Wikipedia-Gründer Jimmy Wales versucht, die Welt zu verbessern - und dabei Geld zu verdienen. Nun will er seinen zweiten großen Wurf vollenden: Wikia, ein Hosting-Dienst für frei gestaltbare Internetseiten.
Will man Großes erreichen, muss man eingängig formulieren. Jimmy Wales kann das. "Ich denke, das Wesen des Internets ist es, den Menschen Werkzeuge der freien Meinungsäußerung an die Hand zu geben", sagt Wales. So gesehen spielt der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia selbst eine fundamentale Rolle.
Anzeige
Denn Wales, 40, baut gerade wieder an so einem Werkzeug: Wikia heißt das und soll nicht weniger als "der größte Medienkonzern mit frei zugänglichen Inhalten" werden.
"Wiki" bedeutet in der Sprache der polynesischen Ureinwohner von Hawaii "schnell". Der Name Jimmy Wales steht nicht nur für schnelle und sehr amerikanische Sätze über das Internet und seine Bedeutung für eine offene Gesellschaft. Er steht auch für echte Pioniertaten: 2001 gründete der Sohn eines Gemischtwarenhändlers und einer Lehrerin aus Huntsville/Alabama das von den Usern, den Nutzern, gestaltete Internet-Nachschlagewerk Wikipedia.
Fast 600.000 Artikel stehen dort allein in der deutschen Version, täglich kommen neue hinzu. Erklärt wird vom Medaillenspiegel der zurückliegenden Olympischen Winterspiele bis zur Weinbergschnecke fast alles.
Die Internetseite wikipedia.org kletterte in der Rangliste der weltweit populärsten Internetseiten (zu finden bei alexa.com) mittlerweile auf den neunten Platz - knapp hinter den Branchenriesen Google und YouTube.
Wikipedia wird oft für seine fehlerhaften Inhalte kritisiert. In Wikipedia drücken sich die Gefahren eines weltweiten und offenen Kommunikationsnetzes aus. Das Unkontrollierte reicht nicht an die Seriosität der geschlossenen Encyclopædia Britannica.
Vergangene Woche wurden der kanadische Wrestler Chris Benoit, seine Frau Nancy und der gemeinsame Sohn Daniel tot in ihrem Haus in Fayetteville/Georgia aufgefunden. 14 Stunden vor Entdeckung der Leichen (Benoit hatte offenbar Frau und Kind erstickt und sich erhängt) war in der englischen Wikipedia anonym auf das Ableben von Nancy Benoit hingewiesen worden. Der Anonymus räumte mit Bedauern einen Akt von Vandalismus ein, der zufällig die Realität zum Ausdruck gebracht habe.
In Larry Sanger hat sich ein ehemaliger Mitstreiter von Wales mit einer vorgeblich sichereren Version einer Mitmach-Enzyklopädie (Citizendium) vorgewagt. Wales, in Amerika auch als Ideengeber politischer Bürgerforen im Internet bekannt, sagt: "Ich denke nicht in Wettbewerbskategorien." Er will Wichtiges vor allem selber erschaffen - und damit Geld verdienen. Bei Wikipedia ist das anders.
Das gestaltungsdurchlässige Forum ist in einer gemeinnützigen Stiftung organisiert, die das Weltwissen sammeln möchte. Sein Unternehmen Wikia, gegründet 2004, sammelt ebenfalls Wissen online, es ist aber gewinnorientiert.
Konkurrenz für Google
Die Online-Händler Amazon oder der Erfinder des Internet-Browsers Netscape, Marc Andreessen, sind als zahlungskräftige Investoren beteiligt. Vorwürfe, er verrate durch die Hinwendung zum Profit seine Ideale, kontert Wales: "Was für ein Ideal wäre das, sich selbst zu opfern? Wenn wir Wege finden, eine freie Kultur zu unterstützen, dann haben wir wirklich dazu beigetragen, die Welt ein Stück besser zu machen."
Wales, studierter Finanzwissenschaftler und 2006 vom Time Magazine in die Liste der 100 einflussreichsten Weltbürger aufgenommen, will nun seinen zweiten großen Wurf nach Wikipedia vollenden. In der Wikia-Zentrale in San Mateo/Kalifornien entsteht neben einer neuartigen Internet-Suchmaschine, die unter dem Namen Wikia Search dem Giganten Google Konkurrenz machen soll, ein Hosting-Dienst für frei gestaltbare Internetseiten, sogenannten Wikis.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie Wales das Web 2.0 weiterentwickeln will.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Debatte über Urheberrecht
... wieso, der Artikel über Irriigation ist doch hübsch. Ich mag solchen Quatsch. Man muss als Wikipedia-Leser eben eine gesunde Portion Humor, Distanz und Skeptizismus mitbringen, dann kann man, ein wenig Bildungshintergrund und übung in der Textrezeption vorausgesetzt, auch viel Nutzen aus der Website ziehen. Gerade, wer sich mit Populärkultur und aktuellsten Phänomenen beschäftigt, wird wohl bei der EB wenig finden (da steht z.B. nicht drin, was Katsumi ist - ein französisches Pornostarlet!)
Bei der nature Studie sollte nicht vergessen werden, dass ausschließlich naturwissenschaftliche Artikel verglichen wurden ("Yet Nature's investigation suggests that Britannica's advantage may not be great, at least when it comes to science entries.")
Naturwissenschaftliche Artikel haben den Vorteil, dass es (kaum) Kontroversen darüber gibt, was richtig oder falsch ist. Es loht sich auch einen Blick auf die verglichenen Themen/Artikel zu werfen:
http://www.nature.com/news/2005/051212/multimedia/438900a_m1.html
Beim Satz des Pythagoras oder dem archimedischen Prinzip gibt es kaum ungelöste Kontroversen, das sind Themen bei denen kaum unterschiedliche Meinung vertreten werden.
Ganz anders sieht es sicher bei Themen wie "Gott", "Globaler Erwärmung" "Irakkrieg", "Abtreibung" oder "Ist Star Trek oder Deep space Nine besser" aus. Hier können durchaus unterschiedliche Standpunkte vertreten werden, die aber durch die hohe Partizipation der Wikipedianer in der Regel trotzdem zu brauchbaren und ausgewogenen Artikeln führen.
Ganz schwierig wird Wikipedia als zuverlässige Quelle aber wenn es in Bereiche geht, für die sich kaum jemand interessiert und die dann recht unwissenschaftlich geschrieben sind. Ein Beispiel wäre der (deutsche) Wikipedia Artikel über Irrigation (Mal durchlesen - überraschend was es alles gibt und wie ein Artikel nicht aussehen sollte).
Das war nicht die c't es war kein geringerer als die Nature
(http://www.nature.com/news/2005/051212/full/438900a.html)
Ein wenig mehr Recherche hätte auch Ihnen gut getan.
Keine 6, aber so oder so durchgefallen.
Setzen!
;)
Die Aussage : "Das Unkontrollierte reicht nicht an die Seriosität der geschlossenen Encyclopædia Britannica. " ist falsch.
Die Zeitschrift CT (und die ist nun mal seriöser, als die SZ in Sachen digitale Welt)
testete vor - glaube ich - einem halben Jahr verschiedene Enzyklopädien.
Wikipedia schnitt ziemlich gut ab.
Die Britannica enthielt mehr Ungenauigkeiten und Falschaussagen.
Setzen sechs.