Computer erzeugen Bilder, die der Mensch kaum von der Realtität unterscheiden kann. Vor allem eine Branche lädt ihre Kunden bereits in die Matrix ein.
Der Sportwagen steht hoch oben am Bergplatteau inmitten der Vulkanberge. Dampf aus heißen Quellen steigt in den blauen Himmel empor. Der Fahrer ist sicher gerade erst aus dem Bild gelaufen und genießt den Blick auf die bizarre Vulkanlandschaft.
Was ist virtuell, was ist real? Viele Autohersteller vertrauen auf computergenerierte Welten. (© Foto: Recom)
Anzeige
Moment mal! Was macht der Fahrer? Und wie kommt dieses Auto auf den steinigen, unbefahrbaren Vulkangipfel? Gute Frage. Gar nicht. Einen Fahrer gibt es nicht und weder der Wagen noch die Umgebung sind real.
"Es gibt schon viele virtuell erstellte Grafiken, die vom menschlichen Auge nicht mehr von der Realität zu unterscheiden sind", erklärt Reinhard Klein, Leiter der Arbeitsgruppe Computer Grafik an der Universität Bonn. Bei einfachen Bildern fällt es auch ihm schwer zu erkennen, ob es sich um eine Fotografie oder eine virtuelle Darstellung handelt. Und auch Leser werden getäuscht: "In Autokatalogen findet sich fast keine Fotografie mehr von echten Autos in echten Landschaften", verrät Klein.
Aber die Forscher sind sich weltweit uneins, ob es eines Tages die perfekte Illusion geben kann. Reinhard Klein verneint. Sein amerikanischer Kollege Michael McGiugan, Forscher am Brookhaven National Laboratory in New York, will hingegen in wenigen Jahren absolut täuschend echte Abbildungen erzeugen. Heute sind beide Forscher noch weit davon entfernt, die Welt wie sie jedem Menschen individuell erscheint, nachzubauen. Ein speziell geschultes Auge sehe die Unterschiede zwischen Original und virtueller Kopie.
Experten erkennen die Darstellungsfehler
Zu Forschungszwecken hat Kleins Grafik-Team für verschiedene Produkthersteller Designideen schon vor der teuren Testproduktion virtuell entstehen lassen. Die Designer konnten sich ihre Entwürfe dann in 3D, auf der Straße oder mitten in einem Naturszenario, bei Sonnenschein oder Regenwetter anschauen. Klein war von seinen Umsetzungen überzeugt. Die Designer dagegen überhaupt nicht. "Eine Lackdesignerin sagte mir: Das ist nicht mein Material", berichtet Klein. Sie habe kleinste Abweichungen in der Farbe gesehen. "Die Produktexperten bemerken Fehler, die vorher nicht einmal durch Messgeräte aufgefallen sind."
Aber das ist nicht das einzige Problem: Um eine perfekte Illusion zu kreieren, müsste es dem Betrachter möglich sein, spontan jeden Blickwinkel auf das Objekt wählen zu können. Aber die erforderlichen Daten können nicht schnell genug generiert werden. In einem Experiment hat der amerikanische Forscher Michael McGuigan hat den Supercomputer Blue Gene/L des Brookhaven National Laboratory in New York, eine fotorealistische virtuelle Umgebung berechnen lassen und die Zeit gestoppt. Obwohl der Blue Gene/ L ist mit einer Rechenkraft von 2000 Prozessoren derzeit einer der stärksten Computer der Welt ist, brauchte er für die notwendigen Renderprozesse Stunden.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie virtuelle Grafiken das Kinoerlebnis der Zukunft verändern werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Computerspiele Ich & Ich 22.02.2008
- Bildstrecke Leben in "Second Life" 15.01.2007
- Online-Sucht Meine virtuellen Freunde 26.11.2007
- Künstliche Intelligenz "Man kann mit Robotern eine Ehe führen" 09.12.2007
- Neue virtuelle Welt Google World statt Second Life? 25.09.2007
Christopher Lee zum 90.
...nur zustimmen! Von inhaltlichen Mängeln abgesehen, ist der Artikel zudem auch in Sachen Rechtschreibung eine Zumutung für den Leser! Liebe Süddeutsche, ich weiss, Online- und Printausgabe weisen naturgemäß Unterschiede auf. Aber nur, weil das Internet gewissermaßen ein "virtuelles" Medium ist, bedeutet dies nicht, dass man sich dort nicht seinen REELEN, TATSÄCHLICHEN Ruf ruinieren könne... (-;
Immer wieder nett finde ich den Anspruch von sueddeutsche.de, die Qualität der Kommentare moderieren zu wollen. Die Phrase allein regt mich schon jedesmal auf.
Kommen wir zur Qualität der Artikel (die immerhin rund um die Uhr abrufbar sind, da ist die SZ richtig modern...):
Wenn der Autor richtig recherchiert hätte, würde er wohl nicht "weder der Wagen noch die Umgebung sind real" schreiben. In der Bildstrecke findet sich immerhin ein Hinweis darauf, wie so etwas gemacht wird:
"...Auf dem Automodell spiegeln sich täuschend echt die Reflexionen der bunten Schaufesterbeleuchtungen. Für die Berechnung und Generierung solcher Lichtreflexe..."
Also: das Auto (die Werbung soll ja bereits fertig sein, bevor die ersten Serienfahrzeuge aus der Montagehalle rollen) ist mit Hilfe von Konstruktionsdaten gerendert, die Umgebung ist ein echtes Foto (am besten als HDR Panorama, Stichwort HDRI, siehe Wikipedia). Das Panorama wird in einer entsprechenden Umgebung fotografiert und später vom Rendering-Programm zur Erzeugung der Reflexe verwendet. Das ganze nennt sich dann image based lighting (IBL).