Ein Etatentwurf der Superlative: Die Regierung hat den größten Schuldenhaushalt der deutschen Geschichte beschlossen - doch es ist ein Plan mit begrenzter Gültigkeit.
Das Bundeskabinett hat den Entwurf für den größten Schuldenhaushalt in der bundesdeutschen Geschichte beschlossen. Die Regierung verabschiedete nach Angaben aus Regierungskreisen den Entwurf von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) für den Bundeshaushalt 2010, der mit 86,1 Milliarden Euro an neuen Krediten den bisherigen Schuldenrekord aus dem Jahr 1996 von rund 40 Milliarden Euro um mehr als das Doppelte übertrifft.
Finanzminister Peer Steinbrück plant für das kommende Jahr eine Rekord-Schuldenaufnahme. (© Foto: dpa)
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Grund für den immensen Anstieg der Staatsschulden ist die tiefste Rezession in Deutschland seit mehr als 80 Jahren. Diese schlägt sich mit Einbrüchen bei den Steuereinnahmen und steigende Ausgaben für die zunehmende Arbeitslosigkeit nieder. Auch in den Jahren bis 2013 rechnet Steinbrück mit einer nur langsam rückläufigen Neuverschuldung. Insgesamt sieht Steinbrücks Plan in diesem Zeitraum neue Schulden in Höhe von 310 Milliarden Euro vor.
Der Entwurf hat allerdings nur begrenzte Bedeutung. Nach der Bundestagswahl im September wird eine neue Bundesregierung den Plan vermutlich umfassend überarbeiten.
Defizitsünder auf Jahre
Der Finanzminister verteidigte das beispiellose Ausmaß der Schuldenaufnahme als alternativlos. Dieses Niveau sei einmalig und werde es hoffentlich auch bleiben, sagte er im Deutschlandfunk. Die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten zwinge die Bundesregierung dazu, "einfach antizyklisch dagegen anzufinanzieren über Maßnahmen, die hoffentlich den Arbeitmarkt stabilisieren und das Wachstum wieder ankurbeln", sagte er. Das könne man derzeit nur über neue Kredite machen. Alles andere, etwa Ausgabenkürzungen oder höhere Steuern, würde die Krise nur noch verschärfen.
Trotz dieser Lage, die Deutschland in diesem und im nächsten Jahr deutlich die europäische Defizitgrenze von drei Prozent reißen lassen wird, sollte der EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt nach Steinbrücks Worten nicht angetastet werden. Auf die Frage, ob der Pakt tot sei, sagte er: "Nein, im Gegenteil." Er ergänzte: "Ich trete sehr stark dafür ein, dass die disziplinierende Klammer dieses Stabilitäts- und Wachstumspaketes erhalten bleibt." Damit solle den Bürgern wie auch den Finanzmärkten klar signalisiert werden, dass man nach dem Ende der scharfen Rezession auf den Konsolidierungspfad zurückkehren müsse.
Trotzdem rechnet Steinbrück damit, dass die EU spätestens Anfang 2010 ein Defizitverfahren gegen Deutschland auf den Weg bringen wird. "Dann werden wir erklären müssen, wie wir auf drei Prozent zurückkommen werden", sagte der Minister der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auf Basis der aktuellen Konjunkturprognosen sei damit erst 2013 oder 2014 zu rechnen. Der Euro-Stabilitätspakt erlaubt eine Neuverschuldung von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU-Finanzminister vereinbarten aber bereits im vergangenen Jahr, wegen der Krise den Stabilitätspakt flexibler zu handhaben.
Nach der weltweiten Wirtschaftskrise sollte Deutschland nach Steinbrücks Worten wieder auf einen Sparkurs einschwenken. Trotz der ungewöhnlichen Krise müsse zum Konsolidierungspfad zurückgekehrt werden, sagte der Finanzminister. Dies sei auch ein Signal an die Finanzmärkte und wichtig für die künftigen Kreditbedingungen für Deutschland.
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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/tob/mel)
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Freut mich dass Sie Steuern vermeiden können. Ich bin (leidender) Angestellter und kanns nicht, seit Schröder ist der Gestaltungsspielraum nahe bei Null. Früher bis spät unter Kohl gabs noch die Möglichkeit, mit Investitionen in Wohnungen über Verluste aus Vermietung und Verpachtung seine Steuerlast zu senken. Aber auch das geht kaum noch, denn die Absetzbarkeiten sind als Angestellter Mau.
Beispiel: Die Kilometerpauschale der Arbeitnehmer beträgt etwa 15 Cent je gefahrenem Kilometer. Ein normaler Neuwagen der Golf- bis Passat-Klasse kostet zwischen 35 und 50 Cent je Kilometer bei Vollkostenrechnung.
Mir bleibt nur die Möglichkeit entweder die Faust in der Tasche zu ballen oder in letzter Konsequenz ins Ausland zu gehen.
Prügelstrafe für Handwerker, Gefängnisstrafe für Beamte, Todesstrafe für Banker und Politiker
Und das soll das alles ohne Konsequenzen bleiben ? Noch vor Jahresfrist faselte dieser Mensch von ausgeglichenem Haushalt und präsentiert uns heute kalt lächelnd diese Unsummen. Ich erwarte mindestens den sofortigen Rücktritt des Ministers wegen erwiesener Unfähigkeit. Wenn früher ein Politiker was verbockt hatte, ging er diskret nach Genf und legte sich in die Badewanne.
@ markus et al:
Gute Politiker findet man selten , egal wo. Das ist die Natur der Dinge.
Wuerde noch etwas tiefer graben.
Je mehr obrigkeitstreu und staattsglaeubig ein Volk, desto wichtiger die Politiker - und deren Entscheidungen, Transparenz, etc..
Viele Amerikaner bevorzugen moeglichst wenig Staat und pfeifen auf Kreditkarten .. dementsprechend egal ist Ihnen die White House Sippschaft, was bei der Fed ablaeuft und was bei der letzten Bilderberger-Konferenz bequatscht wurde.
Frei nach: Who cares ?
"Das System muß jedoch (leider) von den Politikern geändert werden ..."
Es wird sich nichts aendern solange Deutschland GK waehlt und das Wahlvolk Schiss hat vor Freiheit & Eigenverantwortung.
Cest la vie.
Ich gebe "Schmidt-Urbar" völlig recht. Und das gilt im Grunde nicht nur für das Geld- und Wirtschaftssystem.
Die Menschheit erforscht Galaxien, zu denen selbst das Licht Millionen Jahre unterwegs ist und Universen, die vor dem Urknall existierten. Sie produziert schwarze Löcher im Brieftaschenformat, Instantkaffees to go die niemals kalt werden, Reise-Laptops haben bereits mehr Rechenleistung als die NASA für die ersten Mondlandungen benötigt hat und auf den Mobiltelefonen der Teenager laufen mehr Fernsehprogramme, als irgendjemand anschauen könnte.
Weltweit werden neue Patente im Minutentakt eingereicht und die Finanzbranche hat über zwei Jahrzehnte fast täglich neue vermeintlich innovative Produkte erfunden, nur im politischen Betrieb wird noch immer nach Denkmustern und ideologischen Schemata gearbeitet, die allesamt anderthalb bis zwei Jahrhunderte alt sind. Oder noch älter.
Sozialismus, Liberalismus, alles Konzepte aus den 30er, 40er, 50er Jahren Achtzehnhundert, wohl gemerkt! Kapitalismus noch viel älter. Ihn haben vermutlich die antiken Phönizier geprägt. Steuern werden nach wie vor nach dem frühmittelalterlichen Prinzip des Zehenten erhoben.
Seit die Revolutionen vor drei bis zweihundert Jahren die absoluten Monarchien weitgehend beseitigt haben, scheint die Menschheit zu glauben, sich politisch nichts Neues mehr ausdenken zu müssen. Die Art, in der wir uns als Staaten, als Gemeinwesen organisieren und verwalten, hält mit unserer technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung bei weitem nicht Schritt.
Kurz gesagt, es mangelt an neuen Ideen!
Und das liegt bei Weitem nicht allein an den Politikern! Auch eine unflexible Gesellschaft, Besitzstandssichernde Verbände und allerhand Seilschaften tragen dazu bei. Ebenso wie ein vermeintlich gut und schnell informierter Journalismus, der sich mit Vorliebe profiliert, in dem er junge Gedankenpflänzchen aus politischen Umfeldern genüsslich zerredet und zerreißt, noch ehe diese zu einer gewissen Widerstandskraft reifen können.
Und trotzdem gibt es sie, muss es sie geben, die neuen Ideen.
Ich möchte sie suchen, sammeln und diskutieren. Und eben dazu würde ich Sie, geneigte Leser, gerne einladen. Auf dem Blog Hantigk ohne O unter: http://hantigkohneo.wordpress.com
Auf das irgendwo ein Licht aufgehen möge oder ein Funke überspringt und zündet.
Paging