekommen und den Mais an die arme Bevölkerung Westafrikas verteilt? Wurde die Produktion von Biodiesel plötzlich eingestellt?
Expertenaussage drei: "Der Maispreis ist so explodiert, weil der Mississippi die ganzen amerikanischen Anbauflächen überflutet hat. Die Böden sind auf Jahre nicht mehr nutzbar!" Und jetzt? Gab es eine göttliche Schnellsanierung der Ackerflächen?
Erinnern Sie sich, wie aufgrund dieser Expertenaussagen alle Anlegerzeitungen für Rohstofffonds und Rohstoffzertifikate trommelten? Jede Hausfrau sollte plötzlich zum Weizenspekulanten werden. Wer braucht schon Aktien oder Festgeld? Das Glück liegt in Reiszertifikaten! Die Titelseiten überboten sich mit reißerischen Rohstoffthemen.
Was ist daraus geworden? Wer auf den Hype reingefallen ist, saß wenige Monate später mit rot verweinten Augen vor seinem Bankberater. Der hatte natürlich auch ins gleiche Horn geblasen und beruhigte den Anleger jetzt mit den Worten: "Das müssen Sie langfristig sehen. In Zukunft kann es mit den Lebensmittelpreisen nur nach oben gehen."
Gefährliche Spekulation mit Lebensmitteln
Natürlich hofft er, dass seine Kunden es langfristig sehen - mindestens so lange, bis er die Zweigstelle gewechselt hat, bevor ihnen der Kragen platzt.
Noch ein Wort zur Spekulation mit Lebensmitteln: Ich halte es für einen der größten Skandale unserer freien Wirtschaftswelt, dass hemmungslose Spekulation mit Grundnahrungsmitteln überhaupt möglich ist. Wenn ich Aktien kaufe, stelle ich der Aktiengesellschaft Geld zur Verfügung, damit sie Ertrag erwirtschaftet und im Idealfall auch noch Arbeitsplätze schafft und die Wirtschaft insgesamt voranbringt.
Das nenne ich investieren, um etwas zu schaffen und weiterzuentwickeln. Wenn ich Öl oder Gold kaufe, in der Hoffnung, dass die Preise steigen, dann ist das kein Investieren, sondern Spekulieren.
Ich wette nur auf den Preisanstieg. Wenn viele Marktteilnehmer Gold kaufen, weil sie auf einen steigenden Goldpreis wetten, steigt die Nachfrage, und der Goldpreis schießt tatsächlich in die Höhe. Daraus entsteht jedoch kein großer Schaden, außer dass Gold für die Industrie teurer wird oder auch die Schmuckhersteller ihre Preise anheben müssen. Das tut niemandem wirklich weh. Aber wenn ich mit Grundnahrungsmitteln spekuliere, sieht die Sache ganz anders aus.
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Wir legen alle jeweils nur 100 Euro im Monat als Sparrate in einen Rohstofffonds. Da kommen weltweit einige Milliarden zusammen.
Der Rohstofffonds kauft dann am Terminmarkt Weizen oder Reis. Daraufhin steigt der Reispreis. Nicht weil ich den Reis essen will, sondern nur weil ich mir mal eben einige Tonnen virtuell in die Garage gepackt habe, um sie später zu einem höheren Preis an die Hungernden zu verkaufen.
Ich kaufe also mit meinem Rohstoffinvestment an der gleichen Börse den gleichen Reis wie die Familie in Indonesien. Für die Familie macht es der Großhändler, für mich der Fondsmanager. Das Problem der Hungernden in diesen Ländern besteht nicht darin, dass kein Reis da ist, sondern darin, dass sie ihn sich nicht leisten können, weil er zu teuer ist. Und ich bin derjenige, der den Preis mit nach oben treibt, um dann am Elend und der Not dieser Menschen zu verdienen.
Auf der nächsten Seite: Wie Rohstofffonds die Lebensmittelpreise treiben.
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Jeder kann auf Geldanlagen verzichten, die Mensch und Umwelt schaden! Keiner braucht Finanzprodukte, die auf Kosten der Ärmsten mit Nahrungsmitteln spekulieren! Dafür setzt sich die Initiative handle-fair.de ein.
Es ist ein Unding, dass es möglich ist, mit Agrarrohstoffen wie Weizen und Mais zu spekulieren. Auf der einen Seite wird zu Spenden und Hilfen für arme Länder aufgerufen und auf der anderen Seite treiben Spekulanten die Lebensmittelpreise in die Höhe. Ich als Anleger boykottiere solche Finanzprodukte und unterstütze die Initiative www.handle-fair.de, die sich gegen den Handel mit Agrarrohstoffen ausspricht.
Wir brauchen ein anderes Finanzsystem - aber leider ist die Darstellung von Mr. Max wohl recht populistisch. Der Artikel zeigt auch, dass ein "Händler" nicht unbedingt das System durchschauen muss, in dem er agiert. Den durchdachten, engagierten Diskurs zum Thema steigern solche populistisch-emotionalen Beiträge zur Debatte leider nicht.
Die Kommentare die auf ökonomischer Logik (Arbitrage, Absicherung von Produzenten gegen Preisschwankungen) basieren werden durchweg mit schlechten Bewertungen abgestraft. Dies dürfte einiges über die "Sachlichkeit" des aktuellen Diskurses aussagen. Es ist unbestritten, dass sich im Finanzsystem signifikant etwas ändern muss. Allerdings empfehle ich allen Fundamental-Oppositionellen, sich wenn auch widerstrebend mit dem Sinn von Finanzinstrumenten auseinanderzusetzen, und sich nicht in Emotionen zu ergehen und das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Viele Grüsse,
Martin
ps: Warum posten eigentlich alle hier mit nicks?
Ich befürchte, der Artikel macht es sich mit seiner recht kollektiven Verdammung von Spekulation etwas einfach. Es ist volkswirtschaftlich nicht ganz einfach zur erklären, wie Derivate auf Nahrungsmittel zu mehr als kurzfristige Preissteigerungen führen sollen. Denn die "virtuell" gekauften Nahrungsmittel müssen ja irgendwann von jemand "real" gekauft werden, grade weil sie nicht wirklich gelagert werden können
Positive Effekte wäre zB ein frühzeitiges Anzeigen von Knappheit und eine entsprechende Ausweitung der Produktion sowie die Möglichkeit für Entwicklungsländer, ihre (realwirtschaftlichen) Im- oder Exporte von Nahrungsmitteln über Derivate gegen Preisschwankungen abzusichern. Dies ist möglich und geschieht.
Wie sogar die Spekulation mit Währungen den Armen helfen kann, habe ich hier kurz beschrieben: http://unternehmenarmut.wordpress.com/2009/01/30/vielen-dank-herr-spekulant/
Alles, was recht ist, teuerster Nicknoris - auf den IQ von Paris Hilton zu spekulieren, da würde ich doch eher abraten.
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